Berliner Händler HMS baut Kohlegeschäft zwischen Afrika und Asien aus
HMS erweitert den Handel mit Kohle und Industrierohstoffen zwischen Afrika und Asien, während Deutschland bis 2038 aus der Kohle aussteigen will. Der Umsatz lag 2025 bei mehr als 1,2 Milliarden Euro; für dieses Jahr peilt das Unternehmen 2 Milliarden Euro an.
Berliner Standort, asiatische Kunden
Deutschland will bis 2038 aus der Kohle aussteigen, doch ein Berliner Rohstoffhändler baut sein Geschäft mit der Nachfrage in Indien und Südostasien aus. HMS beschafft laut taz Kohle unter anderem in Indonesien und transportiert sie auf gecharterten Frachtern zu Abnehmern wie indischen Käufern. In Deutschland und dem übrigen Europa macht das Unternehmen praktisch kein Geschäft.
HMS besitzt keine eigenen Schiffe. Vorstandschef Dennis Schwindt sagte der taz, das Unternehmen übernehme die Ware üblicherweise nach der Verladung und übergebe sie dem Käufer bei der Ankunft im Zielhafen. Das Modell beruht auf Kauf und Weiterverkauf mit kleiner Marge, nicht auf eigener Logistik oder Spekulation. Ein durchschnittliches Schiff befördert laut Finanzvorstand Jens Moir rund 50.000 Tonnen Kohle.
Die Wurzeln des Unternehmens liegen in der Außenhandelserfahrung des Gründers Heinz Schernikau. Er gründete HMS 1995 gemeinsam mit seiner Frau; das Kürzel steht für Heinz und Michaela Schernikau. Anfangs importierte die Firma Kohle nach Deutschland, doch große heimische Verbraucher verfügten bereits über eigene Einkaufsabteilungen. HMS verlagerte sich deshalb auf internationale Märkte, vor allem auf die wachsenden Volkswirtschaften Südostasiens und Indien. Seit 2008 ist das Unternehmen börsennotiert.
Umsatz wächst, Sortiment wird breiter
Der Umsatz von HMS stieg laut taz von 215 Millionen Euro im Jahr 2019 auf mehr als 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2025. Für dieses Jahr strebt das Unternehmen die Marke von 2 Milliarden Euro an. Weltweit beschäftigt es rund 100 Menschen und konkurriert mit wesentlich größeren Rohstoffkonzernen wie Glencore aus der Schweiz und Trafigura aus Singapur.
Zum Kundenkreis gehören inzwischen große staatliche Organisationen, darunter Stromversorger und das Militär in Vietnam. Die Nachfrage entsteht nicht nur in der Stromerzeugung, sondern auch in der Industrie. Wachsende asiatische Volkswirtschaften benötigten große Mengen Stahl und Zement, sagte Moir. In diesen Branchen dient Kohle sowohl als Brennstoff als auch als Produktionsmittel.
Neben Kohle handelt HMS mit Eisenerz, Mangan und gelegentlich Zement. Seit der zweiten Jahreshälfte 2025 vertreibt das Unternehmen zudem Schiffstreibstoff und Schmierstoffe in den großen Häfen Shanghai, Singapur und Dubai. Damit ist HMS sowohl an der Nachfrage der Schifffahrt als auch an den zugrunde liegenden Massengutströmen beteiligt.
Afrikanische Minen und ein globaler Rekordmarkt
HMS besitzt außerdem zwei Kohleminen, eine in Botswana und eine in Südafrika. Die Förderung begann in diesem Jahr; die Kohle ist für Industriekunden und nicht für die Stromerzeugung oder den deutschen Markt bestimmt. Die Minen verbinden afrikanisches Angebot direkt mit dem bestehenden Kundenstamm des Unternehmens in asiatischen Wachstumsmärkten.
Die Expansion erfolgt in einem Weltmarkt, der deutlich größer bleibt, als Europas Ausstiegspläne vermuten lassen. Unter Berufung auf Zahlen des Vereins der Kohleimporteure berichtete die taz, dass die weltweite Kohleförderung 2025 mit rund 8,5 Milliarden Tonnen einen Rekord erreichte. China förderte mehr als die Hälfte davon für den Eigenbedarf; mit großem Abstand folgten Indien und Indonesien.
International gehandelt wurden nur etwas mehr als 1,3 Milliarden Tonnen, während Deutschland etwa 27,4 Millionen Tonnen erhielt. Die Zahlen zeigen den Unterschied zwischen der Gesamtförderung und dem für Händler zugänglichen Seemarkt. Für HMS hängt das Wachstum vor allem von verlässlichen Lieferungen in diesem kleineren internationalen Segment ab. Nach Angaben des Managements hat das Unternehmen in seiner 31-jährigen Geschichte stets geliefert. Das ist entscheidend, um Kunden in einem von deutlich größeren Konkurrenten geprägten Markt zu halten.