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Italiens Kunststoffsammlung wächst schneller als Kapazität und Rezyklatnachfrage

Italien sammelte 2025 getrennt 1,3 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen, 3,75 % mehr als 2024. Niedrige Preise für Neuware, hohe Energiekosten und eine schwache Rezyklatnachfrage füllen die Lager und belasten die Recyclingbetriebe.

Italiens Kunststoffsammlung wächst schneller als Kapazität und Rezyklatnachfrage

Sammlung wächst schneller als die Absatzmöglichkeiten

Italiens Kunststoffrecycling gerät zunehmend unter Druck, weil die getrennt gesammelten Mengen schneller steigen als Behandlungskapazitäten und Nachfrage nach zurückgewonnenem Material. Difesa del Popolo berichtet, dass Sammel- und Sortierzentren in mehreren Gebieten ihre genehmigten Lagergrenzen erreichen. Das Material werde nicht regelmäßig genug zu den Recyclinganlagen weitergeleitet. Besonders sichtbar ist die Lage in Venetien, Branchenvertreter sehen darin jedoch eine nationale und europäische Herausforderung.

Nach Angaben des italienischen Kunststoffverpackungskonsortiums Corepla erreichte die kommunale Getrenntsammlung 2025 insgesamt 1,3 Millionen Tonnen, 3,75 % mehr als 2024. In Venetien waren es knapp 31 Kilogramm je Einwohner, gegenüber einem landesweiten Durchschnitt von 27 Kilogramm. Mehr als 50 % der gesammelten Kunststoffe wurden 2025 tatsächlich recycelt. Der Großteil der übrigen Menge ging in die energetische Verwertung; Deponien spielten nur eine geringe Rolle.

Neuware verdrängt zurückgewonnenes Material

Paolo Monesi von Plastic Free Onlus sieht den Engpass am Ende der Kette, wo Recycler nur schwer Käufer für Sekundärrohstoffe finden. Produktion und Verwendung von Kunststoff nehmen weiter zu, doch für viele Unternehmen bleibt Rezyklat wegen des erheblichen Preisabstands zur Neuware unattraktiv. Das Material sammelt sich deshalb in Behandlungs- und Lageranlagen, obwohl Verbraucher es ordnungsgemäß getrennt entsorgen.

Corepla-Präsident Giorgio Quagliuolo bezeichnete die Lage als strukturellen „perfekten Sturm“. Als Ursachen nannte er den ölmarktbedingten Preisverfall bei Kunststoffneuware, Importe billiger Rezyklate zweifelhafter Herkunft, steigende Energiekosten des Recyclings und eine weiterhin zu geringe Inlandsnachfrage nach Sekundärrohstoffen. In Europa wurden in den vergangenen drei Jahren 45 Recyclinganlagen geschlossen. Laut Quagliuolo zeigen diese Schließungen nicht das Ende der Recyclingpolitik, sondern die Schwierigkeit, Recycling wirtschaftlich tragfähig zu betreiben.

Venetien erlaubt zusätzliche Zwischenlagerung

Venetiens Umweltbeauftragte Elisa Venturini erklärte, die Regionalregierung habe Koordinierungsgespräche mit Betreibern und Branchenverbänden einberufen, Ausnahmen für zusätzliche Lagerkapazitäten genehmigt und sichere Zwischenlager eingerichtet. Damit sollen Unterbrechungen der Getrenntsammlung verhindert werden. Die Maßnahmen sind als vorübergehender Puffer gedacht, bis der Markt die gesammelten Mengen wieder aufnehmen kann; neue dauerhafte Standorte sind nicht vorgesehen. Am 19. August beschloss die Regionalregierung zudem eine Neuausrichtung der Koordinierungsgruppen für Nebenprodukte und End-of-Waste-Materialien unter Beteiligung von Hochschulen und Wirtschaftsverbänden Venetiens.

Langfristig sollen unnötige Verpackungen reduziert, Mehrweglösungen ausgebaut und Produkte so gestaltet werden, dass sie leichter recycelbar sind und Rezyklat aufnehmen können. Plastic Free Onlus fordert außerdem Maßnahmen, die recycelten Kunststoff gegenüber Neuware wettbewerbsfähiger machen. Corepla arbeitet mit Sortierern, Recyclern und Verwertern daran, die Lager zu entlasten, das Recyclingnetz zu erweitern und neue Absatzmärkte auch in OECD-Ländern zu erschließen. Für Hersteller und Verarbeiter entscheidet sich nun, ob Regulierung, Technologie und verbindliche Beschaffung eine stabile Rezyklatnachfrage schaffen können, während die Sammelmengen weiter steigen.

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