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Indien untersucht als Lieferungen aus Niger deklarierte Sojaimporte

Indiens Zoll prüft, ob als nigrisch deklarierte Sojabohnen tatsächlich aus Nigeria kamen und zur zollfreien Einfuhr falsch gekennzeichnet wurden. In den ersten sieben Monaten 2026 erreichten die gemeldeten Lieferungen aus Niger 380.868 Tonnen, obwohl das Land jährlich weniger als 100 Tonnen produziert.

Zoll prüft Anspruch auf abgabenfreie Einfuhr

Die indischen Zollbehörden untersuchen den sprunghaften Anstieg von Sojaimporten, deren Ursprung mit Niger angegeben wurde. Sie vermuten, dass die Ladungen tatsächlich aus dem benachbarten Nigeria kamen und zur Umgehung von Einfuhrabgaben falsch deklariert wurden. Reuters berichtete am 5. Oktober über die Untersuchung und berief sich auf zwei Regierungsvertreter, zwei Branchenvertreter sowie Schreiben der Zollbehörde an Importeure.

Indien gewährt Einfuhren aus den am wenigsten entwickelten Ländern, darunter Niger, Zollfreiheit. Erfüllen die Ladungen die Voraussetzungen für diese Präferenz nicht, wäre nach Angaben der Quellen der volle Einfuhrzoll von 45% fällig. Der Zoll verlangt von den Importeuren nun den Nachweis, dass die Ware tatsächlich aus Niger stammt. Die Untersuchung hat bislang nicht festgestellt, dass jede als nigrisch deklarierte Ladung falsch gekennzeichnet war.

Handelsmenge übersteigt Nigers Produktion deutlich

Nach Angaben des indischen Handelsministeriums importierte Indien in den ersten sieben Monaten 2026 die Rekordmenge von 909.606 Tonnen Sojabohnen. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es lediglich 1.996 Tonnen gewesen. Die als Lieferungen aus Niger erfasste Menge stieg von null auf 380.868 Tonnen. Damit wurde Niger im betrachteten Zeitraum zum größten angegebenen Sojalieferanten Indiens.

Das Volumen steht in starkem Gegensatz zu den Produktionsmöglichkeiten des Landes. Vertreter der afrikanischen Sojaverarbeitung schätzen Nigers jährliche Erzeugung auf weniger als 100 Tonnen. Das benachbarte Nigeria ist hingegen Afrikas führender Produzent und Exporteur von Sojabohnen, spielt weltweit aber eine deutlich kleinere Rolle. In den von Reuters eingesehenen Schreiben erklärte der indische Zoll, die Importmenge scheine Nigers übliche Produktion und Exportkapazität zu überschreiten.

Importeure stoppen neue Käufe

Die fraglichen Lieferungen waren zunächst abgefertigt worden, nachdem die Importeure die für die Zollfreiheit erforderlichen Unterlagen vorgelegt hatten. Dazu gehörten in Niger ausgestellte Ursprungszeugnisse und Pflanzengesundheitszeugnisse. Da Niger keinen Zugang zum Meer hat, können auch rechtmäßige nigrische Exporte durch Nigeria transportiert werden. Die Behörden verlangen deshalb Unterlagen zum Landtransport, darunter Transitgenehmigungen für die Beförderung aus Niger. Importeure teilten Reuters mit, dass ihnen einige dieser Nachweise fehlten und sie diese bei ihren ausländischen Lieferanten angefordert hätten.

Ein betroffener Importeur erklärte, die Lieferanten hätten Niger als Ursprung genannt und alle erforderlichen Dokumente bereitgestellt. Eine eigene Überprüfung in Afrika sei für den Käufer nicht praktikabel gewesen. Laut einem Exporteur aus Dubai erhielten indische Importeure die ersten Schreiben Ende vergangenen Monats und stellten anschließend ihre Käufe von als nigrisch deklarierter Soja ein. Bereits in indischen Häfen eingetroffene oder noch unterwegs befindliche Ladungen könnten festhängen, weil weder Importeure noch Exporteure den Zoll von 45% übernehmen wollen. Die Unterbrechung trifft Indien, nachdem Trockenheit im Anschluss an die Überschwemmungen des Vorjahres die heimische Produktion belastet und die Abhängigkeit von Importen erhöht hat. Reuters zufolge könnte dies Togo und Benin die Chance eröffnen, ihre offiziellen Sojalieferungen nach Indien auszuweiten, sofern Ursprung und Einhaltung der Zollvorschriften nachgewiesen werden.

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