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Italiens Keramikindustrie fordert EU-Reform wegen steigender Kosten und schwächerer Exporte

Italiens Fliesenhersteller verlangen Änderungen am EU-Emissionshandel, weil Gas- und CO₂-Kosten steigen. Europas Nachfrage stützte das erste Halbjahr, doch die Exporte nach Amerika gingen zurück und höhere Kosten ließen sich kaum weitergeben.

Italiens Keramikindustrie fordert EU-Reform wegen steigender Kosten und schwächerer Exporte

Europa stützt ein fragiles erstes Halbjahr

Italiens Keramikfliesenhersteller drängen die Europäische Union zur Überarbeitung ihrer Energie- und Emissionsregeln. Steigende Kosten treffen auf eine schwächere Nachfrage in den USA und den Golfstaaten. Nach Daten von Confindustria Ceramica, über die Il Sole 24 Ore berichtet, stiegen die Exporte in die EU im ersten Halbjahr mengenmäßig um 4,8% und wertmäßig um 3,4% auf mehr als 1,5 Milliarden €. Die Quelle bezifferte die Liefermenge in die EU auf 94,3 Millionen Kubikmeter. Im übrigen Europa nahmen die Verkäufe mengenmäßig um 2,9% und wertmäßig um 1,6% zu.

Der italienische Binnenmarkt blieb weitgehend stabil: Die Menge stieg um 0,7%, der Umsatz sank um 0,8%. Europa war der Hauptgrund dafür, dass sich der Gesamtabsatz hielt. Italienische Hersteller verkauften weltweit einschließlich Italiens fast 200 Millionen Quadratmeter Fliesen, 1,2% mehr als im ersten Halbjahr 2025. Der Erlös überstieg 3,2 Milliarden €, ging jedoch um 0,6% zurück. Das zeigt den Druck auf die durchschnittlichen Verkaufspreise.

Amerika und Golfstaaten verlieren an Schwung

Außerhalb Europas fällt die Abweichung zwischen Menge und Erlös noch deutlicher aus. Die Exporte nach Amerika beliefen sich in den ersten sechs Monaten laut Il Sole 24 Ore auf 414,3 Millionen €, 8% weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Menge sank um 4,3% auf 22 Millionen Kubikmeter. Allein die USA stehen für rund 700 Millionen € jährlichen Exportumsatz der Branche. 2025 gingen die Mengen in die USA lediglich um 0,2% zurück, der Wert jedoch um 5,1%, weil Unternehmen ihre Preise senkten, um Marktpositionen zu halten.

Confindustria-Ceramica-Präsident Augusto Ciarrocchi erklärte, die USA und die Golfstaaten, früher besonders starke oder aussichtsreiche Märkte, schrumpften deutlich. Potenzielles Wachstum in den Mercosur-Staaten reiche als Ausgleich nicht aus. Der Bericht führt die Verschlechterung auf US-Zölle und den Krieg im Iran zurück; zugleich nimmt der Wettbewerb aus Indien, der Türkei und China zu. Die Hersteller können höhere Produktionskosten kaum an ihre Kunden weiterreichen.

Gas- und CO₂-Kosten treiben Reformforderungen

Der Gaspreis stieg von rund 30 € je MWh zu Jahresbeginn auf 70 € je MWh, eine erhebliche Belastung für die energieintensive Branche. Confindustria-Ceramica-Generaldirektor Armando Cafiero zufolge erhöhen teureres Gas und steigende Preise für Zertifikate im EU-Emissionshandel die Unternehmenskosten zusätzlich um 15-20%. Nach Angaben der Branche gibt es noch keine kommerziell verfügbare Technologie, die Methan in Keramiköfen ersetzen kann. Alternativen wie Biomethan werden jedoch geprüft.

In Italien verlangt der Verband die sofortige und vollständige Umsetzung des Bollette-Dekrets, darunter Maßnahmen zur Verringerung des Abstands zwischen dem niederländischen Gasreferenzpreis TTF und dem italienischen Handelspunkt PSV. Dieser Nachteil belaufe sich gegenüber europäischen Wettbewerbern auf etwa 4 € je MWh. In Brüssel fordert die Branche eine Überarbeitung der Brennstoff-Benchmarks für die Zuteilung kostenloser Emissionsrechte sowie eine grundlegende Reform oder Abschaffung von ETS2. Die Forderungen sollten auf der Cersaie in Bologna erörtert werden. Dort wollten die Hersteller darlegen, dass Forschung, Design und Innovation Energie- und Regulierungsnachteile nicht ausgleichen können, solange Erdgas keine praktikable Alternative hat.

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