Indien dürfte nach Preisrückgang nur die Hälfte der genehmigten Rohzuckermenge importieren
Indische Zuckerfabriken und Raffinerien dürften höchstens rund 500.000 Tonnen der genehmigten eine Million Tonnen zollfreien Rohzuckers importieren. Ein Rückgang der Fabrikpreise um bis zu 20 % schmälert die Importmargen, während Lagerbestände und ein früher Mahlbeginn die Versorgung während der Festsaison sichern sollen.
Preisrückgang verändert die Importrechnung
Indische Zuckerfabriken und Raffinerien werden voraussichtlich nur etwa die Hälfte der von der Regierung genehmigten eine Million Tonnen zollfreien Rohzuckers importieren. Der starke Rückgang der Inlandspreise hat Auslandskäufe weniger attraktiv gemacht. Laut einem Bericht von Jagran erklärten Branchenvertreter gegenüber Reuters, dass die Einfuhren rund 500.000 Tonnen wohl nicht überschreiten werden.
Die Regierung hatte die Importe im Rahmen eines Zollkontingents erlaubt, nachdem eine steigende Nachfrage zur Festsaison und Rekordpreisanstiege Sorgen über das Gleichgewicht von heimischem Angebot und Verbrauch ausgelöst hatten. Nach der Ankündigung änderte sich die Marktlage jedoch. Kurz vor Raksha Bandhan sanken die Preise ab Fabrik Berichten zufolge um bis zu 20 %. Damit verringerte sich der mögliche Ertrag für Unternehmen, die Rohzucker im Ausland kaufen und in Indien raffinieren.
Lange Lieferzeit erhöht das Margenrisiko
Rahil Shaikh, Geschäftsführer des in Mumbai ansässigen Unternehmens MEIR Commodities India, erklärte, dass Importe in der vorherigen Woche bei steigenden Preisen attraktiv erschienen seien. Der schnelle Rückgang nach Bekanntgabe des Kontingents habe das Interesse der Fabrikbetreiber anschließend gedämpft. Die Importmarge sei nun sehr gering, und es gebe keine Garantie, dass sie bei Ankunft der Ware in etwa zwei Monaten noch bestehe.
Brasilien gilt als wahrscheinlichste Herkunft der genehmigten Menge. Der Zuckertransport von Brasilien nach Indien kann etwa 40 Tage dauern, sodass Käufer bis zur Lieferung weiteren Veränderungen der Inlandspreise ausgesetzt sind. Shaikh und vier weitere Händler internationaler Handelshäuser rechnen deshalb mit tatsächlichen Einfuhren von rund 500.000 Tonnen oder weniger. Ein möglicherweise früherer Beginn der Zuckerrohrverarbeitung in Indien verkürzt zusätzlich das Zeitfenster, in dem importierter Rohzucker rentabel sein könnte.
Bestände sollen die Festsaison abdecken
Jagran bezifferte den durchschnittlichen Großhandelspreis für Zucker am 24. August auf ₹58,29 je Kilogramm und den durchschnittlichen Einzelhandelspreis auf ₹63,05 je Kilogramm. Zuvor hatte der durchschnittliche Einzelhandelspreis etwa ₹67 je Kilogramm erreicht. Neeraj Shirgaonkar, Präsident des indischen Verbands der Zucker- und Bioenergiehersteller, sagte bei einer Pressekonferenz in Delhi, dass der Rückgang auf Fabrikebene innerhalb der folgenden Woche auch die Einzelhandelspreise erreichen könnte.
Indien verfügte Shirgaonkar zufolge am 1. August über Vorräte für etwa dreieinhalb Verbrauchsmonate. Diese Menge reiche aus, um die Verfügbarkeit bis Ende Oktober zu gewährleisten. Die Kombination aus diesen Beständen, einem früheren Beginn der Zuckerrohrverarbeitung und Einfuhren aus Brasilien sollte während der Festsaison im Oktober und November einen Zuckermangel verhindern. Auch das Verbraucherministerium und der Branchenverband erklärten, im Land bestehe kein Mangel.
Kleineres Absatzfenster für globale Anbieter
Für brasilianische Produzenten und internationale Handelshäuser bedeutet die Differenz zwischen dem genehmigten Kontingent und den wahrscheinlichen Käufen eine erhebliche Verringerung der kurzfristigen Absatzchance. Die Genehmigung von einer Million Tonnen eröffnete zwar einen möglichen Zugang zu einem großen Verbrauchsmarkt, doch die wirtschaftliche Entscheidung liegt bei indischen Fabriken und Raffinerien. Ein Kontingent garantiert keine Käufe, wenn die Inlandspreise Fracht, Raffination und Marktrisiko nicht mehr decken.
Die revidierte Prognose erhöht zugleich die Bedeutung des Beginns der indischen Verarbeitungssaison für den Weltmarkt. Starten die heimischen Fabriken früher und bleiben die Inlandspreise unter Druck, könnten weitere Importabschlüsse begrenzt bleiben. Erholen sich die Margen vor Abschluss der Kaufentscheidungen, wären zusätzliche Mengen noch möglich. Die im Bericht genannten Händler erwarten jedoch keine Ankünfte von mehr als ungefähr der Hälfte der genehmigten Menge.
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