Handelsbriefing: Zwangsarbeit auf Kuba, niederländische Exporte sinken, Argentinien senkt Steuern
Ein täglicher Überblick zur Handelspolitik: Laut einem Bericht von Prisoners Defenders zwingt Kuba 60.000 Häftlinge zur Herstellung von Holzkohle, die vor allem nach Spanien geht, bei einer Marge des Staates von 99,96 Prozent, während die niederländischen Exporte in die USA in den ersten zehn Monaten 2025 um 4,7 Prozent sanken. Argentinien plant, Steuern auf Industrieexporte zu senken, und auch El Salvador sowie die Elfenbeinküste passen ihre Handels- und Klimapolitik an.
Kubanische Kohle aus Zwangsarbeit weiterhin nach Spanien
Ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Prisoners Defenders, die politische Gefangene in Kuba dokumentiert, wirft der kubanischen Regierung vor, rund 60.000 Häftlinge zur Herstellung von Marabu-Holzkohle zu zwingen, einem der wichtigsten Exportgüter der Insel. Die Holzkohle, die weit verbreitet zum Kochen verwendet wird, geht laut Bericht vor allem nach Spanien, Portugal, Griechenland, Italien und in die Türkei. Grundlage sind 53 direkte Interviews mit Häftlingen sowie 60 weitere Zeugenaussagen, die vom Institute for Crime & Justice Policy Research am Birkbeck College der University of London geprüft wurden.
Die EU importierte im vergangenen Jahr rund 87.000 Tonnen dieser Holzkohle, wobei Spanien mit Käufen im Wert von 15,7 Millionen US-Dollar (etwa 14,5 Millionen Euro) im Jahr 2023 größter europäischer Abnehmer war. Die Häftlinge erhalten zwischen 32 und 64 US-Cent pro produzierter Tonne, während der kubanische Staat dieselbe Tonne auf dem europäischen Markt für durchschnittlich 500 US-Dollar (rund 465 Euro) verkauft — eine Marge, die der Bericht auf 99,96 Prozent beziffert. In Spanien kostet ein gängiger 15-Kilo-Sack im Einzelhandel rund 19,50 Euro: Davon erhält das kubanische Regime etwa 7,88 US-Dollar (7,30 Euro), spanische Händler rund 13,56 US-Dollar (12,60 Euro) und der Häftling, der die Kohle produziert hat, lediglich etwa 0,0092 US-Dollar (0,0086 Euro). Laut Prisoners Defenders erstreckt sich dasselbe Zwangsarbeitssystem auch auf das Zuckerrohrschneiden, andere landwirtschaftliche Produktion und die Zigarrenherstellung und betrifft rund 60.000 der etwa 90.000 Gefangenen in Kuba. Einem weiteren Bericht zufolge soll kubanische Holzkohle das erste kubanische Produkt seit mehr als 50 Jahren werden, das in die USA exportiert wird.
Niederländische Exporte in die USA sinken, Treibstofflieferungen brechen ein
Die niederländischen Warenexporte in die USA sanken in den ersten zehn Monaten 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,7 Prozent, während die Importe aus den USA um fast 2 Prozent stiegen, teilte das Statistikamt Statistics Netherlands (CBS) mit. Bis Oktober lieferten die Niederlande Waren im Wert von 27,5 Milliarden Euro in die USA, gegenüber 28,9 Milliarden Euro im Vorjahr; die Importe aus den USA erreichten rund 48,1 Milliarden Euro, ein Plus von 1,9 Prozent. Der Rückgang begann im Juli; allein im Oktober beliefen sich die Exporte auf 2,22 Milliarden Euro, gegenüber 3,25 Milliarden Euro ein Jahr zuvor.
Laut CBS geht der Rückgang vor allem auf ein Minus von 8 Prozent bei Exporten in den Niederlanden hergestellter Waren zurück, während der Reexport von im Ausland produzierten Gütern um 3,9 Prozent zulegte. Am stärksten sanken die Exporte von Mineralölerzeugnissen, um 2,2 Milliarden Euro auf 1,9 Milliarden Euro, teils wegen niedrigerer Treibstoffpreise; die Ausfuhr chemischer Erzeugnisse ging um fast 300 Millionen Euro auf 4,6 Milliarden Euro zurück. Die Exporte von Maschinen und Transportmitteln stiegen insgesamt von 11,2 auf 11,9 Milliarden Euro, drehten sich jedoch ab August ins Negative, da die Ausfuhr niederländischer Maschinen schwächer wurde. Auf der Importseite trieben höhere Einfuhren von Maschinen, Transportmitteln und Chemieprodukten aus den USA den Anstieg, während die Einfuhr von Mineralölerzeugnissen wegen geringerer Mengen und Preise um fast 1,5 Milliarden Euro sank.
Argentinien, El Salvador und die Elfenbeinküste passen ihre Handelspolitik an
Argentinien plant, Steuern auf bestimmte Industrieexporte schrittweise abzuschaffen, berichtet Reuters — Teil breiterer Bemühungen der Regierung, die Kostenlast für exportierende Hersteller zu senken. In El Salvador verstärken Branchenverbände ihre Bemühungen, Exportziele über die traditionellen Märkte des Landes hinaus zu diversifizieren, um die Präsenz in nicht-traditionellen Märkten zu stärken und neue Chancen zu nutzen.
Die Elfenbeinküste, die seit 1960 mehr als 80 Prozent ihrer Waldfläche verloren hat, positioniert sich unterdessen als führende Kraft in der Kohlenstoffmarkt-Politik der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS); ein neu unterzeichnetes Freihandelsabkommen zwischen der EU und Australien dürfte zudem die Handelsbeziehungen zwischen Spanien und Australien verändern — spanische Medien verweisen dabei auf einen möglichen Zusammenhang zwischen australischer Kohle und spanischem Olivenöl.