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Indonesiens Agrarministerium veranschlagt 30 Jahre für nikotinarmen Tabak

Indonesiens Agrarministerium hält 30 Jahre Forschung für nötig, um nikotinarmen Tabak für tropische Anbaubedingungen zu entwickeln. Die geplanten Grenzwerte für Nikotin und Teer werden ressortübergreifend beraten und stoßen bei Tabakbauern auf starken Widerstand.

Indonesiens Agrarministerium veranschlagt 30 Jahre für nikotinarmen Tabak

Geplante Grenzwerte bleiben in der Diskussion

Indonesiens geplante Grenzwerte für Nikotin und Teer werden weiterhin ressortübergreifend diskutiert. Die Politik prüft die Folgen für Landwirtschaft, Verarbeitung und Konsum. Tabakbauern lehnen den Plan entschieden ab, während das Agrarministerium davor warnt, die Eigenschaften der Pflanze kurzfristig und ohne erhebliche Risiken für die heimische Produktion zu verändern.

Yudi Wahyudi, Leiter der Gruppe für Saisonkulturen in der zuständigen Direktion des Ministeriums, sagte VIVA, das Agrarressort sei nicht umfassend in die Beratungen einbezogen worden. Der Regelungsentwurf beruhe auf einem Mandat des Gesundheitsgesetzes und betreffe deshalb vor allem den nachgelagerten Konsum statt der landwirtschaftlichen Erzeugung. Das Ministerium habe dennoch die angeforderten Daten zum Tabaksektor geliefert.

Züchtung unter tropischen Bedingungen

Auf der Produktionsseite benötigen Forscher der Nationalen Agentur für Forschung und Innovation BRIN und des Agrarministeriums laut Yudi 30 Jahre, um verlässlich eine nikotinarme Sorte zu entwickeln, die auf tropischen Feldern widerstandsfähig und für traditionelle Bauern bezahlbar bleibt.

Vorgesehen ist konventionelle Kreuzung statt gentechnischer Veränderung. Jede Pflanzengeneration beansprucht eine vollständige Anbausaison. Um einen niedrigen Nikotingehalt zu stabilisieren, ohne die Resistenz gegen lokale Schädlinge zu beeinträchtigen, wären Dutzende Generationen erforderlich. Ohne eine entsprechend lange Übergangsfrist könne die heimische Industrie zusammenbrechen, bevor geeignetes Saatgut verfügbar sei, warnte Yudi.

Auch die Ausgangswerte lokaler Sorten erschweren das Vorhaben. Tabak wie Kemloko aus Temanggung und Mole aus Westjava enthält Yudi zufolge 3% bis 8% Nikotin, unter anderem wegen der vulkanischen Böden und der tropischen Sonneneinstrahlung. Eine drastische Absenkung würde nach seiner Einschätzung die geografische Identität dieser Kulturen verändern und eine natürliche Anpassung über mehrere Bauerngenerationen verlangen.

Biologisches Ziel liegt unter 1%

Die größte Herausforderung wäre Tabak mit weniger als 1% Nikotin beziehungsweise weniger als 10 mg/g im getrockneten Blatt, um Rauchemissionen von weniger als 1 mg zu erreichen. Yudi bezeichnete diesen Schwellenwert als eine der größten biologischen Herausforderungen für Indonesiens Landwirtschaft.

Die Debatte reicht über die Pflanzenzüchtung hinaus. Falls die Grenzwerte eine Verringerung der Tabakflächen erzwingen, bräuchte Indonesien laut Yudi mindestens eine Generation, also etwa 25–30 Jahre, um Millionen Bauern zu schulen und auf Ersatzkulturen mit vergleichbarem wirtschaftlichem Wert umzustellen.

Der Zeitplan des Agrarministeriums verdeutlicht die Lücke zwischen gesundheitspolitischer Regulierung des Konsums und der Produktionsrealität einer strategischen Kultur. Für Bauern, Saatgutanbieter und Verarbeiter ist entscheidend, ob die endgültigen Regeln eine lange Übergangsfrist vorsehen, wie Entwicklung und Tests finanziert werden und ob alternative Kulturen vergleichbare Erträge bieten. Die Grenzwerte werden noch beraten; über einen endgültigen Einführungsplan berichtete VIVA nicht.

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