Harnstoff wird billiger, während Russland EU-Marktanteile bei Düngern verliert
Harnstoff fiel auf 386 $ je Tonne, nachdem China seine Ausfuhren wieder aufgenommen hatte und die Hoffnung auf eine sicherere Passage durch die Straße von Hormus zunahm. Russlands Düngemittellieferungen in die EU brachen im ersten Halbjahr 2026 ein, während Schwefel und Phosphate teuer blieben.
Harnstoff gibt gegenüber dem April-Hoch nach
Der Weltmarktpreis für Harnstoff sank am 11. August auf 386 $ je Tonne, ein Minus von 3,5 % in einer Sitzung und von mehr als 7 % innerhalb eines Monats, wie top agrar berichtet. Damit liegt der Preis rund 23 % unter dem im April erreichten Niveau von mehr als 500 $ je Tonne, als geringere Lieferungen aus der Golfregion einen starken Anstieg auslösten. Chinas Wiederaufnahme der Harnstoffausfuhren im Rahmen der Quoten für Juni bis August erhöhte den Preisdruck. Fortschritte in den iranisch-omanischen Gesprächen dämpften zugleich die Sorge um Transporte durch die Straße von Hormus.
Iran und Oman haben die Koordinaten für eine geplante sichere Schifffahrtsroute durch die Meerenge vereinbart. Unter normalen Bedingungen passieren rund 20 % des weltweiten seeseitigen Düngemittelhandels die Straße von Hormus, darunter Harnstoff, Ammoniak und Schwefel. Nach Schätzung von CF Industries hat der Konflikt das Angebot um etwa 4–4,5 Millionen Tonnen Harnstoff und 1 Million Tonnen Ammoniak verringert. Störungen bei Schwefellieferungen haben zudem die Phosphatdüngerproduktion begrenzt. Transitverfahren, Versicherungslösungen und der Eröffnungstermin sind jedoch noch offen; beschädigte Hafenanlagen könnten eine tatsächliche Erholung des Verkehrs verzögern. Die nächste große indische Ausschreibung und die weitere Entwicklung rund um Hormus werden darüber entscheiden, ob die Harnstoffkorrektur anhält.
Russische Verkäufe in die EU schrumpfen
Russlands Düngemittelausfuhren in die Europäische Union sanken im ersten Halbjahr 2026 wertmäßig auf ein 3,9-tel beziehungsweise auf 297,9 Millionen €, wie von Vedomosti unter Berufung auf RIA Novosti zitierte Daten zeigen. Auf Mehrnährstoffdünger entfielen 142,7 Millionen €, auf Kalidünger 111,9 Millionen € und auf Stickstoffdünger 42,9 Millionen €. Allein im Juni importierte die EU russischen Dünger für 93,97 Millionen €, 3,5-mal weniger als ein Jahr zuvor, aber 60 % mehr als im Mai. Slowenien war mit 29,5 Millionen € der größte Käufer, gefolgt von Deutschland mit 12,45 Millionen €, Bulgarien mit 12,44 Millionen € und Polen mit 10,2 Millionen €.
Polnische Handelsdaten zeigen den Lieferantenwechsel genauer. Nach dem Rekordimport von 4,89 Millionen Tonnen Mineraldünger im Jahr 2025 sanken die Lieferungen von Januar bis Juni 2026 auf 1,68 Millionen Tonnen, gegenüber 2,86 Millionen Tonnen im Vorjahreszeitraum. Deutschland wurde mit 459.000 Tonnen Polens größter Lieferant, während die russischen Mengen von 1,23 Millionen auf 261.100 Tonnen einbrachen. Polen exportierte im ersten Halbjahr 1,38 Millionen Tonnen Dünger, 16,8 % weniger als im Rekordzeitraum 2025. Die Ukraine blieb mit 364.000 Tonnen der wichtigste Abnehmer.
Phosphatkosten bleiben hoch
Die bessere Versorgungslage bei Harnstoff erfasst nicht den gesamten Düngemittelmarkt. Mosaic vereinbarte über Verträge mit Raffinerien an der US-Golfküste für das dritte Quartal Kosten von 705 $ je Tonne Flüssigschwefel, während Spotpreise über 800 $ je Tonne lagen. Das Unternehmen erwartet für DAP einen realisierten Preis von 820–840 $ je Tonne und will die Einschränkungen der Phosphatproduktion bis Ende 2026 beibehalten. Für das dritte Quartal werden 1,8–2 Millionen Tonnen Produktion erwartet, abhängig von der Schwefelverfügbarkeit. Wegen der durch Hormus-Störungen und russische Exportbeschränkungen verschärften Knappheit hatte Mosaic bereits vier Phosphatwerke gedrosselt.
Die Preise für europäische Landwirte entwickeln sich daher unterschiedlich. In Deutschland könnten das große globale Angebot und niedrigere Ergebnisse der jüngsten indischen Ausschreibung den Harnstoffpreis weiter drücken, auch wenn die Risiken am Golf den Rückgang bremsen; Phosphat- und Schwefeldünger bleiben teuer. Eine polnische Erhebung vom 19. August zeigte Harnstoff ohne Inhibitor bei 2.550–3.110 Zloty je Tonne, Ammoniumnitrat meist bei 1.800–1.950 Zloty und AHL 32 bei rund 1.600–1.900 Zloty. Vor der Herbstdüngung waren einzelne Produkte an mehreren Verkaufsstellen nicht verfügbar. Niedrigere Harnstoff-Referenzpreise entlasten Käufer, doch die Hormus-Logistik und anhaltende Schwefelengpässe gefährden weiterhin Lieferkosten und Phosphatverfügbarkeit.