Heineken will Brauerei in Vietnam zur größten Asiens ausbauen
Heineken will seine Brauerei in Vung Tau zur größten Bierproduktionsstätte Asiens ausbauen. Das Vorhaben begleitet die Verlagerung regionaler Produktion nach Vietnam und Malaysia sowie den Vorstoß in Vietnams Massenmarkt.
Vietnam rückt ins Zentrum der Asien-Strategie
Heineken will seine Brauerei in Vung Tau im Süden Vietnams erweitern und zur größten Brauerei Asiens machen, wie aus einem Bericht unter Berufung auf Nikkei Asia hervorgeht. Schon heute ist sie die größte Produktionsstätte des Konzerns in Vietnam. Angaben zur aktuellen Kapazität, zum geplanten zusätzlichen Volumen und zum Fertigstellungstermin machte das Unternehmen nicht.
Vietnam gehört zu den 17 Schwerpunktmärkten der mittelfristigen Heineken-Strategie bis 2030. Jacco van der Linden, Präsident von Heineken für den asiatisch-pazifischen Raum, bezeichnete das Land als einen der attraktivsten Biermärkte der Welt. Als Vorteile nannte er die Marktgröße, den vergleichsweise hohen Pro-Kopf-Verbrauch, gut ausgebildete Industriearbeitskräfte, ein stabiles Geschäftsumfeld und berechenbare politische Rahmenbedingungen.
Heineken trat 1991 in den vietnamesischen Markt ein und hat dort rund 1 Milliarde $ investiert. Für die kommenden 5-10 Jahre sind weitere 500 Millionen $ zugesagt. Malaysia und Indonesien zählen ebenfalls zu den Schwerpunktmärkten, doch Vietnam besitzt laut van der Linden einen deutlich größeren Markt und einen höheren Bierverbrauch je Einwohner.
Expansion über das Premiumsegment hinaus
Mit Heineken und Tiger hat sich der Konzern im vietnamesischen Premiumsegment fest etabliert. Das nächste Wachstumsziel ist der breite Biermarkt, für den das Unternehmen die lokalen Marken Larue und Bivina in sein Portfolio aufgenommen hat. Van der Linden will die Position von Heineken Vietnam in diesem Segment erheblich stärken.
Damit tritt Heineken direkter gegen etablierte einheimische Brauer an. Sabeco verkauft Bia Saigon, Habeco produziert Bia Hanoi. Heineken setzt auf an den lokalen Geschmack angepasste Produkte, sein Vertriebsnetz und die Umsetzungskraft im Markt. Diesen Ansatz zeigen auch Tiger Crystal und Heineken Silver, zwei in Asien entwickelte Biere mit leichterem und weniger bitterem Geschmack.
Die Konsumgewohnheiten bestimmen die Produktstrategie mit. In vielen asiatischen Märkten wird Bier üblicherweise zum Essen und nicht als eigenständiges Getränk konsumiert. Heineken hält daher regionale Produktentwicklung und Nähe zum Verbraucher für nötig, statt westliche Produkte unverändert auf Asien zu übertragen.
Produktion wird aus Singapur verlagert
Der Ausbau in Vung Tau ist Teil einer umfassenderen Neuordnung des asiatischen Produktionsnetzes. Im März kündigte Heineken an, die Herstellung von Tiger-Bier im Werk Singapur einzustellen und nach Vietnam sowie Malaysia zu verlagern. Van der Linden begründete dies vor allem wirtschaftlich: Die langjährig betriebene Anlage in Singapur benötigte hohe Investitionen und war bei den Kosten weniger wettbewerbsfähig als andere Werke der Region. Singapur behält eine Rolle bei der Führung der Marke Tiger.
Die Verlagerung stärkt Vietnam sowohl als Absatzmarkt als auch als regionale Produktionsbasis. Eine größere Brauskala kann die Stückkosten senken und mehrere Marken versorgen. Heineken hat jedoch nicht erläutert, wie viel der künftigen Produktion aus Vung Tau für Vietnam und wie viel für andere asiatische Märkte bestimmt ist. Der Kapazitätsausbau und der Vorstoß in niedrigere Preissegmente verschärfen zugleich den Wettbewerb für vietnamesische Brauer.
Indien bietet langfristiges Potenzial
Auch Indien gilt für Heineken als langfristige Wachstumschance. Dort liegt der Bierverbrauch bei rund 2 Litern pro Kopf und Jahr und damit deutlich unter dem Niveau Vietnams. Jüngere Verbraucher zeigen jedoch mehr Interesse an maßvollem Konsum und könnten von Spirituosen zu Bier wechseln. Japan gehört trotz seiner Stellung als einer der größten Biermärkte der Welt nicht zu den Prioritäten, weil Heineken angesichts starker einheimischer Produzenten kaum Chancen auf Platz eins oder zwei sieht. Der asiatisch-pazifische Raum gewinnt damit für Wachstum, Produktentwicklung und Produktion des Konzerns an Gewicht, wobei Vietnam eine zentrale Rolle einnimmt.