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Indien baut Kohleförderung, Kraftwerke und Verarbeitung aus

Indien will seine Kohlekraftkapazität bis 2035-2036 von rund 224 GW auf etwa 315 GW und die jährliche Kohleförderung bis 2030 auf 1,58 Milliarden Tonnen erhöhen. Der Ausbau umfasst Untertagebau, Vergasung und Kohlechemie, während ein höheres Inlandsangebot die Importe begrenzen könnte.

Indien baut Kohleförderung, Kraftwerke und Verarbeitung aus

Strombedarf treibt Ausbau der Kohlekraft

Indien bereitet einen breiten Ausbau von Kohleförderung, Kohleverstromung und Weiterverarbeitung vor. Hintergrund sind der steigende Strombedarf und die begrenzte Verfügbarkeit erneuerbarer Energien rund um die Uhr. Aadhar Raj, stellvertretender Sekretär im indischen Energieministerium, sagte auf einer Branchenveranstaltung der Federation of Indian Chambers of Commerce and Industry, Wärmekraft werde noch lange Bestandteil des Energiesystems bleiben. Vorrang hätten zunächst eine verlässliche Versorgung und danach bezahlbare Preise; Energiesicherheit sei Teil der nationalen Sicherheit.

Indien will die Kohlekraftkapazität bis 2035-2036 von rund 224 GW auf etwa 315 GW erhöhen. Laut WNP plant die Regierung zudem, die heimische Kohleförderung bis 2030 auf jährlich 1,58 Milliarden Tonnen zu steigern. Der Kurs steht im Gegensatz zur Dekarbonisierungspolitik der Europäischen Union, folgt aber Indiens Ziel, alle Haushalte rund um die Uhr mit Strom zu versorgen und das Wirtschaftswachstum zu stützen.

Die aktuelle Marktlage zeigt die Bedeutung der Brennstoffversorgung. Vom 1. bis 15. September stieg die Stromerzeugung aus Kohle gegenüber dem Vorjahr um 20% auf 55,9 TWh. Sie wuchs damit schneller als die heimische Förderung, während die Vorräte der Wärmekraftwerke von 29,12 Millionen Tonnen Ende August auf 24,04 Millionen Tonnen am 14. September sanken.

Erholung der Inlandsförderung belastet Importe

Coal India, verantwortlich für rund drei Viertel der nationalen Förderung, produzierte vom 1. bis 15. September 25,98 Millionen Tonnen Kohle und damit 7% mehr als ein Jahr zuvor, wie Argus berichtet. Nachlassende Regenfälle verbesserten in den wichtigsten Revieren die Bedingungen für Förderung, Umschlag und Transport. Im August war Indiens Gesamtproduktion noch um 3,8% gegenüber dem Vorjahr auf 66,87 Millionen Tonnen gefallen.

Mit der Erholung sollen die Lager vor der nachfragestarken Periode von Oktober bis Dezember aufgefüllt werden. Eine bessere Versorgung mit heimischer Kohle könnte angesichts hoher Weltmarktpreise auch das Importinteresse dämpfen. Kpler schätzte Indiens mögliche seeseitige Einfuhren im September auf 12,54 Millionen Tonnen. Laut WNP zogen sich indische Käufer nach dem Monsun jedoch weitgehend zurück, nachdem ein knapperes Angebot die Preise erhöht hatte.

Die Einfuhren von Kraftwerkskohle sanken von April bis Juli um 13% gegenüber dem Vorjahr, von 19,28 Millionen auf 16,83 Millionen Tonnen. Ursache waren geringere Käufe von Kraftwerken, die Importkohle mit heimischem Brennstoff mischen. Die Nachfrage kommt jedoch nicht nur aus der Stromwirtschaft: Der frühere stellvertretende Wirtschaftsminister Jerzy Markowski sagte WNP, eine wachsende indische Stahlproduktion werde auch den Koksverbrauch und damit den Bedarf an Kokskohle erhöhen.

Vergasung und Untertagebau schaffen Ausrüstungsbedarf

Coal India erweitert seine Strategie über die Verbrennung hinaus. Reuters berichtet laut WNP, dass Indien die Kohlevergasung vorantreibt; der staatlich kontrollierte Produzent ist an vier Projekten zur Vergasung und Kohlechemie beteiligt. Dazu gehören Talcher Fertilizers mit einer geplanten Jahreskapazität von 1,27 Millionen Tonnen Harnstoff sowie Bharat Coal Gasification & Chemicals mit 0,66 Millionen Tonnen Ammoniumnitrat pro Jahr.

Die Projekte sollen heimische Kohle nutzen, um einen Teil der importierten Öl- und Gasmengen in der petrochemischen Produktion zu ersetzen. Dünger aus Kohle soll zugleich die Ernährungssicherheit stärken. Bloomberg schätzt die Zahl der Beschäftigten im indischen Kohlebergbau auf etwa 750.000; in mehreren Bundesstaaten ist die Branche damit ein wichtiger Arbeitgeber.

WNP sieht im Untertagebau eine weitere Chance für ausländische Technologieanbieter, da die Möglichkeiten zusätzlicher Tagebaue begrenzter werden. Polnische und indische Unternehmen gründeten Ende vergangenen Jahres die Initiative InfraDeep, um integrierte Lösungen für den Bau von Bergwerken anzubieten. Beteiligt sind Lubelski Węgiel Bogdanka, Patentus, Martech-Plus, Węglokoks und Grupa Powen-Wafapomp. Coal India investiert außerdem in Automatisierung und Bergbau-4.0-Systeme sowie in erneuerbare Energien und Speicher. Das Unternehmen hat bereits rund 550 MW Solarleistung in Betrieb genommen und baut für mehr als 9 Millionen $ ein Zentrum für nachhaltige Energie am Indian Institute of Technology Madras auf.

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