Iran erhöht die Zahl der Fahrzeugstandards von 85 auf 122
Iran erweitert seinen Regelkatalog für Fahrzeuge von 85 auf 122 Anforderungen und plant die stufenweise Einführung ab Mehr 1406. Hersteller, Zulieferer und Importeure müssen sich auf neue Vorgaben für Plattformen, Sicherheit, Elektronik, Emissionen und Prüfungen einstellen.
Stufenweise Einführung ab Mehr 1406 geplant
Iran hat die Zahl seiner nationalen Fahrzeuganforderungen von 85 auf 122 erhöht. Die 37 zusätzlichen Standards könnten Änderungen an Fahrzeugplattformen, Produktionsanlagen und Prüfinfrastruktur erfordern. Pedal zufolge soll die stufenweise Umsetzung ab Mehr 1406 nach einem mit dem Ministerium für Industrie, Bergbau und Handel abgestimmten Zeitplan und auf Grundlage eines Beschlusses des Obersten Standardisierungsrats beginnen.
Farzaneh Ansari, Leiterin der iranischen Normungsorganisation, erklärte, der Regelkatalog sei Anfang dieses Jahres überarbeitet worden, weil die bisherigen 85 Anforderungen den heutigen Bedürfnissen der Branche nicht mehr genügten. Nahezu 100 % der im Inland produzierten Fahrzeuge erfüllten diese 85 Standards bereits. Die Behörde nehme während der Produktion zudem Stichproben und führe Kontrollen durch. Die Reform hebt damit vor allem die Schwelle für künftige Fahrzeuge an und bedeutet nicht, dass die aktuelle Produktion die bestehenden Regeln generell verfehlt.
Alte Plattformen tragen die größte Investitionslast
Die Vorgaben betreffen technische und sicherheitsrelevante Bereiche wie Sicherheitsausrüstung, Fahrzeugleistung, Komponenten, Elektronik, Emissionen, Reifen, Bremssysteme und Insassenschutz. Laut Ansari müssen die Plattformen modernisiert werden, während im Inland Möglichkeiten zur Prüfung von Bauteilen und Zubehör vorhanden sein müssen. Auch eingebaute Teile und Zubehörprodukte müssen die Standards erfüllen.
Bei manchen Modellen reicht es nicht, zusätzliche Ausrüstung einzubauen. Karosseriestruktur, Sicherheitssysteme, elektronische Architektur und selbst die zugrunde liegende Plattform könnten überarbeitet werden müssen. Besonders hoch ist der Druck auf Fahrzeuge mit älteren Plattformen, bei denen kostspielige Modernisierungen oder ein Produktionsende drohen. Pedal betont, dass noch nicht feststeht, welche Modelle nach Mehr 1406 auslaufen könnten, da der endgültige Zeitplan für die einzelnen Anforderungen und deren Anwendung auf verschiedene Produkte nicht veröffentlicht wurde.
Kosten, Lieferengpässe und Marktzugang für Importe
Strengere Standards können Sicherheit und Ausstattung verbessern sowie Emissionen reduzieren, dürften aber auch die Produktionskosten erhöhen. Das Ausmaß hängt davon ab, ob lediglich ein zusätzliches Bauteil benötigt wird oder Karosserie und Elektronik umfassend verändert werden müssen. Ein belastbarer prozentualer Anstieg der Fahrzeugpreise lässt sich noch nicht berechnen. Besonders sensibel ist das Segment günstiger Autos, in dem höhere Herstellungskosten die Erschwinglichkeit weiter verschlechtern könnten.
Sanktionen und Devisenbeschränkungen erschweren die Umsetzung zusätzlich. Moderne Sicherheits- und Elektroniksysteme benötigen spezialisierte Bauteile, Technologien und Fachwissen, die teuer oder schwer verfügbar sein können. Sollen die Komponenten im Inland gefertigt werden, müssen iranische Zulieferer in Technologie und neue Produktionslinien investieren. Auch Prüfzentren, Labore, Universitäten und Aufsichtsbehörden benötigen ausreichende Kapazitäten.
Der neue Regelkatalog betrifft ebenso importierte Fahrzeuge. Höhere Anforderungen könnten deren Sicherheits- und Technikniveau verbessern. Stimmen iranische Regeln jedoch nicht mit anerkannten internationalen Standards überein oder wird die Zertifizierung komplizierter, steigen Kosten und Dauer des Marktzugangs. Entscheidend sind präzise Prüfungen, unabhängige Stichproben und wirksame Maßnahmen bei Verstößen. Allein die höhere Zahl der Anforderungen garantiert weder die Übereinstimmung der Serienfahrzeuge mit den genehmigten Mustern noch bessere Eigenschaften im Straßenverkehr.