Irans Reisimporte sinken im Frühjahr wegen ausstehender Devisenzahlungen um mehr als die Hälfte
Irans Reisimporte sind im Frühjahr gegenüber dem Vorjahr um mehr als 50 % gesunken, weil ausstehende Devisenzahlungen die Finanzkraft der Importeure schwächen. Der Reisbranche stehen rund 1 Milliarde $ zu, während die heimische Erzeugung nur 50-60 % des Bedarfs deckt.
Schwindende Finanzkraft bremst die Einfuhren
Irans Reisimporte sind im Frühjahr gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um mehr als 50 % gesunken. Das zeigen Zolldaten, die Karim Akhavan-Akbari, Vorsitzender des iranischen Verbands der Reisimporteure, anführte. Seinen Angaben zufolge ist der Rückgang nicht auf eine schwächere Nachfrage zurückzuführen, sondern auf die schwindende Finanzkraft der Importfirmen.
Bei einer Fachveranstaltung zur Rolle des Privatsektors für die Ernährungssicherheit erklärte Akhavan-Akbari, dass iranische Betriebe etwa 50-60 % des nationalen Reisbedarfs decken. Für die verbleibende Menge ist das Land auf regelmäßige Importe angewiesen. Die finanzielle Stabilität der Importeure ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Lebensmittelversorgung. Reis gilt im Iran nach Weizen als zweitwichtigstes strategisches Nahrungsmittel und gehört unmittelbar zum Konsum der Haushalte.
Ein erheblicher Teil der Unternehmen könne nicht mehr mit voller Kapazität arbeiten, warnte Akhavan-Akbari. Einige stünden kurz vor der Insolvenz, während die verzögerten Zahlungen ihre Bonität bei internationalen Lieferanten schwer beschädigt hätten. Ausländische Verkäufer seien inzwischen nur noch bereit, neue Ladungen gegen vollständige Barzahlung zu verschicken, was die Beschaffung zusätzlich erschwere.
Der Reisbranche stehen rund 1 Milliarde $ zu
Nach Angaben von Donya-e-Eqtesad belaufen sich die ausstehenden Devisenforderungen der Importeure wichtiger Grundversorgungsgüter auf etwa 4 Milliarden Euro. Rund 1 Milliarde $ davon entfällt auf die Reisbranche. Die entsprechenden Verbindlichkeiten sind seit fast 17 Monaten unbezahlt.
Der Reis, auf den sich diese Forderungen beziehen, wurde bereits vor längerer Zeit eingeführt, verzollt und im iranischen Gesamthandelssystem sowie in weiteren amtlichen Systemen registriert. Die Ladungen wurden unter behördlicher Aufsicht auf dem Markt verteilt und von den Haushalten längst verbraucht. Ein Teil ging zudem über formelle Verträge an die Government Trading Corporation of Iran, wobei eine frühere Bereitstellung von Devisen zugesagt worden war. Auch diese Forderungen sind weiterhin offen.
Akhavan-Akbari betonte, dass die Beträge nicht allein auf Angaben privater Unternehmen beruhen. Das Ministerium für Landwirtschaftlichen Dschihad, der Zoll, das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen sowie weitere zuständige Behörden hätten die einzelnen Fälle geprüft, auditiert und bestätigt. Neue Verfahren würden seiner Einschätzung nach lediglich zu weiteren Verzögerungen führen.
Importeure fordern einen verbindlichen Zeitplan
Irans Präsident habe angeordnet, in einer ersten Stufe 50 % der Forderungen des Privatsektors zu begleichen und den Rest in späteren Stufen auszuzahlen, sagte Akhavan-Akbari. Nachdem die Importeure in den vergangenen 17 Monaten wiederholt Zahlungszusagen erhalten hätten, verlangten sie nun ein konkretes Datum für die Umsetzung.
Der Verband fordert einen transparenten Zahlungsplan und keine Leistungen, die über die bereits angekündigten Verpflichtungen hinausgehen. Mit den Mitteln könnten Unternehmen ihr Betriebskapital auffüllen, Verpflichtungen gegenüber ausländischen Verkäufern erfüllen und den Handelskredit wiederherstellen, der Einkäufe ohne vollständige Vorauszahlung ermöglicht.
Nach Angaben der Importeure hielt die Branche die Versorgung sowohl unter normalen Bedingungen als auch während kriegsbedingter Einschränkungen und steigender Transport- und Handelsrisiken aufrecht. Unter den aktuellen Finanzierungsbedingungen können vorhandene Vorräte die Verfügbarkeit jedoch nicht dauerhaft sichern. Lagerbestände werden verbraucht, während die Importkette kontinuierlichen Zugang zu Devisen und Lieferantenkrediten benötigt.
Da die inländische Produktion höchstens 60 % des Bedarfs deckt, könnte ein anhaltender Importrückgang die Marktversorgung und die Lebensmittelausgaben der Haushalte belasten. Entscheidend ist nun, ob die angeordnete erste Zahlung erfolgt und rechtzeitig die Kaufkraft der Importeure sowie ihre Beziehungen zu ausländischen Lieferanten stabilisiert.