Italien verlagert Gespräche zum Wasserstoffkorridor nach Algier – Mattei-Plan im Zentrum
Italiens Umwelt- und Energiesicherheitsminister Gilberto Pichetto Fratin reiste zum zweiten Fünf-Minister-Treffen über den Südlichen Wasserstoffkorridor nach Algier und traf den algerischen Energieminister Mourad Adjal. Rom ordnet die geplante Verbindung Nordafrika–Europa dem Mattei-Plan und dem Ziel der Klimaneutralität 2050 zu. Mengen, Trassenführung und Investitionssummen wurden nicht genannt.
Italiens Minister für Umwelt und Energiesicherheit, Gilberto Pichetto Fratin, reiste nach Algier zum zweiten Fünf-Minister-Treffen über den Südlichen Wasserstoffkorridor, das am Donnerstag, dem 1. Oktober, stattfand. Das berichtet Agenzia Nova. Bei seiner Ankunft in der algerischen Hauptstadt nannte der Minister Wasserstoff laut soldionline.it „eine der grundlegenden Lösungen“, damit Italien seine Dekarbonisierungsziele erreicht – mit Klimaneutralität bis 2050 als Endpunkt.
Am Rande der Mission führte Pichetto Fratin ein bilaterales Gespräch mit Mourad Adjal, Algeriens Minister für Energie und erneuerbare Energien. Nach einer von soldionline.it zitierten Mitteilung des italienischen Ministeriums (Mase) war das Treffen „eine Gelegenheit, die exzellenten Beziehungen zwischen den beiden Ländern im Energiebereich zu bestätigen und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Italien und Algerien auszuloten“. Beide Seiten bekräftigten demnach „die Möglichkeit, die Interkonnektoren zwischen den beiden Ländern zu stärken“ – gemeint sind die physischen Verbindungen, über die Energie oder Energieträger zwischen nationalen Systemen fließen, was die Flexibilität der Versorgung erhöht und getrennte Quellen und Märkte zusammenführt.
Was der Korridor transportieren soll
Der Südliche Wasserstoffkorridor ist laut soldionline.it eine Initiative zum Aufbau einer Lieferkette und von Verbindungsinfrastruktur zwischen Produzenten- und Verbraucherländern, um Energie in Form von Wasserstoff oder verwandten Energieträgern zu transportieren. Erklärtes Ziel ist ein saubererer Verbrauch, vor allem in Industriezweigen, die schwer zu elektrifizieren sind – jene Nachfrage, die sich nicht allein mit Grünstrom decken lässt und heute auf fossile Brennstoffe für Hochtemperaturwärme und chemische Einsatzstoffe angewiesen ist.
Im Gespräch mit Adjal sagte Pichetto Fratin, Wasserstoff könne „in bedeutender Weise zur Erhöhung der Energiesicherheit unserer Länder beitragen, indem er die Beschaffung diversifiziert und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduziert“. Energiesicherheit meint in dieser Lesart die Fähigkeit eines Landes, sich ausreichende und kontinuierliche Lieferungen zu sichern; Diversifizierung senkt das Risiko, von wenigen Quellen oder Lieferwegen abzuhängen, während eine geringere Abhängigkeit von Kohle, Öl und Erdgas auch mit sinkenden Treibhausgasemissionen verbunden ist.
Teil des Mattei-Plans
Der Minister verknüpfte den Korridor direkt mit der afrikapolitischen Leitlinie Roms: Dies sei laut soldionline.it „auch einer der Gründe, weshalb das Projekt in den von der italienischen Regierung vorangetriebenen Mattei-Plan aufgenommen wurde, der auf einem Modell von Chancen, Nutzen und geteilter Entwicklung beruht“.
Damit wird die Energiekooperation mit Algerien, und insbesondere der Wasserstoff, in ein breiteres Bündel von Initiativen eingeordnet, das auf Gegenseitigkeit statt auf einseitige Lieferverträge setzt. Für die italienische Industrie ist es zugleich ein Signal, woher die Regierung künftige Moleküle erwartet: aus dem südlichen Mittelmeerraum, geliefert per Rohrleitung statt per Schiff.
Vorarbeiten in Italien selbst
Parallel zur Korridordiplomatie baut Rom die heimische Förderkulisse aus. Laut soldionline.it hat das Mase einen Fördermechanismus für erneuerbaren Wasserstoff von bis zu 400 Millionen Euro pro Jahr für 200.000 Tonnen Kapazität gestartet, mit Schwerpunkt auf Industrie und Verkehr. Dasselbe Medium berichtet über folgende begleitende Entwicklungen:
- Die EU hat gegen 26 Länder Vertragsverletzungsverfahren wegen der fehlenden Umsetzung der Gas- und Wasserstoffrichtlinie eröffnet; Italien ist der einzige Mitgliedstaat, der die Vorgaben erfüllt.
- Im Trentino wurde der neue Standort UFi Hydrogen eingeweiht; Pichetto Fratin bezeichnete Wasserstoff als Hebel für Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze und die euro-mediterrane Rolle Italiens.
- Der Minister hat einen Fahrplan für das Gesetz zur nachhaltigen Kernenergie vorgelegt: Die ersten Reaktoren werden frühestens zwischen 2033 und 2034 erwartet, begleitet von einem nach seinen Worten massiven Ausbau der Erneuerbaren unter der Regierung Meloni.
Keine der beiden Quellen nennt Mengen, Investitionskosten, Trassenführung oder einen Bauzeitplan für den Südlichen Wasserstoffkorridor; in Algier wurde kein kommerzielles Abkommen verkündet. Für Produzenten, Elektrolyseur-Lieferanten, Netzbetreiber und potenzielle industrielle Abnehmer sind genau das die Zahlen, die darüber entscheiden, ob aus Ministerkommuniqués endgültige Investitionsentscheidungen werden.