Importzucker deckt 70,4 % des kasachischen Marktes, Branchenziele werden verfehlt
Importzucker erreichte 2025 einen Anteil von 70,4 % am kasachischen Binnenmarkt, während die heimische Produktion 29,6 % des Verbrauchs deckte. Die Wettbewerbsbehörde schlägt den Ausbau der Rohstoff- und Verarbeitungsbasis sowie strengere Kontrollen des Börsenhandels und der Reexporte vor.
Importe dominieren weiterhin den Markt
Importzucker machte 2025 insgesamt 70,4 % des kasachischen Binnenmarktes aus, während die heimische Produktion lediglich 29,6 % des Verbrauchs deckte. Das teilte die kasachische Agentur für Schutz und Entwicklung des Wettbewerbs, kurz AZRK, mit. Die Analyse zeigt, dass die Zuckerindustrie trotz staatlicher Maßnahmen zur Förderung der lokalen Produktion stark von ausländischen Lieferungen abhängig bleibt.
Der größte Teil der Nachfrage wird über zwei Importkanäle gedeckt: kasachische Werke verarbeiten eingeführten Rohrrohzucker, zugleich wird fertiger Zucker importiert. Damit hängt auch ein Teil der im Inland verarbeiteten Produktion von ausländischen Rohstoffen ab. Für Erzeuger, Verarbeiter und Abnehmer ist dieser Unterschied wesentlich, denn inländische Raffineriekapazitäten gewährleisten allein noch keine sichere Rohstoffversorgung.
Rübenernte und Werkskapazitäten passen nicht zusammen
Mehrere Ziele des umfassenden Entwicklungsplans für die Zuckerindustrie 2022–2026 und des agrarpolitischen Entwicklungskonzepts wurden nicht erreicht, berichtete Kazinform unter Berufung auf AZRK. Betroffen sind die Anbaufläche für Zuckerrüben, die Bruttoernte, die Zuckerproduktion und der Selbstversorgungsgrad des Binnenmarktes.
Selbst die Rekordernte bei Zuckerrüben im Jahr 2024 reichte nicht aus, um die Verarbeitungsbetriebe vollständig auszulasten. Nach Angaben von AZRK ist die bestehende Kapazitätsstruktur weiterhin überwiegend auf importierten Rohrrohzucker ausgelegt. Zwischen dem Aufbau einer heimischen Rübenbasis und der Ausrichtung der Verarbeitungsindustrie besteht damit ein Ungleichgewicht. Mehr Rüben allein dürften nicht genügen, wenn die Werke die Ernte nicht effizient aufnehmen können und den Landwirten verlässliche Abnehmer fehlen.
Behörde nimmt Börsenhandel und Reexporte ins Visier
AZRK stellte außerdem Schwächen im bestehenden Modell des Zuckerhandels über Warenbörsen fest. Bei einzelnen einheimischen Herstellern ging eine höhere Produktion nicht mit einem entsprechenden Anstieg der Börsenverkäufe einher. Die Behörde forderte das Ministerium für Handel und Integration auf, die Einhaltung des Warenbörsenrechts strenger zu kontrollieren und gleiche Umlaufbedingungen für einheimischen und importierten Zucker zu schaffen.
Die Analyse ermittelte zudem einzelne Fälle, in denen importierter Zucker anschließend in Drittländer ausgeführt wurde. AZRK hält eine weitere Prüfung dieser Warenströme für erforderlich, weil Reexporte die für den Binnenmarkt verfügbare Menge beeinflussen können. Nach Abschluss der Untersuchung verschickte die Behörde wegen Anzeichen möglicher Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht neun Mitteilungen an Zucker-Großhändler.
Langfristige Verträge sind Teil der Gegenmaßnahmen
AZRK hat den zuständigen staatlichen Stellen Vorschläge zum Ausbau der kasachischen Rohstoffbasis und der Verarbeitungskapazitäten übermittelt. Dazu gehören langfristige Verträge zwischen Zuckerfabriken und Rübenbetrieben, eine strengere Aufsicht über den Börsenhandel, die Überwachung von Reexporten und Maßnahmen zur Verringerung der Importabhängigkeit. Diese Punkte sollen in einen Fahrplan für den Wettbewerb am Zuckermarkt aufgenommen und verantwortlichen Behörden zugewiesen werden.
Die Ergebnisse lenken den Blick auf die Abstimmung der gesamten Lieferkette und nicht allein auf zusätzliche Werkskapazitäten. Um den derzeitigen heimischen Anteil von 29,6 % zu steigern, muss Kasachstan Anbauflächen, Erntemengen, Anlagentechnik, Lieferverträge und Marktaufsicht besser miteinander verzahnen. Bis dahin werden importierter Rohrrohzucker und fertiger Zucker für die Versorgung des Landes zentral bleiben.
Vollständige Marktanalyse