Indonesien meldet Fortschritte bei Diesel und Benzin aus Palmöl
Präsident Prabowo Subianto zufolge haben indonesische Wissenschaftler Technologien zur Herstellung von Diesel und Benzin aus Palmöl entwickelt. Das Vorhaben soll die Energieautonomie stärken, doch Angaben zu Kapazität, Kosten, Vermarktungszeitplan und zusätzlichem Palmölbedarf fehlen.
Einheimische Forscher entwickeln Verfahren für Palmölkraftstoffe
Indonesien hat nach Angaben von Präsident Prabowo Subianto Technologien entwickelt, mit denen sich Palmöl zu Diesel und Benzin verarbeiten lässt. Er stellte die Forschung als Schritt zu größerer nationaler Energieautonomie dar. Damit könnte sich die Rolle der Palmölindustrie über ihre etablierten Absatzmärkte für Lebensmittel, Oleochemikalien und Biodiesel hinaus erweitern. Angaben zu Produktionskapazität, Kosten und kommerzieller Einführung wurden jedoch nicht gemacht.
Prabowo äußerte sich laut Sawit Setara am Samstag, dem 19. September 2026, bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen von Pondok Modern Darussalam Gontor in Ponorogo in Ostjava. Er würdigte Professoren und Forscher indonesischer Ingenieurfakultäten für die Entwicklung der Technologie. Aufgrund seiner vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten für Arzneimittel, Seife und Kraftstoffe bezeichnete der Präsident Palmöl als strategisch bedeutsam.
In der Rede wurden weder die beteiligten Hochschulen, Forschungsteams oder Unternehmen genannt noch Informationen zum Umwandlungsverfahren, zu Kraftstoffspezifikationen, Testmengen, Kapitalbedarf oder zum Zeitpunkt einer möglichen Markteinführung veröffentlicht. Die Ankündigung zeigt damit die technologische Zielrichtung der Regierung, ermöglicht aber noch keine Beurteilung, ob Benzin oder Diesel aus Palmöl im industriellen Maßstab wettbewerbsfähig wäre.
Bestehende Beimischungsvorgaben schaffen eine Grundlage
Indonesien setzt im Rahmen seines Biodieselprogramms bereits Kraftstoff aus Palmöl ein. Laut Sawit Setara hat das Land B50 eingeführt, eine Dieselmischung mit 50% Biodiesel. Damit bestehen bereits politische Vorgaben und Vertriebsstrukturen, um mehr heimische erneuerbare Rohstoffe im Straßenverkehr zu nutzen. Das neu angekündigte Verfahren könnte sich allerdings von der herkömmlichen Biodieselproduktion unterscheiden.
Bei Benzin ist die Nutzung erneuerbarer Komponenten weniger weit fortgeschritten. Wie die Publikation berichtet, hat in mehreren Regionen in begrenztem Umfang die Beimischung von E5 mit 5% Ethanol begonnen. Prabowos Aussage, Benzin könne aus Palmöl hergestellt werden, deutet auf einen weiteren Weg hin, Erdöl im Benzinsegment zu ersetzen. Offen blieb, ob das Produkt fossilem Benzin beigemischt oder direkt als Ersatz verwendet werden soll.
Prabowo kündigte zudem an, Indonesien wolle Benzin aus Kohle herstellen. Beide Initiativen ordnete er in das umfassendere Ziel ein, heimische Ressourcen zu Kraftstoffen zu verarbeiten und die Abhängigkeit von externer Energieversorgung zu verringern. Für das Kohlevorhaben wurden weder ein Zeitplan und Standort noch eine Investitionssumme genannt.
Der kommerzielle Maßstab entscheidet über die Marktwirkung
Für Palmölproduzenten und Verarbeiter hängt die Bedeutung der Ankündigung davon ab, ob die Technologie von der Forschung in einen dauerhaften kommerziellen Betrieb überführt wird. Ein großer Absatzkanal für Verkehrskraftstoffe könnte zusätzliche Inlandsnachfrage nach Palmöl schaffen. In welchem Maße daraus Konkurrenz zu bestehenden Verwendungen in Lebensmitteln, Industrie und Export entsteht, richtet sich nach den tatsächlichen Mengen. Ohne Kapazitätsschätzung und Einführungsplan lässt sich die Wirkung auf Verfügbarkeit und Preise noch nicht beziffern.
Die Energiestrategie der Regierung berührt zugleich die Nachhaltigkeitspolitik. Sawit Setara zufolge brauchen Verbesserungen bei nachhaltigen Praktiken im Palmölsektor wirtschaftliche Anreize, darunter Marktzugang und Chancen auf neuen Märkten. Nur so können sich Investitionen der Produzenten, insbesondere der Kleinbauern, auszahlen. Bei einer Ausweitung palmölbasierter Verkehrskraftstoffe würden neben der technischen Leistung auch Rohstoffstandards, Anreize für Produzenten und die Wertverteilung entlang der Lieferkette zu zentralen wirtschaftlichen Fragen.