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Italien beschließt Kernkraftgesetz, erste Reaktoren für 2033-2034 geplant

Der italienische Senat hat das Ermächtigungsgesetz von Minister Pichetto zur nachhaltigen Kernenergie endgültig verabschiedet – fast 40 Jahre nach dem Referendum von 1987, das die Atomkraftwerke des Landes schloss. Das Gesetz ermächtigt die Regierung zu Dekreten über Bau, Abfall, Sicherheit, Aufsichtsbehörden und Wasserstoff aus Kernenergie. Erste Anlagen könnten laut Gilberto Pichetto Fratin um 2033-2034 anlaufen.

Italien beschließt Kernkraftgesetz, erste Reaktoren für 2033-2034 geplant

Parlament beendet vier Jahrzehnte Stillstand

Der italienische Senat hat den Gesetzentwurf zur nachhaltigen Kernenergie endgültig verabschiedet, den Umwelt- und Energiesicherheitsminister Gilberto Pichetto Fratin vorgelegt hatte. Die Nachrichtenagentur ANSA berichtete am 23. September 2026 über die Abstimmung, fast 40 Jahre nach dem Referendum von 1987, mit dem die Atomkraftwerke des Landes stillgelegt wurden. Ziel des Gesetzes ist es, Italien wieder eine Gesetzgebung zur Kernenergie zu geben, die Bau und Betrieb von Kraftwerken regelt.

Der Text ist ein Ermächtigungsgesetz: Er erlaubt der Regierung den Erlass von Durchführungsdekreten und legt die Regelungsbereiche fest. Dazu zählen Bau und Betrieb der Anlagen, die Entsorgung radioaktiver Abfälle und die Sicherheit, die Einrichtung von Aufsichtsorganen sowie die Erzeugung von Wasserstoff mittels Kernenergie. „Wir arbeiten bereits an den Durchführungsdekreten“, sagte Pichetto laut ANSA. „Wir werden das mit Sicherheit bis Jahresende tun.“

Regierung zielt auf die Mitte der 2030er Jahre

Nach Angaben Pichettos könnten „auf Grundlage der Angaben, die mir von Fachleuten der Branche vorliegen“, die ersten Anlagen in Italien „um 2033-2034“ in Betrieb gehen. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte die Entscheidung „eine mutige und vernünftige Wahl“. Kernkraft bedeute „für Familien und Unternehmen mehr Energiesicherheit, weniger Abhängigkeit vom Ausland und weniger Anfälligkeit für internationale Krisen, stabile und emissionsarme Energie, eine konkrete Antwort auf die Stromnachfrage, die mit Rechenzentren und künstlicher Intelligenz wachsen wird“.

Unternehmensminister Adolfo Urso bezeichnete das Gesetz als „einen wichtigen Schritt für die strategische Autonomie des Landes“ und als „grundlegend, um in den kommenden Jahren einen nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Energiemix zu sichern“. „Italien kehrt in die Zukunft zurück“, fügte er hinzu.

Kleine modulare Reaktoren statt Anlagen französischen Typs

Die Regierung will keine großen konventionellen Kraftwerke nach französischem Vorbild zurückholen, sondern kleine modulare Reaktoren (Small Modular Reactors, SMR). ANSA beschreibt sie als U-Boot-Motoren in einem Stahlrohr: in der Fabrik gebaut und an den Standort transportiert.

  • Fabrikgefertigte Module, geliefert und in Serien von vier oder mehr Einheiten installiert.
  • Laut ANSA-Beschreibung günstiger und sicherer als herkömmliche Anlagen.
  • Die modernsten Versionen verbrennen Abfälle älterer Kraftwerke und werden mit flüssigem Blei gekühlt; bei einer Störung schaltet sich der Reaktor ab und explodiert nicht.
  • Die Technologie befindet sich noch im Versuchsstadium, die Hersteller rechnen mit der Markteinführung in der ersten Hälfte der 2030er Jahre.

Genau dieser Zeitplan ist der Kern des italienischen Vorhabens: Das von Pichetto genannte Fenster 2033-2034 setzt voraus, dass es bis dahin ein kommerzielles SMR-Angebot gibt.

Opposition und Umweltverbände lehnen ab

Die Abgeordneten der Regierungsmehrheit begrüßten die Verabschiedung geschlossen, die Opposition attackierte das Gesetz – mit Ausnahme der Partei Azione von Carlo Calenda, die zustimmte und deren Haltung ANSA als „überzeugtes Ja“ zusammenfasste. Angelo Bonelli, Abgeordneter des Bündnisses Grüne und Linke (AVS), erklärte, nach viereinhalb Jahren Regierungszeit und „mit Italien, das zu den höchsten Energiekosten Europas zählt, zaubert Meloni die SMR aus dem Hut, eine Technologie, die heute weltweit keine einzige kommerzielle Anwendung hat“. Das Gesetz sei „ein Ablenkungsinstrument, um die Unfähigkeit einer Regierung zu verdecken, die die Erneuerbaren gebremst und die großen Energiekonzerne und deren Gewinne begünstigt hat“.

Der Abgeordnete der Fünf-Sterne-Bewegung Sergio Costa sagte, „die nachhaltige Kernkraft, von der man uns erzählt, existiert in keinem Winkel des Planeten“, und nannte das Gesetz „ein Wahlkampfprodukt“. Die Umweltorganisationen Greenpeace Italia, Legambiente, WWF Italia und Kyoto Club erklärten, Kernkraft „löst keines der vielen Probleme, vor denen Italien heute steht, mitten in der zweiten Energiekrise der vergangenen vier Jahre“.

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