Iranischer Rial fällt: Dollar über 266.000 Toman, Euro über 300.000 Toman
Am freien iranischen Markt überschritt der Dollar am 11. Mehr erstmals 266.000 Toman, während der Euro über 300.000 Toman stieg, berichtete Iran International. Die erneute Abwertung erhöht die Beschaffungsrisiken für Importeure, besonders bei Arzneimitteln und Medizintechnik.
Fremdwährungen überschreiten neue Schwellen
Der US-Dollar überschritt bei Handelsbeginn am Samstag, dem 11. Mehr, am freien iranischen Markt erstmals 266.000 Toman, während der Euro über 300.000 Toman stieg, berichtete Iran International. Auch Gold und iranische Goldmünzen verteuerten sich. Damit setzte sich die breite Nachfrage nach Vermögenswerten fort, mit denen Haushalte und Unternehmen bei einem schwächeren Rial ihre Kaufkraft zu schützen versuchen.
Die gemeldeten Kurse bilden einen neuen Bezugspunkt für iranische Importeure, Großhändler und Hersteller mit Fremdwährungsbedarf. Die unmittelbare Wirkung hängt davon ab, ob ein Unternehmen Devisen über einen staatlichen Zuteilungsmechanismus erhält oder am freien Markt kaufen muss. Im zweiten Fall steigt der Rial-Aufwand für jeden Dollar oder Euro, der für importierte Waren, Bauteile und Rohstoffe benötigt wird.
Der Bericht nennt weder die prozentuale Veränderung noch den vorherigen Schlusskurs oder das Handelsvolumen. Ein direkter Vergleich mit früheren Sitzungen ist deshalb nur eingeschränkt möglich. Das Überschreiten von 266.000 Toman beim Dollar und 300.000 Toman beim Euro beeinflusst dennoch die Preisbildung. Bei raschen Kursschwankungen können Lieferanten Angebotsfristen verkürzen, Vorauszahlungen verlangen oder größere Währungspuffer einkalkulieren.
Arzneimittelversorgung zeigt Importabhängigkeit
Die Währungsbewegung trifft auf Engpässe und starke Preissteigerungen im iranischen Gesundheitswesen. Iran International berichtete, Patienten hätten ihren Arzneimittelverbrauch wegen knapper oder teurer Präparate reduziert. Bürger erklärten zudem, einige Apotheken hätten pflanzliche Produkte oder Methoden der sogenannten traditionellen Medizin empfohlen, wenn fachärztlich verordnete Medikamente nicht verfügbar waren.
Berichte von Patienten und Warnungen pharmazeutischer Branchenverbände deuten laut der Publikation darauf hin, dass sich einige Arzneimittel in den vergangenen Monaten um bis zu 400 % verteuert haben. Salman Eshaqi, Sprecher des parlamentarischen Gesundheitsausschusses, sagte, Patienten trügen inzwischen mehr als 80 % der Behandlungskosten selbst. Er warnte außerdem vor der Abschaffung subventionierter Devisen für Arzneimittel und Rohstoffe für Medizintechnik.
Eshaqi fragte, weshalb Iran angesichts seiner Beziehungen zu Russland und China keine Medikamente aus diesen Ländern importiere. Er kritisierte zudem die Devisenzuteilung für importierte Handschuhe trotz heimischer Produktion. Ein weiteres Ausschussmitglied, Reza Jabbari, erklärte, einige Arzneimittel lägen preislich 200 % bis 300 % über ihrem tatsächlichen Wert.
Devisenzugang wird zum zentralen Geschäftsrisiko
Ein schwächerer Rial am freien Markt führt nicht automatisch zu einem gleich hohen Anstieg aller Verbraucherpreise. Entscheidend sind staatliche Wechselkursregelungen, Lagerbestände, heimische Produktion und Preiskontrollen. Die Belastung wird jedoch größer, wenn Importeure keine subventionierten Devisen erhalten oder Bestände ersetzen müssen, die noch zu einem früheren Kurs beschafft wurden.
Nach Angaben Eshaqis benötigt das Gesundheitswesen jährlich 3,5 Milliarden $. Er behauptete außerdem, dass 100 Milliarden $, die bei Treuhändern lägen, nicht zurückgeführt worden seien; davon kontrolliere eine nicht genannte Bank 20 Milliarden $. Eine unabhängige Bestätigung dieser Beträge enthielt der Bericht nicht.
Für Hersteller und Händler zählen daher nicht nur die Marktkurse, sondern auch Verfügbarkeit und Zeitpunkt staatlicher Devisenzuteilungen. Verzögerungen können Einkäufe selbst bei stabiler Nachfrage unterbrechen. In importabhängigen Branchen erhöhen die neuen Wechselkursschwellen die Wahrscheinlichkeit steigender Wiederbeschaffungskosten, strengerer Lieferantenkredite und häufigerer Preisanpassungen. Für heimische Produzenten ist die Wirkung gemischt: Importierte Fertigwaren werden teurer, zugleich steigen aber die Kosten für Maschinen, Bauteile und Spezialrohstoffe in Dollar oder Euro.