IEA: Vorräte kritischer Mineralien können Lieferausfälle bei steigenden Preisen abfedern
Die Preise kritischer Mineralien erholten sich 2025 und Anfang 2026 infolge knapperer Versorgung, neuer Exportkontrollen und hoher Nachfrage. Laut IEA würde die Bevorratung von 11 Hochrisikomaterialien außerhalb des dominierenden Lieferlandes jährlich weniger als 900 Millionen $ kosten.
Preise erholen sich nach zweijährigem Rückgang
Die Preise kritischer Mineralien sind 2025 und Anfang 2026 nach Rückgängen in den Vorjahren wieder gestiegen, berichtet die Internationale Energieagentur in ihrem Global Critical Minerals Outlook 2026. Basismetalle wie Aluminium, Kupfer und Zinn verteuerten sich zwischen Januar 2025 und April 2026 um ein Drittel; Kupfer erreichte Rekordstände. Auch Batteriematerialien erholten sich nach ihrem Abschwung 2023 und 2024. Der Lithiumpreis hat sich aufgrund der starken Nachfrage aus der Energiespeicherung und eines knappen Angebots mehr als verdoppelt. Kobalt verteuerte sich um rund 130%, hauptsächlich wegen der Exportbeschränkungen der Demokratischen Republik Kongo.
Die Preise kleinerer strategischer Mineralmärkte waren bereits 2024 gestiegen und setzten ihren Anstieg bis Anfang 2026 fort. Die IEA führt dies auf neue Exportkontrollen und eine robuste Nachfrage aus Energieversorgung, Hochtechnologie, künstlicher Intelligenz, Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung zurück. Chinas im April 2025 eingeführte Exportkontrollen für sieben schwere Seltene Erden belasteten nachgelagerte Hersteller. Einige Automobilproduzenten mussten ihre Kapazitätsauslastung reduzieren oder den Betrieb vorübergehend einstellen.
Vorräte schaffen einen kurzfristigen Industriepuffer
Strategische Bestände können laut IEA die industrielle Tätigkeit bei akuten Lieferunterbrechungen schützen, obwohl sich Mineral- und Ölmärkte erheblich unterscheiden. Für die 11 von der Agentur untersuchten Hochrisikomaterialien würden die jährlichen Nettokosten der Lagerhaltung in Ländern außerhalb des dominierenden Lieferanten weniger als 900 Millionen $ betragen. Gemessen an den potenziell schweren wirtschaftlichen Folgen eines Lieferausfalls stuft die IEA diese Ausgaben als begrenzt ein.
Zu den besonders gefährdeten Materialien gehören Gallium, magnetische Seltene Erden, Yttrium, Graphit, Wolfram, Tellur, Kobalt und Germanium. Ursache sind die konzentrierte Versorgung, begrenzte Ersatzmöglichkeiten und die Bedeutung für zahlreiche Industriezweige. Reserven sollten nach Ansicht der IEA die Geschäftskontinuität in kurzfristigen Notlagen sichern und nicht zur Preissteuerung dienen. Transparente Freigaberegeln können Marktverzerrungen verhindern und die Investitionssignale für neue Bergbau-, Verarbeitungs- und Recyclingkapazitäten erhalten.
Investitionen sinken trotz höherer Preise
Die Preiserholung hat bislang keinen breiten Investitionsaufschwung ausgelöst. Die Investitionen in kritische Mineralien gingen 2025 um 9% zurück und beendeten damit eine mehrjährige Wachstumsphase. Die Kapitalausgaben für Batteriemetalle sanken um mehr als 20% und damit so stark wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Lithiumunternehmen kürzten ihre Investitionen um rund 40%, während kupferorientierte Unternehmen ihre Ausgaben um 8% erhöhten. Die Explorationsausgaben fielen um mehr als 10%, darunter jeweils um rund 45% bei Lithium und Nickel. Bei Kupfer blieben sie stabil.
Für Importeure ist diese Entwicklung entscheidend, weil Vorräte nur vorübergehende Ausfälle überbrücken und eine diversifizierte Förderung und Verarbeitung nicht ersetzen können. Die IEA verweist auf die Risiken konzentrierter Raffineriekapazitäten und zunehmender Handelsbeschränkungen. Der Konflikt im Nahen Osten verschärfte die Lage durch die Schließung der Straße von Hormus und beeinträchtigte die Ströme von Aluminium, Schwefel und Helium. Die Region liefert rund 8% des weltweiten Aluminiums und ein Viertel des Schwefels; zugleich führt die Hälfte des seewärtigen Schwefelhandels durch die Meerenge. China beschränkte daraufhin im Mai 2026 die Ausfuhr von Schwefelsäure, wodurch die Verarbeitungskosten für Kupfer, Lithium, Kobalt, Nickel und Seltene Erden stiegen. Strategische Bestände verschaffen Käufern Zeit für alternative Verträge. Dauerhafte Sicherheit erfordert jedoch neue Lieferanten, Raffineriekapazitäten, Recycling und Substitution.