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Guan Chong erwartet 2026/27 ein globales Kakaodefizit von bis zu 400.000 Tonnen

Guan Chong rechnet nach einem geschätzten Überschuss von rund 100.000 Tonnen 2025/26 mit einem globalen Kakaodefizit von 300.000 bis 400.000 Tonnen 2026/27. Der malaysische Verarbeiter verweist auf El-Niño-Risiken und eine stabilere Nachfrage, während andere Analysten weiterhin einen kleinen Überschuss erwarten.

Guan Chong erwartet 2026/27 ein globales Kakaodefizit von bis zu 400.000 Tonnen

Verarbeiter erwartet Rückkehr zum Defizit

Der globale Kakaomarkt könnte in der Saison 2026/27 ein Angebotsdefizit von 300.000 bis 400.000 Tonnen verzeichnen, weil El Niño die Ernten in wichtigen Anbauregionen bedroht, erwartet Guan Chong Bhd. Das malaysische Unternehmen ist Asiens größter Kakaoverarbeiter und weltweit der viertgrößte Vermahler von Kakaobohnen.

Vorstandschef Brandon Tay Hoe Lian stellte die Prognose in einem Bloomberg-Interview am Rande der CAA International Cocoa Conference in Singapur vor. Dem erwarteten Fehlbetrag steht für 2025/26 ein geschätzter Überschuss von rund 100.000 Tonnen gegenüber. Sollte sich die Prognose bestätigen, wäre es das erste globale Defizit seit drei Jahren.

Die Einschätzung folgt auf eine äußerst volatile Marktphase. Nach drei Defiziten infolge schwacher Ernten in Westafrika, der wichtigsten Herkunftsregion für Kakaobohnen, dürfte der Markt den zweiten jährlichen Überschuss in Folge erreichen. Die früheren Engpässe hatten die New Yorker Kakaofutures Ende 2024 auf ein Rekordhoch von mehr als 11.000 $ je Tonne getrieben.

El Niño gefährdet mehrere Anbauregionen

Tay bezeichnete die Verstärkung von El Niño als das zentrale Risiko für die Bilanz 2026/27. In Westafrika belasten bereits übermäßiger Regen, vernässte Plantagen und Krankheiten die Produktion. Später in der Saison könnte El Niño zusätzlich den trockenen Harmattan verstärken und damit Erträge sowie die Verfügbarkeit von Bohnen gefährden.

Die Wettergefahr beschränkt sich nicht auf Westafrika. Stört El Niño die Niederschläge, könnte auch die Produktion in anderen bedeutenden Anbauregionen sinken. Für Verarbeiter und Schokoladenhersteller ist das entscheidend, weil gleichzeitige Ausfälle in mehreren Ursprungsländern weniger Möglichkeiten lassen, fehlende Bohnen zu ersetzen.

Die Nachfrage bildet den zweiten Teil der Einschätzung von Guan Chong. Tay erwartet, dass sie sich nach dem durch den vorherigen Preisschub ausgelösten Rückgang weiter stabilisiert. Eine Erholung der Vermahlung bei sinkender Produktion würde den Puffer aus dem Überschuss 2025/26 aufzehren und die Bohnenversorgung der Verarbeiter verknappen. Bis Dezember könnten die Kakaofutures laut Tay auf etwa 8.000 $ je Tonne steigen.

Private Prognosen gehen deutlich auseinander

Guan Chong beurteilt die Angebotsseite pessimistischer als mehrere andere Marktbeobachter. BMI, Hedgepoint Global Markets und StoneX erwarten für 2026/27 weiterhin einen Überschuss, wenn auch einen kleineren als in der Vorsaison. Umstritten ist somit nicht nur das Ausmaß der Verknappung, sondern auch, ob die Weltproduktion den Verarbeitungsbedarf überhaupt übersteigen wird.

Für Erzeuger könnten ein Defizit und höhere Terminpreise die Erlösaussichten verbessern, abhängig von lokalen Preissystemen und den tatsächlichen Erntemengen. Für Verarbeiter und Schokoladenhersteller würde dasselbe Szenario höhere Rohstoffkosten und intensiveren Wettbewerb um Bohnen bedeuten. Händler und Investoren werden deshalb Niederschläge, Krankheitsdruck, die Entwicklung der westafrikanischen Ernten und Vermahlungsdaten verfolgen, um zu beurteilen, ob sich das Defizit von 300.000 bis 400.000 Tonnen abzeichnet oder die Prognosen eines kleinen Überschusses zutreffen.

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