Italien und USA unterzeichnen Memorandum zu Lieferketten für kritische Mineralien
Italien und die USA haben in New York ein Memorandum zur Sicherung der Lieferketten für kritische Mineralien unterzeichnet. Eine bilaterale Arbeitsgruppe soll Informationsaustausch und Investitionen in Förderung, Verarbeitung und Recycling koordinieren sowie Preisfragen behandeln.
Bilaterales Abkommen in New York unterzeichnet
Italien und die USA haben am 21. September 2026 in New York ein Memorandum über die Zusammenarbeit bei kritischen Mineralien unterzeichnet. Damit wollen sie die Versorgung von Industrie- und Technologieunternehmen absichern. Italiens Außenminister Antonio Tajani und US-Außenminister Marco Rubio unterzeichneten das Dokument. Rubio bezeichnete Italien als wichtigen Partner der USA; Tajani nannte die Vereinbarung einen wichtigen Schritt und stellte sie in den Zusammenhang der italienischen Industriepolitik.
Sky TG24 zufolge bezeichnete Tajani die Rohstoffpreise als entscheidenden Faktor für die italienische Industrie. Italien wolle die Versorgung seiner Unternehmen gewährleisten und sehe derzeit eine marktbeherrschende Stellung Chinas. Das Abkommen soll einen alternativen Markt fördern und italienische Produkte wettbewerbsfähiger machen. Tajani verwies zudem auf eine separate Vereinbarung, die Italien 10 Tage zuvor mit Argentinien geschlossen hatte.
Arbeitsgruppe konzentriert sich auf Investitionen und Recycling
Das Memorandum richtet eine italienisch-amerikanische technische Arbeitsgruppe ein, die aus der politischen Zusage konkrete Zusammenarbeit entwickeln soll. Nach Angaben von Sky TG24 und Notizie.it gehören dazu der Austausch von Informationen und Fachwissen sowie die Mobilisierung öffentlicher und privater Mittel für Investitionen in Bergbau, Mineralverarbeitung und Recycling. Italien dürfte insbesondere seine Kompetenz im Recycling einbringen, darunter Projekte zur Rückgewinnung und Wiederverwendung seltener Materialien.
Die Vereinbarung sieht außerdem vor, gemeinsam mit internationalen Partnern gerechtere Preisbildungsmechanismen für kritische Rohstoffe zu entwickeln. Ziel ist es, die Belastung durch Marktschwankungen zu verringern, die Investitionsbedingungen zu verbessern und die Abhängigkeit von externen Lieferanten zu begrenzen. Für Bergbauunternehmen, Verarbeiter und Hersteller sind diese Bestimmungen relevant, weil Preisregeln und staatliche Förderung über die Wirtschaftlichkeit alternativer Projekte entscheiden können.
Beide Länder planen zudem einen intensiveren Technologieaustausch und gemeinsame Forschung in den Bereichen Halbleiter, künstliche Intelligenz und saubere Energie. Pilotprojekte sollen sich mit der Rückgewinnung und Wiederverwendung von Materialien befassen. Notizie.it zitiert Beobachter, die mittelfristig einen Anstieg der inländischen Versorgungskapazität Italiens um 15-20% erwarten. Eine Methodik oder Ausgangsbasis für diese Schätzung nennen die Berichte jedoch nicht.
Memorandum ergänzt breitere Bündnisse
Die Publikationen stellen den institutionellen Rahmen unterschiedlich dar. Notizie.it beschreibt das Dokument als neues bilaterales Memorandum und berichtet, Italien sei PAX Silica am 31. Juli beigetreten. Sky TG24 nennt das in New York unterzeichnete Dokument das italienisch-amerikanische PAX-Silica-Memorandum und wertet die Unterzeichnung als Abschluss des Prozesses nach Italiens formellem Beitritt in Brindisi an diesem Datum. Zu den weiteren Teilnehmern zählt Sky TG24 Australien, Südkorea, Finnland, Deutschland, Japan, Griechenland, Indien, das Vereinigte Königreich und Schweden.
Der bilaterale Rahmen knüpft an Tajanis Teilnahme am Start der US-Initiative FORGE zur Sicherheit kritischer Ressourcen im Februar an. Er soll außerdem eine im April geschlossene Vereinbarung zwischen der EU und den USA ergänzen und mit der G7-Allianz für widerstandsfähige Lieferketten und größere Produktionskapazitäten abgestimmt werden. Für industrielle Abnehmer entsteht zunächst ein neuer Koordinierungsmechanismus, keine zusätzliche physische Rohstoffmenge. Die langfristige Wirkung hängt davon ab, ob Informationsaustausch und politische Unterstützung in finanzierte Förder-, Verarbeitungs- und Recyclingprojekte münden.