Indonesische Kohlelizenzen für 760 Mio. Tonnen Jahreskapazität laufen bis 2035 aus
In Indonesien laufen bis 2035 Betriebsgenehmigungen für Kohlebergwerke mit einer Jahreskapazität von 760 Millionen Tonnen aus, berichtet Global Energy Monitor. Das ist kein verbindlicher Kohleausstieg: Ein klarer Fahrplan fehlt, während neue Kapazitäten von 17 Millionen Tonnen pro Jahr geplant sind.
Indonesien dominiert den weltweiten Ablaufkalender
In Indonesien laufen bis 2035 Betriebsgenehmigungen für Kohlebergwerke mit einer gemeinsamen Förderkapazität von 760 Millionen Tonnen pro Jahr aus, berichtete Kompas unter Berufung auf die Analyse Still Digging 2026 von Global Energy Monitor. Das entspricht etwa zwei Dritteln der weltweit erfassten Kohleförderkapazität von rund 1,145 Milliarden Tonnen pro Jahr, die sich einer Stilllegung oder dem Ende ihrer genehmigten Laufzeit nähert.
Der indonesische Wert liegt weit vor Australien, das mit etwa 216 Millionen Tonnen pro Jahr den nächsten Rang belegt. Auch in Deutschland, Tschechien, Rumänien und Griechenland nähern sich Bergbaukapazitäten einem Enddatum. Global Energy Monitor unterscheidet diese europäischen Fälle, weil der Kohleausstieg dort regulatorisch abgesichert ist, während Indonesien keinen klaren Fahrplan zur Beendigung der Kohleförderung besitzt.
Die Zahlen beschreiben die mit Genehmigungen verbundene jährliche Produktionskapazität und nicht die im Boden verbliebene Kohlemenge. Sie zeigen damit den Umfang der Anlagen, über die bis 2035 administrativ entschieden werden muss, bestätigen aber nicht, dass eine Jahresproduktion von 760 Millionen Tonnen verschwindet.
Das Lizenzende garantiert keine Schließung
Tiffany Means, leitende Forscherin bei Global Energy Monitor und Mitautorin des Berichts, warnte davor, den indonesischen Wert als Ausstiegspolitik zu deuten. Er spiegele wahrscheinlich vor allem auslaufende Genehmigungen wider. Ein Lizenzablauf kann zur Schließung führen, doch aus dem Quellenmaterial geht nicht hervor, wie viele Genehmigungen erneuert, verlängert oder ersetzt werden könnten.
Für Produzenten, Käufer und Investoren ist diese Unterscheidung entscheidend. Werden viele Lizenzen verlängert, könnte Indonesien einen großen Teil der aktuell als auslaufend geführten Kapazität behalten. Werden Verlängerungen begrenzt oder halten Betreiber die weitere Förderung für unwirtschaftlich, könnte derselbe Kalender zu einer erheblichen Schließungswelle werden. Da die Analyse keine Prognose für einzelne Bergwerke enthält, dürfen die 760 Millionen Tonnen nicht als sichere Angebotskürzung betrachtet werden.
Indonesien steht zudem auf Rang acht der 10 Länder mit den größten Beständen inaktiver Kohlebergwerke. Deren Kapazität wird auf rund 18 Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt. Das schafft zusätzliche Unsicherheit, denn inaktive Anlagen sind nicht mit den Bergwerken gleichzusetzen, deren Genehmigungen bald auslaufen, und müssen nicht dauerhaft geschlossen sein.
Neue Projekte erschweren den Stilllegungsausblick
Gleichzeitig plant Indonesien neue Kohleförderkapazitäten von 17 Millionen Tonnen pro Jahr. Dorothy Mei, Projektleiterin des Global Coal Mine Tracker bei Global Energy Monitor, sieht darin ein Zeichen für den anhaltenden Drang zum Ausbau der indonesischen Produktion. Das Neubauvolumen ist im Vergleich zu den 760 Millionen Tonnen pro Jahr mit auslaufenden Lizenzen klein, zeigt aber, dass die Projektpipeline nicht auf einen eindeutigen Förderausstieg ausgerichtet ist.
Global Energy Monitor warnte, dass zusätzliche Bergwerke bei veränderten Bedingungen am Energiemarkt langfristig unwirtschaftlich werden könnten. Für Betreiber und Finanzierer stehen daher Lizenzverlängerungen, Projektkosten und die wirtschaftliche Lebensdauer einzelner Lagerstätten im Mittelpunkt. Für Händler und Kohleverbraucher ist der Ablaufkalender nur dann relevant, wenn er die tatsächliche Förderung und das verfügbare Angebot verändert.
Der Unterschied zu den regulierten europäischen Ausstiegsplänen ist erheblich. Ein gesetzlicher Schließungsplan bietet größere Klarheit darüber, wann Kapazitäten den Markt verlassen. Indonesiens lizenzbasierter Zeitplan lässt dagegen mehrere Ergebnisse zu: Weiterbetrieb nach Verlängerung, spätere Schließung, Ersatz durch neue Kapazität oder Stilllegung. Bis Behörden und Betreiber ihre Entscheidungen klären, sind die 760 Millionen Tonnen pro Jahr als genehmigungsgefährdete Kapazität zu verstehen, nicht als bestätigter Rückgang des indonesischen Kohleangebots.