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Hackschnitzelpreise in Österreich über 200 Euro je Tonne, Pellets rund 30 Prozent teurer

Die Preise für Sägehackschnitzel in Österreich sind von rund 115 bis 135 Euro je Tonne atro ab Sägewerk Ende 2025 auf Preisforderungen von über 200 Euro gestiegen, wie Marktdaten der Bioraffinerie AustroCel Hallein zeigen. Bei 320.000 Tonnen atro Jahresverbrauch bedeuten 10 Euro je Tonne rund 3,2 Millionen Euro Mehrkosten. Die Arbeiterkammer Salzburg beziffert den Anstieg der Pelletpreise auf rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Hackschnitzelpreise in Österreich über 200 Euro je Tonne, Pellets rund 30 Prozent teurer

Hackschnitzel in weniger als einem Jahr über 50 Prozent teurer

Die Preise für Sägehackschnitzel in Österreich steigen seit dem zweiten Halbjahr 2025 stark. Von AustroCel Hallein zitierte Marktberichte wiesen für Ende 2025 noch Preisniveaus von rund 115 bis 135 Euro je Tonne atro ab Sägewerk aus. Im zweiten Quartal 2026 wurden bereits Preise von bis zu 155 Euro je Tonne atro ab Sägewerk berichtet. Aktuelle Marktinformationen von AustroCel zeigen inzwischen Preisforderungen von über 200 Euro je Tonne atro (BDMT) ab Sägewerk. Das Unternehmen beruft sich auf Marktberichte des Holzkurier vom November 2025 und April/Mai 2026 sowie auf eigene aktuelle Marktdaten.

Sägehackschnitzel und andere Sägenebenprodukte sind seit Jahrzehnten wichtige Rohstoffe für Zellstoff, Papier und Holzwerkstoffe. AustroCel sieht in der Preisentwicklung ein Zeichen dafür, dass sich die Nutzungskonkurrenz um Holz verschärft, weil mehrere stoffliche und energetische Anwendungen gleichzeitig auf dieselben Mengen zugreifen.

Jede 10 Euro je Tonne kosten den Standort 3,2 Millionen Euro

AustroCel verarbeitet am Standort Hallein jährlich rund 320.000 Tonnen atro Holz. Bei dieser Menge bedeutet jede dauerhafte Erhöhung des durchschnittlichen Holzpreises um 10 Euro je Tonne rund 3,2 Millionen Euro zusätzliche Kosten pro Jahr. Ein Anstieg um 50 Euro je Tonne entspricht rechnerisch 16 Millionen Euro jährlich, sofern die gesamte Holzmenge betroffen ist. Zum Vergleich: Das Unternehmen erzielte 2025 einen Jahresumsatz von 155 Millionen Euro, beschäftigt 347 Mitarbeitende und verfügt über eine Produktionskapazität von bis zu 160.000 Tonnen Zellulose pro Jahr.

„Wir verkaufen unsere Produkte auf internationalen Märkten. Regional stark steigende Rohstoffkosten können wir nicht einfach an unsere Kunden weitergeben“, sagt AustroCel-Geschäftsführer Wolfram Kalt. „Wenn sich die mitteleuropäischen Holzpreise dauerhaft vom internationalen Wettbewerbsniveau entkoppeln, wird aus einer Rohstofffrage eine Standortfrage.“

Am Standort Hallein produziert AustroCel Viskosezellstoff, Bioethanol und Biogas sowie Strom und Fernwärme für den Eigenbedarf und die Region. Zusätzlich entwickelt und produziert das Unternehmen Zelluloseprodukte für nichttextile industrielle Anwendungen, unter anderem für Pharmaindustrie, Lebensmittelbranche und Bausektor; im Juli 2025 startete der Pilotbetrieb eines Hydrogel-Granulates zur Verbesserung der Wasserspeicherfähigkeit von Böden. AustroCel kann mit Strom und/oder Fernwärme bis zu 30.000 Haushalte versorgen, die Bioethanolkapazität entspricht rechnerisch nahezu 1 Prozent des österreichischen Benzinkraftstoffbedarfs. Seit Januar 2026 gehört das Unternehmen zur japanischen Oji Group.

Heizpellets bringen die Konsumentenebene ins Spiel

Die Knappheit erreicht die Haushalte über Heizpellets, deren Preise seit Wochen stetig steigen; ein Ende dieses Trends ist nicht absehbar. Die Arbeiterkammer Salzburg thematisiert den rund 30-prozentigen Anstieg der Pelletpreise gegenüber dem Vorjahr und fordert eine Überprüfung der Preisentwicklung, politische Maßnahmen sowie einen Preisdeckel. AustroCel bewertet diese Vorwürfe nicht, sieht darin aber einen weiteren Grund für größtmögliche Transparenz über Rohstoffströme, Preisbildung und die Wirkung öffentlicher Förderungen.

Die Allokationsregeln rücken in den Mittelpunkt

Auch auf europäischer Ebene gewinnt die Frage an Bedeutung. Ein Anfang September bekannt gewordener Entwurf der Folgenabschätzung für den künftigen europäischen Erneuerbaren-Rahmen („RED IV“) weist auf die begrenzte Verfügbarkeit forstlicher Biomasse und eine teilweise suboptimale Allokation knapper Biomasseressourcen hin. Der Entwurf thematisiert zudem mögliche Fehlanreize für energetisch geringwertige Nutzungen hochwertiger Rohstoffe. AustroCel formuliert drei Grundsätze.

  • Holz, das hochwertig stofflich genutzt werden kann, sollte grundsätzlich zunächst stofflich genutzt werden.
  • Sägenebenprodukte dürfen nicht allein deshalb als bevorzugter Energierohstoff behandelt werden, weil sie als „sekundäre Biomasse“ oder „Reststoffe“ klassifiziert werden; entscheidend ist ihre tatsächliche stoffliche Verwertbarkeit.
  • Förderungen und regulatorische Vereinfachungen sollten tatsächlich zusätzliche und bislang ungenutzte Biomasse mobilisieren und keine Rohstoffe aus bestehenden industriellen Wertschöpfungsketten abziehen.

Das Unternehmen warnt davor, daraus einen Konflikt zwischen Industrie und Bioenergie zu machen: Bioenergie sei ein wichtiger Bestandteil eines erneuerbaren Energiesystems, entscheidend sei die effiziente Nutzung des Rohstoffs – stofflich, wo möglich, energetisch am Ende der Kaskade. Österreich will gleichzeitig Holzbau, Bioökonomie, Zellstoff und Papier, erneuerbare Wärme und Versorgungssicherheit stärken, alle Ziele greifen aber auf dieselbe begrenzte Rohstoffbasis zu. „Wir dürfen dieselbe Tonne Holz nicht politisch mehrfach verplanen. Österreich braucht keine Diskussion Industrie gegen Energie, sondern Transparenz über die verfügbaren Mengen und eine intelligente Allokation seiner begrenzten Holzressourcen“, so Kalt.

Vollständige Marktanalyse

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