Indiens Plan für 1 Million Tonnen Rohzucker stößt auf eine Preisbarriere
Indiens genehmigte Einfuhr von 1 Million Tonnen Rohzucker verliert durch fallende Inlandspreise bei festen Weltmarktpreisen an Wirtschaftlichkeit. Hafenraffinerien haben sich zu rund 260.000 Tonnen verpflichtet, doch die Kosten des daraus erzeugten Weißzuckers liegen über den aktuellen Ab-Werk-Preisen.
Inlandszucker unterbietet Importware
Indiens Plan, 1 Million Tonnen Rohzucker auf den Binnenmarkt zu bringen, ist nach einem deutlichen Rückgang der Inlandspreise gefährdet. Importierte Mengen sind dadurch wirtschaftlich unattraktiv geworden. Die Regierung hatte die Einfuhren genehmigt und zugleich Spekulationen über einen Zuckermangel zurückgewiesen. Feste Weltmarktpreise und sinkende indische Notierungen haben jedoch eine Lücke geschaffen, die Importeure und Raffinerien kaum auffangen können.
Jagran zufolge fielen die Ab-Werk-Preise in wichtigen Erzeugerstaaten in den vergangenen Wochen von etwa ₹65 auf ₹44-₹50 je Kilogramm. Damit verschlechterte sich die Wirtschaftlichkeit der Verarbeitung von importiertem Rohzucker und des anschließenden Verkaufs als Weißzucker in Indien. Für Raffinerien ist nicht mehr die Verfügbarkeit der Quote entscheidend, sondern die Frage, ob sie das Endprodukt ohne Verlust verkaufen können.
Raffinerien sagen nur einen Teil der Menge zu
Von Jagran zitierte Branchenquellen berichten, dass sich Hafenraffinerien zur Einfuhr von rund 260.000 Tonnen Rohzucker verpflichtet haben. Bislang gelangten lediglich einige Tausend Tonnen auf den Binnenmarkt. Ein von The Economic Times zitierter Großimporteur erklärte, dass die in der Anfangsphase verkauften Mengen sowie bereits in den Häfen eingetroffene Ladungen vermarktet würden. Weitere Mengen ließen sich jedoch nur schwer zu wettbewerbsfähigen Inlandspreisen verkaufen.
Ein anderer Importeur bezifferte die Kosten für Weißzucker aus importiertem Rohstoff auf mehr als ₹55 je Kilogramm, noch ohne Logistik. Dem standen Ab-Werk-Preise von ₹45-₹46 je Kilogramm in Maharashtra und ₹48-₹50 in Uttar Pradesh gegenüber. Schon vor den Kosten für Inlandstransport und Vertrieb hat Importzucker damit einen deutlichen Nachteil gegenüber heimischer Ware.
Die Preisdifferenz belastet Handelsunternehmen ebenso wie Hafenraffinerien. Importeure riskieren Verluste, wenn sie zu festen Weltmarktpreisen einkaufen und auf einem schwächeren Binnenmarkt verkaufen. Raffinerien können Beschaffung und Verarbeitung aufschieben, bis sich die indischen Notierungen erholen. Solange sich die Inlandspreise nicht den Importkosten annähern, dürfte die Quote allein das geplante Handelsvolumen nicht auslösen.
Regierung ändert den Importmechanismus
Die Zentralregierung traf sich am Montag mit Zuckerimporteuren und forderte sie zu höheren Käufen auf. Laut Jagran war in der Vorwoche die Antragsfrist für Zuckerimporte im Rahmen des Advance-Authorisation-Programms verlängert und das Verfahren in ein einmaliges Zollkontingent umgewandelt worden. Hafenraffinerien, die üblicherweise Rohzucker importieren, verarbeiten und das Endprodukt exportieren, dürfen die Ware innerhalb der festgelegten Quote nun auch in Indien verkaufen.
Die Änderung verschafft den Raffinerien Zugang zu inländischen Abnehmern, beseitigt aber nicht die Preisdifferenz. Marktteilnehmer halten Verkäufe erst dann für rentabel, wenn die indischen Preise das Kostenniveau der Importware erreichen. Will die Regierung die Ankünfte näher an das Ziel von 1 Million Tonnen bringen, könnte sie das Programm daher erneut anpassen müssen.
Kurzfristiger Anstieg schließt die Lücke nicht
Seit Montag sind die Zuckerpreise auf Werksebene um 2%-3% gestiegen. Branchenvertreter führten dies auf Störungen der Lieferkette zurück. Auslöser waren Sorgen über mögliche staatliche Maßnahmen nach dem Essential Commodities Act sowie Kontrollen im Einzelhandel. Dadurch sei die Marktverfügbarkeit gesunken und eine moderate Preiserholung ausgelöst worden.
Der Anstieg reicht nicht aus, um die von den Händlern beschriebene Importkalkulation zu verändern. Bei Kosten von mehr als ₹55 je Kilogramm vor Logistik lassen Preise von ₹45-₹50 in den wichtigsten Erzeugerstaaten kaum Spielraum für kommerzielle Lieferungen. Bleibt dieses Verhältnis bestehen, dürften Raffinerien abwarten und Indiens tatsächliche Einfuhren deutlich unter der genehmigten Menge bleiben.
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