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EU-Rechnungshof: Illegale Zigarettenfabriken produzieren in der EU und ziehen alle zwei bis vier Monate um

Ein neuer Bericht des Europäischen Rechnungshofs zeigt, dass die organisierte Kriminalität die Zigarettenproduktion in die EU verlagert hat. Die kompakten Anlagen arbeiten nur zwei bis vier Monate am selben Ort. In Belgien wurden 2023 bis 2024 zwischen 81 und 100 illegale Produktionsstätten entdeckt, EU-weit der höchste Wert.

EU-Rechnungshof: Illegale Zigarettenfabriken produzieren in der EU und ziehen alle zwei bis vier Monate um

Organisierte kriminelle Gruppen, die Europa mit illegalem Tabak versorgen, haben den Schmuggel über weite Strecken weitgehend aufgegeben und die Produktion in die Europäische Union verlagert. Das geht aus einem neuen Bericht des Europäischen Rechnungshofs hervor, den euronews.rs zusammenfasst. Die Verlagerung entzieht einem Kontrollmodell die Grundlage, das auf das Abfangen von Sendungen an den EU-Außengrenzen ausgelegt ist.

Jahrelang beruhte die europäische Strategie auf einer Annahme: Schmuggelzigaretten werden außerhalb der EU hergestellt, überqueren eine Grenze und gelangen erst dann auf den Binnenmarkt. Die Prüfer stellen fest, dass sich das Geschäftsmodell der Kriminellen geändert hat, die europäische Antwort sich aber nicht schnell genug angepasst hat. Die Anstrengungen bleiben fragmentiert, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weist erhebliche Lücken auf, und verlässliche Daten zur tatsächlichen Größe des illegalen Marktes fehlen nach wie vor.

Kleinere Anlagen dicht am Verbraucher

Statt große Mengen fertiger Zigaretten aus Drittstaaten zu transportieren, errichten die Netzwerke kleinere und flexiblere Produktionseinheiten in der Nähe der Märkte, die sie beliefern wollen. Laut euronews.rs handelt es sich längst nicht mehr um improvisierte Werkstätten. Die Standorte verfügen über moderne Maschinen, spezialisiertes Personal, leistungsstarke Stromaggregate, Videoüberwachung und professionelle Schalldämmung.

Die Anlagen können 24 Stunden am Tag laufen und verteilen die Produktionsschritte häufig auf mehrere getrennte Objekte, damit eine einzelne Razzia nicht das gesamte Netzwerk zerschlägt. Ihre Lebensdauer beträgt teils nur zwei bis vier Monate: Sie werden aufgebaut, produzieren Millionen Zigaretten und ziehen weiter, bevor die Behörden die Lieferkette überhaupt kartieren können.

Belgien führt bei den Funden

Die im europäischen Bericht zitierten Zahlen setzen Belgien im Zeitraum 2023 bis 2024 an die EU-Spitze bei entdeckten illegalen Produktionsstätten:

  • Belgien: 81 bis 100 Standorte
  • Polen: 61 bis 80 Standorte
  • Deutschland: 21 bis 40 Standorte

Ein Fall in Spanien aus dem Jahr 2023 zeigt die Größenordnung. Die Behörden beschlagnahmten rund drei Millionen Packungen gefälschter Zigaretten in einer Operation, die mit einem in sechs weiteren Ländern aktiven kriminellen Netzwerk in Verbindung stand. Weil die Produktion verteilt ist, stoppt die Schließung eines Standorts den Ausstoß nicht zwangsläufig, da andere Arbeitsschritte anderswo weiterlaufen.

Kürzere Ketten nach der Verlagerung aus der Ukraine

Parallel dazu hat eine Untersuchung des Rates der EU ergeben, dass kriminelle Netzwerke einen Teil der Produktion aus der Ukraine in die Union verlegt haben. Die Rechnung ist einfach: kürzere Lieferkette, weniger Grenzen, deutlich geringeres Beschlagnahmerisiko und schnellerer Zugang zum Endverbraucher. Die Fertigung innerhalb der Union erspart zudem den Transport sperriger Fertigware durch Zollstellen, wo die Kontrollressourcen traditionell gebündelt sind.

Ein Markt, dessen Größe niemand genau kennt

Die Europäische Kommission schätzte, dass illegale Produkte 2023 rund 8,8 Prozent des gesamten Zigarettenkonsums in der EU ausmachten. Neben klassischen Zigaretten wird der illegale Markt für andere Tabakerzeugnisse auf 21.000 Tonnen beziffert. Dass sich das wahre Ausmaß kaum berechnen lässt, ist einer der zentralen Kritikpunkte der Prüfer, denn Prioritäten und Mittel der Kontrolle hängen von Zahlen ab, die unsicher bleiben.

Die kriminellen Gruppen folgen zugleich den veränderten Konsumgewohnheiten. Sie beschränken sich nicht mehr auf herkömmliche Zigaretten, sondern weiten ihr Geschäft rasch auf Tabakerhitzer und Liquids für elektronische Zigaretten aus. Diese neueren Produkte stehen bereits für etwa 13 Prozent des Werts des gesamten legalen Tabakmarktes der EU.

Das Ergebnis ist ein dauerndes Katz-und-Maus-Spiel. Je stärker die europäischen Behörden die Kontrollen an den Außengrenzen verschärfen, desto konsequenter verringern die Netzwerke ihren Bedarf, diese Grenzen überhaupt zu überqueren. Die illegale Zigarette in Europa muss nicht mehr von weit her kommen; immer häufiger entsteht sie wenige Kilometer von dem Verbraucher entfernt, an den sie verkauft wird.

Vollständige Marktanalyse

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