Indonesien: 102 Verdächtige im Reishandel, angereicherter Reis im Fokus der Ermittlungen
Indonesiens Landwirtschaftsminister und Chef der Nationalen Ernährungsbehörde, Andi Amran Sulaiman, nennt 102 Verdächtige in Verfahren rund um Reis. Rund 25 Unternehmen wurden wegen angereicherten Reises weitergeleitet, der statt der genannten 13.000 Rupiah für 57.000 Rupiah je Kilogramm verkauft worden sein soll.
Indonesien weitet sein juristisches Vorgehen gegen Manipulationen im heimischen Reishandel aus. In Verfahren rund um Reis sind bislang 102 Personen als Verdächtige benannt worden. Andi Amran Sulaiman, zugleich Landwirtschaftsminister und Chef der Nationalen Ernährungsbehörde (Bapanas), erklärte, die Regierung werde sich mit jedem anlegen, dem Verstöße gegen die Regeln des Reishandels nachgewiesen würden.
„Für die Reismafia gibt es in Indonesien keinen Platz. Wir stellen uns ihr entgegen“, sagte Amran am Freitag in Jakarta; die Nachrichtenagentur ANTARA berichtete darüber, Liputan6.com übernahm die Äußerungen. „Es gibt 102 Verdächtige. Bis zu diesem Moment, im Bereich Reis.“
Die Ermittlungen laufen parallel zu angebotsseitigen Maßnahmen, die die Verbraucherpreise für das Grundnahrungsmittel drücken sollen. Ziel ist die Handelsebene zwischen Mühlen, Distributoren und Einzelhandel, nicht die Erzeugung selbst.
Preisbildung bei angereichertem Reis im Zentrum des Falls
Der jüngste Ermittlungsstrang betrifft angereicherten Reis. Amran beschrieb eine Lücke zwischen dem von ihm genannten idealen Preis und dem tatsächlich verlangten Preis: Reis, der für 13.000 Rupiah je Kilogramm verkauft werden sollte, sei für 57.000 Rupiah je Kilogramm angeboten worden – mehr als das Vierfache des Referenzniveaus.
„Es gibt eine Mafia, das ist es, was den Aufruhr verursacht. 90 Billionen Rupiah wurden abgeschöpft. Das ist das Recht des Volkes. Das ist Betrug“, sagte Amran laut ANTARA. „Stellen Sie sich vor: Der ideale Preis für angereicherten Reis liegt bei 13.000 Rupiah je Kilogramm, und er verkauft ihn für 57.000 Rupiah je Kilogramm. Ist das gerecht?“
Rund 25 Unternehmen wurden im Fall des angereicherten Reises zur weiteren Bearbeitung weitergeleitet, berichten ANTARA und Liputan6.com. Namen der Firmen nannte keiner der beiden Berichte.
Lizenzentzug, Moratorium, Strafverfahren
Amran skizzierte ein dreistufiges Instrumentarium der Bapanas: Entzug der Geschäftslizenz, Moratorium und Übergabe an ein Strafverfahren. Nicht regelkonforme Produkte können aus dem Verkehr gezogen werden, Unternehmen drohen Verwaltungsmaßnahmen bis hin zur Strafverfolgung.
„Wir sind berechtigt, den Entzug anzuordnen, weil wir die Bapanas leiten. Beim Moratorium wird zuerst die Lizenz entzogen. Es gibt drei Verfahren: Lizenzentzug, Moratorium, Rechtsverfahren“, sagte er.
Der Zugriff auf Lizenzen ist für Verarbeiter und Händler entscheidend, denn eine behördliche Aussetzung stoppt Lieferungen lange vor jedem Gerichtsurteil.
Bestände über 4 Millionen Tonnen stützen die Intervention
Neben der Strafverfolgung führt die Regierung Marktinterventionen durch, verteilt Reis als Nahrungsmittelhilfe und baut das Programm zur Stabilisierung von Versorgung und Lebensmittelpreisen (SPHP) aus. Nach Angaben Amrans wird Reishilfe an 33,24 Millionen Menschen in ganz Indonesien ausgegeben, zusätzlich wurde 1 Million Tonnen SPHP-Reis zur Preisstabilisierung bereitgestellt.
Die nationalen Reisbestände liegen laut Amran bei mehr als 4 Millionen Tonnen und geben der Regierung Spielraum, einzugreifen, wenn Preise und Versorgung es erfordern. Er erwartet, dass Bestände und Interventionen zusammen die Verbraucherpreise wieder nach unten drücken.
Genau diese Bestandslage trägt sein Argument über das Marktverhalten. „Früher stiegen die Preise, wenn es keine Bestände gab, richtig? Ah, der Minister ist schuld. Importieren. Jetzt gibt es viel Reis, was ist also der Grund? Keine Importe, was ist also der Grund? Das heißt, es gab schon immer eine Mafia. Das muss in Ordnung gebracht werden“, sagte Amran laut ANTARA.
Für Reismühlen, Distributoren und Lieferanten staatlicher Ernährungsprogramme bedeutet das ein strengeres Compliance-Umfeld in einem Markt, in dem der Staat zugleich einen großen Puffervorrat und die Verwaltungsinstrumente kontrolliert, um Marktteilnehmer aus dem Handel zu entfernen.