Italien stoppt Schleppnetzfischerei in der Adria und warnt vor höherem Importdruck
Italien setzt die Schleppnetzfischerei zwischen Triest und Ancona ab dem 31. Juli gemäß dem saisonalen Kalender 2026 aus. Bis Oktober werden weitere italienische Gewässer einbezogen, während Coldiretti Pesca vor hoher Importabhängigkeit und steigenden Betriebskosten warnt.
Saisonale Sperre beginnt in der nördlichen Adria
Italiens saisonale Fischereisperre für 2026 beginnt am 31. Juli. Schleppnetzfischer zwischen Triest und Ancona müssen ihre Tätigkeit einstellen. Wie Giornale La Voce berichtet, bleibt die Beschränkung bis Ende September bestehen und wird danach schrittweise auf weitere italienische Fanggebiete ausgeweitet.
Vom 16. August bis zum 29. September ruht die Schleppnetzfischerei zwischen San Benedetto del Tronto und Bari. Vom 1. bis zum 30. Oktober gilt die Sperre im Gebiet zwischen Brindisi, San Cataldo und Otranto sowie im Ionischen Meer, im Tyrrhenischen Meer und rund um die Inseln. Betroffen sind vor allem Schiffe, die Grundfische mit über den Meeresboden gezogenen Netzen fangen. Die Maßnahme soll den Druck auf die Meeresressourcen vorübergehend senken und Beständen sowie Ökosystemen Zeit zur Erholung geben.
Importe sichern die Versorgung der Märkte
Die Sperre entfernt italienische Fischereierzeugnisse nicht vollständig aus dem Markt. Kleine Küstenfischer, hydraulische Dredgen und Aquakulturbetriebe dürfen weiterarbeiten. Flotten in noch nicht betroffenen Gebieten bleiben bis zum jeweiligen Sperrtermin aktiv. Bei einzelnen Arten kann das Angebot dennoch sinken, wodurch importierte Ware bei Großhändlern, Fischgeschäften und Restaurants an Bedeutung gewinnt.
Nach Angaben von Coldiretti Pesca importiert Italien bereits rund 1,1 Milliarden Kilogramm Fisch, während die inländische Produktion unter 130.000 Tonnen liegt. Die Werte verwenden unterschiedliche Einheiten, zeigen aber die Größenordnung der Lücke zwischen ausländischem Angebot und nationaler Erzeugung. Auch die Europäische Union ist stark von Zufuhren abhängig. Der jüngste Eumofa-Bericht beziffert den Selbstversorgungsgrad der EU trotz einer leichten Verbesserung auf weniger als 40 %. Der Importwert liegt weiterhin auf einem der höchsten jemals gemessenen Niveaus.
Kosten laufen während der Liegezeit weiter
Die Unterbrechung trifft die Betriebe in einer Phase höherer Energiekosten, klimabedingter Störungen und Unsicherheit über die künftige europäische Fischereipolitik. Auch wenn die Schiffe im Hafen liegen, fallen Ausgaben für Wartung, Besatzungen, Versicherungen und Anlagen an Land an. Die Pflichtpause wird über den Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds unterstützt. Betreiber berichten jedoch regelmäßig über Verzögerungen und komplizierte Verfahren beim Zugang zu Entschädigungen.
Die Verbände verfolgen zudem die Verhandlungen über den mehrjährigen EU-Finanzrahmen 2028-2034. Die Europäische Kommission schlägt vor, die Förderung der Gemeinsamen Fischereipolitik in einen größeren Fonds für nationale und regionale Partnerschaften einzugliedern. Teile der Branche befürchten, dass zweckgebundene Mittel weniger klar erkennbar wären und mit anderen Sektoren konkurrieren müssten. Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss fordert mindestens 6,1 Milliarden € für die Umsetzung der Politik.
Herkunftsangaben gewinnen an Bedeutung
Bei frischen Fischereierzeugnissen müssen Fanggebiet, Produktionsmethode und verwendetes Fanggerät angegeben werden. Fänge aus dem Mittelmeer tragen die Kennzeichnung FAO-Gebiet 37 sowie eine Nummer für das jeweilige Untergebiet. Daraus geht jedoch nur der Fangort hervor, nicht die Nationalität des Schiffes. Bei Aquakulturprodukten muss das Aufzuchtland genannt werden.
Während der Sperre können Sardelle, Sardine, Makrele, Stöcker, Bernsteinmakrele, Meeräsche, Rotbarbe, Knurrhahn und Drachenkopf sowie saisonal Sepia, Kalmar und Oktopus angeboten werden. Für Erzeuger und Händler ist kurzfristig entscheidend, wie geringere Anlandungen der Schleppnetzflotte Verfügbarkeit und Preise beeinflussen. Langfristig verändert wärmeres Wasser die Verteilung der Arten, während Extremwetter und plötzliche Stürme das Betriebsrisiko erhöhen. Die Sperre kann Bestände zeitweise schützen. Giornale La Voce weist jedoch darauf hin, dass die Branche zusätzlich Maßnahmen gegen illegale Fischerei, Investitionen in die Flotte und mehr Unterstützung für kleine Betriebe benötigt.