IEA hebt Kohleprognose für 2026 an: Nachfrage steigt auf Rekord von 8,94 Milliarden Tonnen
Die Internationale Energieagentur hat ihre Kohleprognose für 2026 angehoben und erwartet einen Nachfrageanstieg von 1,2 Prozent auf einen Rekordwert von 8,94 Milliarden Tonnen. Höhere Gaspreise, eingeschränkte LNG-Ströme durch die Straße von Hormuz und ein starker El Nino treiben den Wechsel von Gas zu Kohle. Newcastle-Kesselkohle kostete im Juni im Schnitt 139 Dollar je Tonne, im August rund 131 Dollar.
Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognose für den weltweiten Kohlemarkt 2026 angehoben: Die Nachfrage soll um 1,2 Prozent auf einen Rekordwert von 8,94 Milliarden Tonnen steigen. Die Einschätzung stammt aus dem Bericht Coal Mid-Year Update 2026 der Agentur, über den das polnische Branchenportal wnp.pl und das Wirtschaftsmedium money.pl berichteten.
Nach Angaben der IEA ist die Aufwärtsrevision vor allem auf den Konflikt im Nahen Osten, höhere Erdgaspreise und Wetterfaktoren zurückzuführen. money.pl verbindet die Störungen an den Energiemärkten mit dem Krieg, den die USA und Israel im Februar gegen den Iran begonnen haben.
Wechsel von Gas zu Kohle kehrt zurück
Eingeschränkte LNG-Ströme durch die Straße von Hormuz haben die Gaspreise nach oben getrieben und die Wirtschaftlichkeit der Kohleverstromung verbessert, so die IEA. Das daraus folgende Gas-to-Coal-Switching zeigt sich in Japan, Südkorea, China und Europa, wo einzelne Stromerzeuger Kohleblöcke stärker fahren und Gasanlagen zurücknehmen. Ausschlaggebend sind die relativen Brennstoffkosten, nicht eine Änderung der Energiepolitik.
Ein starker El Nino wirkt als zweiter Treiber. Die Agentur erwartet, dass er den Strombedarf für Kühlung erhöht und die Wasserkrafterzeugung in asiatischen Ländern dämpft, insbesondere in Indien und Vietnam, wo Wasserkraft in der Regenzeit üblicherweise thermische Erzeugung verdrängt.
Förderung sinkt, Handel wächst
Trotz Rekordverbrauch soll die weltweite Kohleförderung 2026 um rund 2 Prozent zurückgehen. Dennoch erwartet die IEA, dass die Produktion über 9 Milliarden Tonnen bleibt, das dritte Jahr in Folge oberhalb dieser Marke.
Der Handel entwickelt sich gegenläufig. Höhere Gaspreise haben die Nachfrage nach Importkohle in Ländern erhöht, die auf ausländische Lieferungen angewiesen sind, vor allem in Japan und Südkorea. In China stieg nach einem Grubenunglück und dem daraus folgenden Rückgang des heimischen Angebots der Zukauf von Kokskohle am internationalen Markt. Die Agentur hat ihre Prognose für den globalen Kohlehandel deshalb angehoben, am deutlichsten im Segment Kesselkohle.
- Weltnachfrage 2026: plus 1,2 Prozent auf 8,94 Milliarden Tonnen
- Weltförderung 2026: minus rund 2 Prozent, weiterhin über 9 Milliarden Tonnen
- Importnachfrage: steigend in Japan und Südkorea; chinesische Kokskohlekäufe nach einem Grubenunglück erhöht
- Handelsprognose: angehoben, getragen von Kesselkohle
Newcastle erholt sich auf 139 Dollar
Der Markt durchlief 2026 eine deutliche Preiserholung. Der Referenzpreis für Kesselkohle Newcastle FOB stieg bereits im Februar auf 115 Dollar je Tonne, lag im Juni im Durchschnitt bei 139 Dollar je Tonne und notierte im August bei rund 131 Dollar je Tonne.
Neben dem teureren Erdgas nennt die IEA weitere stützende Faktoren: Exportbeschränkungen und regulatorische Unsicherheit in Indonesien, Sicherheitskontrollen in chinesischen Bergwerken sowie Produktionsstörungen in der Mine Cerrejon in Kolumbien. Trotz des Anstiegs liegen die Preise weit unter den Höchstständen der Energiekrise von 2022, als der Referenzwert 400 Dollar je Tonne überschritt.
2027 hängt an Hormuz
Die Aussichten für 2027 bezeichnet die Agentur als außergewöhnlich unsicher und führt sie auf eine einzige Variable zurück: den LNG-Transport durch die Straße von Hormuz.
Kehrt der Verkehr auf normale Niveaus zurück, dürfte die weltweite Kohlenachfrage laut IEA um 0,4 Prozent auf 8,91 Milliarden Tonnen fallen, und der internationale Handel würde erneut schrumpfen. Halten die Einschränkungen der Gasversorgung dagegen an, könnten höhere Gaspreise den Anstieg des Kohleeinsatzes stützen und die Nachfrage weiter erhöhen. In beiden Szenarien entscheidet eine Schifffahrtsroute über die Richtung des Marktes, nicht die Fundamentaldaten der Kohle.