Indiens Ethanolmandat sichert Nachfrage, doch die Kapazität übersteigt den E20-Bedarf
Die verbindliche Beimischung hat den Kraftstoffsektor zum größten Ethanolmarkt Indiens gemacht und Zuckerfabriken sowie Destillerien staatlich abgesicherte Nachfrage verschafft. Die Jahreskapazität liegt über 20 Milliarden Litern, während E20 rund 11 Milliarden Liter benötigt.
Beimischungspflicht wird zur wichtigsten Nachfragequelle
Indiens verbindliches Beimischungsprogramm ist zur größten Quelle der Ethanolnachfrage im Land geworden und hat einen regulierten Markt für Zuckerfabriken und Destillerien geschaffen. Ölvermarktungsgesellschaften müssen festgelegte Mengen kaufen, während der Staat die Beschaffungspreise weitgehend bestimmt. Ohne dieses System fände ein erheblicher Teil der bestehenden Kapazität keinen Absatz, berichtet Bhadas4Media.
Die Politik soll Indiens Abhängigkeit von importiertem Rohöl verringern. Das Land importiert mehr als 90 % seines Rohölbedarfs und gibt dafür jährlich etwa 150 bis 200 Milliarden $ aus. Nach Regierungsangaben sparte die Ethanolbeimischung im vergangenen Jahrzehnt rund ₹1,55 Lakh Crore an Devisen. Von Bhadas4Media zitierte Fachleute schätzen jedoch, dass selbst bei einer Beimischung von 20 % die tatsächliche Entlastung nur etwa 2 % bis 3 % der gesamten Ölimportrechnung beträgt.
Das Programm hat dennoch die wirtschaftliche Lage der Zuckerindustrie verändert. Vor einem Jahrzehnt kämpften viele Fabriken mit Zuckerüberschüssen, niedrigen Preisen, hohen Schulden und verspäteten Zahlungen an Landwirte. Käufe zu festen Preisen durch Ölgesellschaften, günstigere Kredite für Destillationsanlagen und steigende Beimischungsziele schufen eine zusätzliche und vergleichsweise verlässliche Einnahmequelle.
Kapazitätsausbau schafft Überschussrisiko
Indiens jährliche Ethanolproduktionskapazität liegt inzwischen über 20 Milliarden Litern und könnte laut den von Bhadas4Media genannten Schätzungen bis 2027 etwa 24 Milliarden Liter erreichen. Das E20-Programm benötigt jährlich rund 11 Milliarden Liter. Pharma-, Chemie- und Getränkeindustrie verbrauchen zusammen weitere 3 bis 3,5 Milliarden Liter.
Damit bleiben nach Deckung der heutigen Nachfrage rund 7 Milliarden Liter Kapazität ohne erkennbaren Markt. Steigt die Beimischungsquote nicht weiter, droht den Herstellern eine dauerhafte Überkapazität. Besonders betroffen sind Anlagen, deren Finanzierung auf fortgesetzten Pflichtkäufen und einer wachsenden Kraftstoffnachfrage beruhte.
Die Lücke wirft Fragen zur nächsten Phase der indischen Kraftstoffpolitik auf. Eine höhere Beimischung könnte zusätzliche Mengen aufnehmen, müsste aber gegen Fahrzeugverträglichkeit, Rohstoffverfügbarkeit und den begrenzten Beitrag zur Senkung der gesamten Rohölrechnung abgewogen werden. Eine unabhängige Kosten-Nutzen-Analyse könnte zeigen, wie sich Vorteile und Belastungen auf Landwirte, Verarbeiter, Verbraucher und öffentliche Haushalte verteilen.
Maisverbrauch und geringere Reichweite erhöhen die Kosten
Ethanol wurde früher hauptsächlich aus Melasse, einem Nebenprodukt der Zuckerrohrverarbeitung, hergestellt. Mit der steigenden Nachfrage nahm die Nutzung von Mais und anderem Getreide rasch zu. Indien gehörte vor einigen Jahren zu den großen Maisexporteuren Asiens, importiert zuletzt jedoch mehr Mais, berichtet Bhadas4Media. Der stärkere Wettbewerb um Getreide kann das Angebot für Lebensmittel und Futtermittel belasten und einen Teil der Ölabhängigkeit durch neuen Druck auf den Agrarmarkt ersetzen.
Auch die Belastung der Verbraucher ist ungeklärt. Millionen Fahrzeuge in Indien wurden ursprünglich nicht für E20 ausgelegt. Die Ethanol-Roadmap von NITI Aayog wies darauf hin, dass E20 bei älteren Fahrzeugen die durchschnittliche Reichweite je Liter um 6 % bis 7 % senken könnte. Empfohlen wurde ein Preisabschlag für E20-Benzin, um diesen Verlust auszugleichen; eingeführt wurde er nicht. Die Bewertung der Politik muss deshalb neben Deviseneinsparungen auch Kraftstoffausgaben, Wartungskosten, Agrarrohstoffe und die Auslastung von mehr als 20 Milliarden Litern installierter Kapazität berücksichtigen.