Italiens Recyclingkunststoffmarkt gerät wegen schwacher Nachfrage unter Druck
Schwache Nachfrage nach Recyclingkunststoff lässt kommunale Lager- und Übergabestellen in Italien volllaufen, warnt Alternativa per Anzio. Der Verband fordert finanzielle und regulatorische Eingriffe gegen den Konkurrenzdruck durch Neuware und außereuropäisches Material.
Rezyklate verlieren Marktanteile
Italiens Verwertungssystem für Kunststoffverpackungen gerät zunehmend unter Druck, weil Rezyklate nur schwer mit Neuware und Material aus Ländern außerhalb Europas konkurrieren können. Alternativa per Anzio, ein lokaler Verband in der Region Latium, erklärt, dass in Italien hergestellter Recyclingkunststoff keine Käufer finde. Dadurch wachsen die Bestände in Sammel- und Sortieranlagen.
Der Verband führt die Entwicklung auf die höhere Wettbewerbsfähigkeit außereuropäischer Materialien und direkt aus Erdöl hergestellter Kunststoffe zurück. Er bewertet die Lage als landesweite Krise und nicht als lokales Problem von Anzio oder Latium. Betroffen sind Recycler, Entsorgungsunternehmen und Kommunen, deren wirtschaftliches Modell auf einem kontinuierlichen Materialfluss von den Sammelstellen in die Verwertung angewiesen ist.
Nach Angaben von Alternativa per Anzio übernimmt COREPLA, das nationale Konsortium für Sammlung, Recycling und Verwertung von Kunststoffverpackungen, nicht mehr sämtliche in kommunalen Anlagen gelagerten Kunststoffe. Die Standorte füllen sich schrittweise. Da die Kommunen unterschiedliche Anlagen nutzen, erreichen sie ihre Kapazitätsgrenzen nicht gleichzeitig. Ohne staatliches und regionales Eingreifen könnte die Blockade laut dem Verband jedoch innerhalb weniger Wochen landesweit auftreten.
Kommunale Sammlung gefährdet
Eine länger anhaltende Absatzschwäche würde nicht nur Kunststoffhersteller und Recycler treffen. Alternativa per Anzio warnt vor einem Stillstand der getrennten kommunalen Abfallsammlung und einem höheren Brandrisiko in überfüllten Lagern, das gesundheitsschädliche Emissionen verursachen könnte. Damit wird die schwache Nachfrage am Ende der Recyclingkette zu einem Betriebsproblem für lokale Behörden.
Als mögliche Reaktion wird die Verbrennung diskutiert, eine formelle Entscheidung liegt aber nicht vor. Nach Auffassung des Verbands würde sie das Scheitern der Recyclingkette besiegeln und erhebliche Bewirtschaftungskosten auf die Kommunen verlagern. Recycling könne Einnahmen für die Bürger schaffen, während die Verbrennung hohe Kosten verursache. Offen bleibe, wer die Differenz trägt.
Das italienische Ministerium für Umwelt und Energiesicherheit hat eine ständige Beobachtungsgruppe mit Ministerium, ISPRA, ENEA, ANCI, Utilitalia, CONAI und COREPLA eingerichtet. Alternativa per Anzio hält die bislang erörterten Maßnahmen für unzureichend, weil insbesondere die finanzielle Belastung der Kommunen nicht berücksichtigt werde.
Forderung nach Steuer- und Regulierungsmaßnahmen
Der Verband fordert eine mehrstufige Strategie mit finanzieller Soforthilfe für Kommunen und längerfristigen Instrumenten für die Verwertungswirtschaft. Vorgeschlagen werden steuerliche Hilfen des Staates, technologische Weiterentwicklung und zusätzliche Verarbeitungskapazitäten. Zugleich verweist der Verband darauf, dass die Regierung von Giorgia Meloni die Einführung der italienischen Kunststoffsteuer ausgesetzt hat.
Als weitere Priorität gilt die vollständige Anwendung der EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle, Verordnung (EU) 2025/40. Sie soll Verpackungsabfälle bereits an der Quelle verringern und könnte damit langfristig den Mengendruck auf Sammel- und Behandlungsanlagen senken.
Das Thema hat die regionale und nationale Politik erreicht. Die Regionalabgeordneten Claudio Marotta und Emanuela Droghei brachten eine Anfrage in Latium ein; der Abgeordnete Peppe De Cristoforo hatte das Problem bereits einige Wochen zuvor im Parlament angesprochen. Der Verband kritisiert Latium außerdem dafür, die Leitungsorgane der optimalen territorialen Gebiete noch nicht eingerichtet zu haben.
Lokale Maßnahmen reichen nicht aus
Anzio hat die Abholfrequenz für Kunststoff reduziert und damit an andere Kommunen angeglichen. Die Stadt arbeitet außerdem am Projekt Anzio RISE, das in der Fischereikette eingesetzte und täglich von der kommunalen Müllabfuhr gesammelte Polystyrolkisten ersetzen soll. Weitere lokale Projekte sind geplant. Nach Einschätzung des Verbands können die Kommunen die Krise jedoch nicht allein bewältigen. Für die Marktteilnehmer ist entscheidend, ob staatliche Maßnahmen den Materialfluss wiederherstellen, bevor volle Lager die Sammlung unterbrechen.