Indiens Eisenschwammpreise erreichen wegen höherer Kohlekosten Zweijahreshoch
Indiens Eisenschwammpreise sind wegen höherer Kosten für Kraftwerkskohle, Fracht und Versicherungen auf ein Zweijahreshoch gestiegen. Knüppelhersteller konnten einen Großteil der Belastung weitergeben, doch Widerstand gegen höhere Angebote und ein möglicher Wechsel zu Schrott begrenzen den Spielraum.
Kohlekosten treiben Eisenschwammpreise
Die indischen Inlandspreise für Eisenschwamm erreichten den höchsten Stand seit zwei Jahren und stiegen bis Mitte September weiter, berichtet SMM. Hauptursache waren höhere Kosten für Kraftwerkskohle; zusätzliche Unterstützung kam von Auffüllkäufen und einem besseren Kaufinteresse. Die Produzenten gaben die höheren Einsatzkosten an ihre Kunden weiter. SMM beobachtete in den letzten zwei Wochen der Rally allerdings auch spekulatives Verhalten.
Raipur-PDRI erreichte am 31. August ab Werk 309 $ je Tonne beziehungsweise 29.700 INR und stieg bis zum 15. September auf 310 $ beziehungsweise 29.800 INR. Bellary-PDRI wurde am 31. August mit 304 $ je Tonne beziehungsweise 29.200 INR bewertet und verteuerte sich bis zum 17. September auf 326 $ beziehungsweise 31.300 INR ab Werk.
Im Monat bis zum 17. September legte Bellary-PDRI um 49 $ je Tonne beziehungsweise 4.700 INR oder 17,7 % zu. Raipur-PDRI stieg um 33 $ beziehungsweise 3.200 INR oder 12,2 %. Die Knüppelpreise in Raipur erhöhten sich im selben Zeitraum um 57 $ je Tonne beziehungsweise 5.500 INR auf 464 $ beziehungsweise 44.500 INR.
Kosten werden entlang der Stahlkette weitergegeben
Der gleichzeitige Anstieg der PDRI- und Knüppelpreise zeigt, dass nachgelagerte Knüppelhersteller einen Großteil der Mehrkosten an ihre Abnehmer weiterreichen konnten. Ihre Margen blieben dadurch weitgehend stabil. An Tagen mit Preissteigerungen waren die Handelsvolumina solide. Neben Käufen für den unmittelbaren Bedarf gab es Vorratsaufbau in Erwartung weiterer Aufschläge. Eine deutliche Verbesserung der Endnachfrage stellte SMM jedoch nicht fest.
Indien ist der weltweit größte Produzent von Eisenschwamm und betreibt etwa 336 Anlagen mit einer Jahresproduktion von rund 50 Millionen Tonnen. Die Herstellung erfolgt überwiegend in kohlebasierten Drehrohröfen mit nicht verkokender Kraftwerkskohle aus heimischen Gruben sowie aus Indonesien, Südafrika und Russland. Auf die Stahl- und Eisenschwammindustrie entfallen nahezu 40 % der indischen Kohleimporte.
Von SMM zitierte Handelskreise bezifferten den Preisanstieg bei indonesischer Kraftwerkskohle seit Mai auf 18–20 %. Russische und südafrikanische Kohle verteuerte sich um 14 % beziehungsweise 19 %. Höhere Treibstoff- und Versicherungskosten für Schiffe infolge der Spannungen im Nahen Osten steigerten ebenfalls die Einstandskosten. Im Inland wurden Kraftwerke während der sommerlichen Nachfragespitze bevorzugt beliefert, während der Monsun Bergbau und Bahntransporte beeinträchtigte.
Abnehmer widersetzen sich den höchsten Angeboten
Die Produzenten halten ihre Lagerbestände niedrig und kaufen nur für den unmittelbaren Bedarf. Die Kraftwerkskohleimporte der Stahl- und Eisenschwammhersteller sanken im Juni um 11 % und im Juli um 19 %. Importeure hatten ihre Käufe reduziert, weil ausländische Kohle im Vergleich zur heimischen Ware teuer erschien. Dies trug später zu einer Versorgungslücke und höheren indischen Kohlepreisen bei.
Betreiber von Induktions- und Elektrolichtbogenöfen bevorzugen weiterhin Eisenschwamm gegenüber Schrott, weil er billiger und verlässlicher verfügbar ist. In Bellary wurden Geschäfte zu etwa 325–326 $ je Tonne beziehungsweise 31.200–31.300 INR gemeldet. Angebote von 328–329 $ beziehungsweise 31.500–31.600 INR stießen auf Widerstand. SMM erwartet für die nächsten zwei Monate feste Preise nahe dem aktuellen Niveau. Eine deutliche Korrektur dürfte niedrigere Weltmarktpreise für Kohle, günstigere Fracht oder eine schnellere Erholung des heimischen Kohleangebots erfordern. Verengt sich der Preisabstand, könnte Nachfrage zu Schrott abwandern.