Indiens Sojaölimporte erreichen im August ein Rekordhoch
Indien importierte im August die Rekordmenge von 601.000 Tonnen Sojaöl, während die Palmöleinfuhren mit 780.000 Tonnen den höchsten Stand seit sechs Monaten erreichten. Raffinerien bauten vor der Festsaison Vorräte auf, da Sojaöl preislich attraktiver wurde und Lieferungen von Sonnenblumenöl aus dem Schwarzmeerraum gestört waren.
Sojaöleinfuhren steigen um 21%
Indiens Sojaölimporte nahmen im August gegenüber Juli um 21% auf die Rekordmenge von 601.000 Tonnen zu. Reuters berief sich dabei auf die durchschnittliche Schätzung von fünf Händlern. Die Raffinerien bauten vor Beginn der Festsaison ihre Speiseölbestände aus. Die Palmölimporte stiegen im Monatsvergleich um 7% auf 780.000 Tonnen und damit auf den höchsten Stand seit sechs Monaten.
Die höheren Mengen bei beiden Ölsorten ließen Indiens gesamte Speiseölimporte um 4% auf ein Elfmonatshoch von 1,54 Millionen Tonnen steigen. Als weltweit größter Importeur von Pflanzenölen beeinflusst Indien mit Veränderungen seines Einkaufsmixes sowohl die Lieferländer als auch die internationalen Terminmärkte.
Die Händlerschätzungen erfassen Seefrachten, nicht aber zollfreie Lieferungen, die auf dem Landweg aus Nepal kommen. Laut dem Bericht gelangten im August zusätzlich 100.000 Tonnen Speiseöl aus Nepal nach Indien, darunter rund 90.000 Tonnen Sojaöl.
Festsaison und Preise verändern den Produktmix
Rajesh Patel, geschäftsführender Partner des in Gujarat ansässigen Handelshauses GGN Research, sagte Reuters, die Raffinerien hätten für die Festnachfrage mehr gekauft. Zudem seien zeitnahe Lieferungen günstiger gewesen als spätere Verschiffungstermine. In Indien folgt von August bis November eine Reihe von Festen, in deren Verlauf der Speiseölverbrauch üblicherweise seinen saisonalen Höhepunkt erreicht.
Sojaöl gewann Marktanteile, weil es gegenüber Palmöl preislich wettbewerbsfähiger war, erklärte Sandeep Bajoria, Geschäftsführer des Mumbaier Pflanzenölmaklers Sunvin Group. Frühere Berichte hatten gezeigt, dass sich die Einstandskosten von Soja- und Palmöl für Lieferungen von Oktober bis Dezember nahezu angeglichen hatten. Dadurch schrumpfte der übliche Preisvorteil von Palmöl.
Bei Sonnenblumenöl verlief die Entwicklung gegenläufig. Die Importe fielen gegenüber Juli um 38% auf ein Sechsmonatstief von 157.000 Tonnen, nachdem eine Eskalation des Russland-Ukraine-Krieges die Lieferungen aus dem Schwarzmeerraum beeinträchtigt hatte. Indische Käufer ersetzten daher Sonnenblumenöl durch Sojaöl, während sie ihre Vorräte für den stärkeren Inlandsverbrauch aufbauten.
Höhere Nachfrage stützt wichtige Lieferländer
Indien bezieht den größten Teil seines Palmöls aus Indonesien und Malaysia. Soja- und Sonnenblumenöl kommen überwiegend aus Argentinien, Brasilien, Russland und der Ukraine. Die Verschiebung im August stärkt somit die Nachfrage nach südamerikanischem Sojaöl und südostasiatischem Palmöl, während Sonnenblumenöl aus dem Schwarzmeerraum kurzfristig an Bedeutung verliert.
Reuters zufolge könnten Indiens höhere Käufe Indonesien, Malaysia und Argentinien helfen, ihre Lagerbestände abzubauen, und zugleich die Referenzkontrakte für Palm- und Sojaöl stützen. Bajoria erwartet, dass Indiens Importe beider Ölsorten auch im September sehr hoch bleiben und die Nachfrage der Raffinerien über den Augustrekord hinaus anhält.
Bei den Zahlen handelt es sich bislang um Händlerschätzungen. Die Solvent Extractors’ Association of India will ihre offiziellen Importdaten für August bis Mitte September veröffentlichen. Ihr Bericht wird der Branche eine formelle Einschätzung des Anstiegs und der Seefrachtmengen vor der Hauptphase der Festnachfrage liefern.