Indische Zölle und EU-Regeln belasten Indonesiens Palmölexporte
Indonesiens Palmölexporte sanken im April 2019 gegenüber März um 18 Prozent und erholten sich im Mai nur teilweise, wie von ANTARA veröffentlichte Gapki-Daten zeigen. Indische Einfuhrzölle und der delegierte Rechtsakt der EU zur RED II verschärften den Druck in zwei wichtigen Absatzmärkten.
Ausfuhren sinken im April um 18 Prozent
Indonesiens Palmölexporte schwächten sich im April 2019 ab, nachdem Vorschriften in mehreren wichtigen Zielländern den Marktzugang des weltgrößten Anbieters erschwert hatten. Nach Angaben des indonesischen Palmölverbands Gapki fielen die gesamten Ausfuhren von rohem Palmöl, Folgeprodukten, Oleochemikalien und Biodiesel gegenüber März um 18 Prozent von 2,96 Millionen Tonnen auf 2,44 Millionen Tonnen.
Im Mai stiegen die Lieferungen gegenüber April um 14 Prozent auf 2,79 Millionen Tonnen. Gapki-Geschäftsführer Mukti Sardjono erklärte jedoch, die Erholung sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Das Mai-Volumen lag weiterhin 170.000 Tonnen unter dem März-Wert und glich den vorherigen Einbruch damit nicht vollständig aus.
Ohne Oleochemikalien und Biodiesel war der Rückgang noch stärker. Die Exporte von rohem Palmöl und dessen Folgeprodukten sanken im April um 27 Prozent von 2,76 Millionen Tonnen im März auf 2,01 Millionen Tonnen. Im Mai nahmen sie laut den von ANTARA veröffentlichten Gapki-Zahlen um 18 Prozent auf 2,40 Millionen Tonnen zu.
Malaysia erhält Zollvorteil in Indien
Gapki bezeichnete Indiens Einfuhrregime als eine der Handelsbarrieren, die Indonesiens Stellung schwächen. Indien hatte den Einfuhrzoll auf Palmöl bis zur Höchstgrenze angehoben. Malaysia erhielt dagegen durch das 2011 unterzeichnete umfassende Wirtschaftspartnerschaftsabkommen und anschließende Freihandelsgespräche günstigere Bedingungen.
Die daraus folgende Vergünstigung senkte den Zoll auf raffinierte Palmölprodukte aus Malaysia auf 45 Prozent, verglichen mit dem sonst geltenden Satz von 54 Prozent. Gapki zufolge ermöglichte dieser Vorteil von neun Prozentpunkten Malaysia, dem zweitgrößten Palmölproduzenten der Welt, den indischen Markt auf Kosten Indonesiens zu dominieren.
Der Verband forderte die indonesische Regierung auf, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Indien zu beschleunigen und gleiche Einfuhrzölle anzustreben. Ohne eine Gleichbehandlung bleiben indonesische Raffinerien in einem wichtigen Absatzmarkt benachteiligt, selbst wenn ihre Produktionskosten wettbewerbsfähig sind. Der Zollabstand kann Aufträge für raffinierte Produkte nach Malaysia umlenken und zusätzliche Mengen in Indonesien zurücklassen.
Europäische Lieferungen nach RED II rückläufig
In Europa führte Gapki die schlechtere Marktstimmung auf die Annahme des delegierten Rechtsakts zur RED II durch die EU im März zurück. Indonesiens Exporte von rohem Palmöl und Folgeprodukten in die Region sanken zwischen März und April um 37 Prozent von 498.240 Tonnen auf 315.240 Tonnen. Im Mai gingen die Lieferungen nochmals um 4 Prozent auf 302.160 Tonnen zurück.
Damit lag das monatliche Volumen nach Europa im Mai um 196.080 Tonnen unter dem März-Niveau. Eine anhaltende Schwäche in Europa würde indonesische Erzeuger und Verarbeiter stärker von anderen Käufern abhängig machen. Reicht die alternative Nachfrage nicht aus, könnten die verdrängten Mengen die inländischen Lagerbestände erhöhen.
China bietet nur einen teilweisen Ausgleich
China glich die Verluste zunächst teilweise aus. Indonesische Lieferungen nach China stiegen im April um 41 Prozent von 353.460 Tonnen auf 499.570 Tonnen. Der Zuwachs erwies sich jedoch als vorübergehend: Im Mai fielen die Exporte um 18 Prozent auf 410.560 Tonnen. Gapki meldete auch für Bangladesch eine Abschwächung.
Die Daten nach Zielländern zeigen, dass zum regulatorischen Druck in Indien und Europa eine volatile Nachfrage in anderen asiatischen Märkten hinzukam. Die Erholung im Mai verhinderte einen zweiten monatlichen Rückgang in Folge, doch das Exportvolumen blieb unter dem März-Niveau. Für Erzeuger, Raffinerien und Händler ging es daher sowohl um den wettbewerbsfähigen Zugang zu Indien als auch um stabile Abnehmer für die aus Europa verdrängten Mengen.