Indonesiens Zementwerke haben nur noch Kohle für zwei bis drei Tage – DMO-Lieferungen stocken
Indonesiens Zementindustrie leidet unter akutem Kohlemangel, weil die Lieferungen im Rahmen der Domestic Market Obligation (DMO) ins Stocken geraten sind, sagte der Vorsitzende des Zementverbands Asperssi gegenüber Bloomberg Technoz. Anfang September 2026 reichten die Kohlebestände der meisten Werke nur noch für zwei bis drei Betriebstage. El Niño hat die Flüsse austrocknen lassen, über die die Kohle zu den Werken transportiert wird.
Bestände nur noch für zwei bis drei Betriebstage
Indonesiens Zementhersteller haben laut Bloomberg Technoz kaum noch Kohle, weil die Lieferungen über den Mechanismus der inländischen Lieferpflicht (Domestic Market Obligation, DMO) ins Stocken geraten sind. Lilik Unggul Raharjo, Vorsitzender des indonesischen Zementverbands (Asosiasi Perusahaan Semen Seluruh Indonesia, Asperssi), sprach von einer Knappheitskrise der Branche.
„Anfang September 2026 waren die Kohlebestände in den meisten Zementwerken auf einen Vorrat von nur noch zwei bis drei Betriebstagen geschrumpft“, sagte Lilik am Donnerstag, dem 24. September 2026, gegenüber Bloomberg Technoz.
Der DMO-Mechanismus verpflichtet Kohleproduzenten, einen Teil ihrer Förderung inländischen Abnehmern zur Verfügung zu stellen, darunter Kraftwerke und Industriekunden wie Zementwerke. Die Darstellung von Asperssi deutet auf ein Zustellproblem hin und nicht auf fehlende kontrahierte Mengen: Die Kohle ist zugeteilt, kommt aber nicht am Werkstor an.
El Niño lässt die Transportflüsse austrocknen
Bloomberg Technoz berichtet, dass die Versorgungsstörung mit dem Phänomen El Niño zusammenfällt, das Flüsse austrocknen ließ und dadurch logistische Hindernisse für Kohlelieferungen an die Zementwerke schuf. Indonesische Kohle gelangt überwiegend per Flussschubverband zum Abnehmer, bevor sie umgeschlagen wird – sinkende Pegel verringern den ladbaren Tiefgang und verlängern die Umlaufzeiten.
Mit Verträgen allein ist das nicht zu lösen. Liegt der Engpass im Fahrwasser und nicht in der Grube, beschleunigen zusätzliche Zuteilungen nichts, und Käufer können nicht einfach mehr Tonnen bestellen, um ihre Reichweite aufzubauen. Der Verband machte keine Angaben dazu, seit wann sich der Lieferrückstand aufbaut und welche Förderregionen am stärksten betroffen sind.
Warum ein Zwei-Tage-Puffer ein Produktionsrisiko ist
Zement entsteht in Drehrohröfen im Dauerbetrieb, und Kohle ist der dominierende Brennstoff in indonesischen Werken. Eine in Tagen gemessene Reichweite lässt praktisch keinen Spielraum für einen verspäteten Schubverband, ein Wetterereignis oder eine Warteschlange am Liegeplatz. Ein ungeplanter Ofenstillstand ist teuer: Das System muss abgekühlt und wieder hochgefahren werden, was Brennstoff und Betriebsstunden kostet, bevor wieder verkaufsfähiger Klinker anfällt.
Geringe Brennstoffreichweite schränkt auch den kaufmännischen Spielraum ein. Wer von der Hand in den Mund produziert, kann den Einkaufszeitpunkt nicht wählen, und jede außerhalb des DMO-Kanals beschaffte Ersatzmenge folgt den Marktkonditionen statt der regulierten inländischen Regelung. Für Zementhersteller ist Brennstoff einer der größten beeinflussbaren Kostenblöcke in der Klinkerproduktion, sodass die Störung unmittelbar auf die Stückkosten durchschlägt.
Worauf die Branche achtet
- Ob die Pegelstände so weit steigen, dass die Schubverbände wieder planmäßig die Zementwerke erreichen.
- Ob blockierte DMO-Zuteilungen umgeleitet, terminlich neu geordnet oder durch Käufe außerhalb des Systems ergänzt werden.
- Die Ofenauslastung in den Werken, die einem Bestandsausfall am nächsten sind, und daraus folgende Klinkerkürzungen.
- Eine mögliche Weitergabe an die inländischen Zementpreise und an die Kosten von Bauprojekten.
Asperssi hat keine werksbezogene Aufschlüsselung der Bestände veröffentlicht; auch zu den im Transport feststeckenden Mengen und zur Zahl der betroffenen Werke liegen keine Zahlen vor. Die Aussage des Verbands gegenüber Bloomberg Technoz bleibt die unmittelbare Grundlage für die Einschätzung des Engpasses – wie lange die Werke mit einem Puffer von zwei bis drei Tagen fahren müssen, hängt an der Dauer der Trockenheit.