Italiens Bierkonsum sinkt auf 35,9 Liter, alkoholarme und alkoholfreie Sorten wachsen um 85 %
Der italienische Bierkonsum sank 2025 um 2,4 % auf 35,9 Liter je Einwohner, während der Anteil alkoholarmen und alkoholfreien Biers von 2,1 % auf 3,9 % stieg. Lager und Pils dominieren die Gastronomie, doch lokales Craftbier und Speisebegleitung gewinnen an Bedeutung.
Konsum sinkt, alkoholfreies Bier wächst
Der italienische Biermarkt verändert sich beim Produktmix schneller als beim Gesamtvolumen. Nach Daten von Assobirra, über die Italia a Tavola berichtet, sank der Pro-Kopf-Verbrauch 2025 um 2,4 % auf 35,9 Liter. Gleichzeitig stieg der Marktanteil von alkoholarmem und alkoholfreiem Bier von 2,1 % auf 3,9 %, ein Zuwachs von 85 % binnen eines Jahres. Das Segment bleibt klein, weist aber die stärkste Marktbewegung auf.
Besonders sichtbar ist die Nachfrage in Norditalien. Dort entfallen 16 % der Bestellungen in Gastronomiebetrieben auf alkoholarme und alkoholfreie Biere, gegenüber 10 % im Landesdurchschnitt. Der rückläufige Gesamtverbrauch bedeutet somit nicht, dass alle Kategorien gleichermaßen nachgeben: Die Verbraucher greifen verstärkt zu Produkten für andere Konsumanlässe und mit weniger Alkohol.
Lager führt, lokales Craftbier gewinnt Raum
Lager und Pils bleiben das Zentrum des Außer-Haus-Marktes. In einer Ipsos-Doxa-Umfrage für Assobirra nannten 56 % der Gastronomiemanager diese als meistgefragte Sorten; in Abendbetrieben waren es 69 %. Lokales Craftbier erreichte 36 %, in Hotels sogar 49 %. Spezial- oder Fruchtbiere kamen auf 21 %, IPA auf 14 %.
Für die Erhebung wurden zwischen dem 20. Dezember 2025 und dem 19. Januar 2026 insgesamt 210 Verantwortliche aus Hotels, Restaurants, Pizzerien, Trattorien, Bars, Abendlokalen und Pubs befragt. Das Abendessen war für 59 % der Befragten der wichtigste Bierkonsumanlass. Mittagessen und Aperitif erreichten jeweils 41 %; in Bars und Abendlokalen kam der Aperitif auf 67 %.
Die Kombination mit Speisen gewinnt an Einfluss. 63 % der Manager beobachten, dass Gäste ihr Bier passend zu einem bestimmten Gericht auswählen; in Restaurants und Trattorien steigt der Anteil auf 73 %. Beim Ausbau des Sortiments bleiben die Betreiber jedoch vorsichtig. Nur 10 % nahmen im Vorjahr neue Bierartikel auf, während 74 % ihre Kundschaft bei der Auswahl als eher konservativ bezeichneten.
Die Gastronomie sieht Chancen, aber auch betriebliche Hürden
Fassbier verdeutlicht die Lücke zwischen Kundenerlebnis und tatsächlicher Verfügbarkeit. Obwohl 52 % der Manager den Ausschank vom Fass für ein positives Erlebnis als wichtig oder sehr wichtig einstufen, bieten ihn nur 38 % der Betriebe an. 28 % der Befragten nannten eine unzureichende Nachfrage als Hindernis; hinzu kommt der aufwendige Betrieb der Schankanlagen.
Auch Nachhaltigkeit beeinflusst die Sortimentsentscheidung, wird aber uneinheitlich umgesetzt. 38 % der Manager halten sie für relevant. Mülltrennung ist mit 60 % die am weitesten verbreitete Maßnahme, während jeder fünfte Betrieb noch keine bierspezifischen Nachhaltigkeitspraktiken anwendet.
Italien bleibt hinter Europas größten Pro-Kopf-Märkten zurück
Daten von Kirin Holdings zeigen Italiens Abstand zu den europäischen Ländern mit dem höchsten Bierkonsum. Tschechien führt weltweit mit jährlich 148,8 Litern je Einwohner, gefolgt von Litauen mit 110,6 Litern und Österreich mit 104,6 Litern. Irland erreicht 99 Liter, Kroatien 95,1 Liter und das zehntplatzierte Deutschland 86,9 Liter. Beim Pro-Kopf-Verbrauch liegt Italien außerhalb der weltweiten Top 35, beim Gesamtvolumen jedoch auf Rang 16: 2024 wurden 2,177 Millionen Hektoliter konsumiert, 0,9 % mehr als zuvor.
Der italienische Markt bleibt damit beim Gesamtvolumen weitgehend stabil, wird aber stärker segmentiert. Alkoholarme und alkoholfreie Biere liefern das deutlichste Wachstumssignal; lokales Craftbier und der speisenbezogene Konsum eröffnen Brauereien und Gastronomiebetrieben weitere Chancen. Lager und Pils beherrschen weiterhin die Hauptnachfrage. Wegen des konservativen Kaufverhaltens brauchen neue Produkte eine klare Platzierung, geeignete Konsumanlässe und verlässlichen Absatz.