Indonesien könnte 1 Million Tonnen ungenutzte Melasse für Bioethanol einsetzen
Indonesien produziert jährlich rund 1,9 Millionen Tonnen Melasse, von denen bislang nur 900.000 Tonnen aufgenommen werden. Begrenzte Mengen an Kraftstoffethanol, Logistikkosten und ungenutzte Verarbeitungskapazitäten erschweren die für 2027 geplante Einführung von E10.
Ungenutzte Melasse bietet eine heimische Rohstoffbasis
Indonesien verfügt über rund 1 Million Tonnen Melasse, die für die Bioethanolproduktion eingesetzt werden könnte, während das Land eine höhere Ethanolbeimischung zu Benzin vorbereitet. Eliza Mardian, Ökonomin beim indonesischen Center of Reform on Economics, sagte gegenüber ANTARA, die nationale Melasseproduktion liege bei etwa 1,9 Millionen Tonnen pro Jahr. Davon würden derzeit lediglich 900.000 Tonnen aufgenommen.
Die ungenutzte Menge könnte eine erhebliche heimische Rohstoffbasis für das Biokraftstoffprogramm bilden. Ihre geografische Verteilung schafft jedoch ein unmittelbares wirtschaftliches Hindernis. Mardian zufolge stammt ein Großteil der Melasse von außerhalb Javas, während die Verarbeitungsanlagen auf Java konzentriert sind. Der Transport aus den Erzeugerregionen zu den Fabriken erhöht die Logistikkosten und könnte die Wirtschaftlichkeit der Umwandlung des Überschusses in Ethanol beeinträchtigen.
Produktion von Kraftstoffethanol bleibt gering
Die größere Herausforderung besteht darin, ausreichend Kraftstoffethanol mit einem Reinheitsgrad von mehr als 99% herzustellen, das sich zur Beimischung zu Mineralölkraftstoffen eignet. Laut Mardian erreicht die heimische Produktion derzeit nur rund 26.000 Kiloliter pro Jahr. Sie stammt von drei führenden Unternehmen in Lampung, der Sonderregion Yogyakarta und Solo.
Die installierte Gesamtkapazität der indonesischen Ethanolfabriken beträgt 303.000 Kiloliter, während die tatsächliche Auslastung bei etwa 172.000 Kilolitern liegt. Ein großer Teil der Produktion geht an Branchen außerhalb des Kraftstoffmarktes, darunter Kosmetik, Pharma und Lebensmittel. Die Differenz zwischen installierter Kapazität, tatsächlicher Produktion und verfügbarem Kraftstoffethanol zeigt, dass die Nennkapazität nicht als sofort verfügbare Menge für die Benzinbeimischung gelten kann. Rohstoffverfügbarkeit, Produktspezifikationen und die Nachfrage etablierter Industriekunden bestimmen, welche Mengen den Kraftstoffmarkt erreichen können.
E10-Ziel erfordert zusätzliche Investitionen
Energieminister Bahlil Lahadalia erklärte, die Regierung wolle 2027 zunächst eine Ethanolbeimischung von 10%, E10, einführen und später zu E20 übergehen. Seit 2025 untersucht die Regierung eine verbindliche Ethanolregelung. Die Prüfung steht kurz vor dem Abschluss und soll als Grundlage für einen Fahrplan dienen, mit dem E20 bis 2028–2029 schrittweise umgesetzt wird. Die Beimischung soll Indonesiens Abhängigkeit von importierten Mineralölkraftstoffen, insbesondere Benzin, verringern.
Eine landesweite Einführung von E5 bis E20 erfordert Mardian zufolge in den kommenden Jahren umfangreiche Investitionen in die Bioethanol-Lieferkette und Infrastruktur. Als zentrale Voraussetzungen nannte sie eine höhere Produktivität des Zuckerrohranbaus, die Durchsetzung der Beimischungspflicht und eine gesicherte Abnahme durch Pertamina. Die Nutzung der überschüssigen Melasse könnte die Lücke zwischen heimischer Kraftstoffethanolproduktion und künftigem Bedarf verkleinern. Dafür müssen jedoch parallel zur Pflichtregelung Kapazitäten für Sammlung, Transport und Verarbeitung entstehen. Ein schrittweiser Ausbau könnte das heimische Angebot ohne Ethanolimporte erhöhen. Die derzeitige Produktion von lediglich 26.000 Kilolitern zeigt allerdings, welcher Aufbau vor einer landesweiten Beimischung noch erforderlich ist.