Indien erwägt Senkung der Einfuhrzölle auf Speiseöle um rund 5 Punkte vor der Festsaison
Indien prüft eine Senkung des Grundeinfuhrzolls auf Pflanzenöle um rund 5 Prozentpunkte, nachdem die Inlandspreise für Speiseöl binnen eines Jahres um etwa 20 % gestiegen sind. Eine offizielle Entscheidung steht aus; die Regierung wägt Entlastung der Verbraucher gegen das Stützpreisniveau für heimische Sojabohnen ab.
Zollsenkung in der Diskussion, noch keine Entscheidung
Indien erwägt eine Senkung der Einfuhrzölle auf Pflanzenöle, um die Einzelhandelspreise vor der Festsaison zu dämpfen. Das berichten Jagran, ABP Live und Live Hindustan unter Berufung auf Regierungsvertreter. Die Inlandspreise für Speiseöl sind im vergangenen Jahr um rund 20 % gestiegen. Eine offizielle Entscheidung wurde bislang nicht bekannt gegeben.
Diskutiert wird laut Jagran und ABP Live eine Senkung des Grundeinfuhrzolls auf Speiseöle um etwa 5 Prozentpunkte. Von Live Hindustan zitierte Beamte erklärten, ein Schritt in dieser Größenordnung senke die Landekosten importierten Öls und halte die Inlandspreise für Sojabohnen zugleich über dem staatlich festgelegten Stützniveau, was die Einbußen der Ölsaatenerzeuger begrenze.
Festtagsnachfrage trifft auf steigende Inflation
Der Speiseölverbrauch in Indien erreicht zwischen September und November seinen Höhepunkt, wenn Ganesh Chaturthi, Navratri und Diwali die Produktion von Frittiertem, Süßwaren und herzhaften Snacks in Haushalten und Gewerbe antreiben. Jagran verweist darauf, dass die Nachfrage bis in den Dezember reicht, da im November die Hochzeitssaison beginnt. Laut Live Hindustan erwarten Marktteilnehmer anhaltenden Preisdruck über die Fest- und Hochzeitssaison hinweg; ein rascher Rückgang vor dem Eintreffen der neuen Ernte im November gilt als unwahrscheinlich.
Die Maßnahme wird zu einem Zeitpunkt geprüft, an dem die Verbraucherinflation wieder anzieht. Die auf dem Verbraucherpreisindex basierende Einzelhandelsinflation stieg im August auf 4,80 % nach 4,45 % im Juli, berichtet Live Hindustan. Das Blatt führt die Verteuerung im Inland auf hohe Weltmarktpreise, steigende Frachtkosten und eine schwächere Rupie zurück.
Importabhängigkeit und Lieferländer
Indien ist laut Live Hindustan der weltgrößte Importeur von Pflanzenöl. Die Angaben zur Importabhängigkeit gehen auseinander: Live Hindustan nennt rund 60 % des Verbrauchs, Jagran und ABP Live rund 66 %, also zwei Drittel.
- Palmöl: hauptsächlich aus Indonesien und Malaysia
- Sojaöl: laut Jagran aus Argentinien und Brasilien
- Sonnenblumenöl: aus Russland, ABP Live nennt zusätzlich die Ukraine
- Weitere Mengen: Jagran führt Nepal und Thailand als ergänzende Lieferanten an
Wegen dieser Abhängigkeit schlagen Bewegungen an den internationalen Märkten unmittelbar auf die indischen Inlandspreise durch, berichtet Live Hindustan. Nach Angaben von Jagran verfolgt die Regierung in diesem Sektor ein Programm zur Eigenversorgung, um die Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen zu verringern.
Monatliche Importmengen
Die monatlichen Speiseölimporte Indiens liegen laut Live Hindustan üblicherweise zwischen 948.000 Tonnen und 1,6 Millionen Tonnen. Die jüngste Entwicklung:
- Im Juli erreichten die Importe 1,48 Millionen Tonnen nach 1,1 Millionen Tonnen im Juni, ein Plus von rund 35 % binnen eines Monats
- Die Palmölimporte stiegen im Monatsvergleich um 48 %, die Sojaölimporte um 31 %
- Im Jahresvergleich lag das Juli-Volumen 8,3 % unter den 1,61 Millionen Tonnen vom Juli 2025
Präzedenzfall und Grenzen der Zollentlastung
Es wäre nicht die erste Senkung dieses Zyklus. Im Mai 2025 senkte die Regierung den Grundzoll auf rohe Speiseöle von 20 % auf 10 %, darunter rohes Palmöl, rohes Sojaöl und rohes Sonnenblumenöl, berichtet ABP Live.
ABP Live weist zugleich darauf hin, dass niedrigere Zölle nicht automatisch niedrigere Ladenpreise bedeuten. Eine Zollsenkung kann die indische Importnachfrage erhöhen, was die Notierungen für Palm- und Sojaöl an den internationalen Märkten nach oben treiben und einen Teil der beabsichtigten Entlastung aufzehren kann. Den Druck auf die Weltmarktpreise verbindet das Blatt zudem mit Lieferstörungen im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie mit schlechtem Wetter.
Der von allen drei Berichten benannte Zielkonflikt liegt im Inland. Billigeres Importöl drückt die Preise für heimische Sojabohnen und andere Ölsaaten und schmälert die Erlöse der Landwirte. Diese Einschränkung bestimmt den möglichen Umfang der Senkung: Die Behörden wägen die Entlastung der Verbraucher gegen das Stützniveau für heimische Sojabohnen ab.