Menschenrechtsgruppe fordert neues US-Verbot für Zucker aus der Dominikanischen Republik
Corporate Accountability Lab wirft den Plantagen von Central Romana weiterhin Zwangsarbeit vor. Die Organisation fordert die USA auf, das 2022 verhängte und im vergangenen Jahr aufgehobene Importverbot wieder einzusetzen.
Arbeitsbedingungen mehr als drei Jahre untersucht
Corporate Accountability Lab fordert die US-Regierung auf, das Importverbot für Zucker und verwandte Produkte der Central Romana Corporation, Ltd. wieder einzusetzen. Nach Darstellung der Menschenrechtsorganisation besteht auf den Plantagen des Unternehmens in der Dominikanischen Republik weiterhin Zwangsarbeit. Laut Associated Press untersuchte die gemeinnützige Organisation mehr als drei Jahre lang die Arbeitsbedingungen beim größten Arbeitgeber und Landbesitzer des Landes.
Die Zuckerrohrfelder von Central Romana erstrecken sich über mehr als 173.700 Acres. Lokale zivilgesellschaftliche Organisationen schätzen, dass dort bis zu 8.000 Menschen arbeiten. Viele sind haitianische Migranten oder deren Nachkommen. Manche wurden in der Dominikanischen Republik geboren, besitzen aber keine Staatsbürgerschaft und können deshalb nur schwer eine andere Beschäftigung finden. Corporate Accountability Lab bezeichnet staatenlose Arbeiter sowie ältere Zuckerrohrschneider ohne ausgezahlte Altersleistungen als die beiden besonders gefährdeten Gruppen.
Frühere US-Beschränkung wurde aufgehoben
Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde hatte Central Romana bereits untersucht. Sie warf dem Unternehmen vor, Arbeiter zu isolieren, Löhne zurückzuhalten, missbräuchliche Arbeits- und Lebensbedingungen aufrechtzuerhalten und übermäßige Überstunden zu verlangen. 2022 untersagten die USA die Einfuhr des vom Unternehmen hergestellten Zuckers und verwandter Produkte. Im vergangenen Jahr hob die Trump-Regierung das Verbot laut Associated Press auf.
Central Romana wies die Ergebnisse des neuen Berichts zurück. In einer darin wiedergegebenen Stellungnahme bezeichnete das Unternehmen den Bericht als „voller Ungenauigkeiten und Unwahrheiten“. Es habe weder dominikanisches Recht noch internationale Arbeitsnormen verletzt. Auf eine weitere Anfrage von Associated Press reagierte das Unternehmen zunächst nicht. Dem Bericht zufolge gehört die in Florida ansässige Fanjul Corp., Eigentümerin von Florida Crystals, zu den Anteilseignern von Central Romana.
Beschwerden über Löhne und Unterkünfte
Arbeiter und lokale Organisationen beklagen seit Langem ausbleibende oder unzureichende Löhne sowie beengte Unterkünfte, in denen häufig Wasser oder Strom fehlen. Journalisten von Associated Press bestätigten solche Lebensbedingungen in den vergangenen Jahren. Der Bericht beschreibt zudem ein Klima der Angst, das Beschäftigte davon abhalte, Lohnberechnungen anzufechten oder sich zu organisieren. Eine aktuelle Studie des US-Arbeitsministeriums griff ähnliche Bedenken auf. Die US-Regierung bezeichnete die Bedingungen auf den Plantagen als „unmenschlich“ und „missbräuchlich“.
Corporate Accountability Lab verlangt von Central Romana, die Beschäftigten im dominikanischen Sozialversicherungssystem anzumelden, mindestens den täglichen Mindestlohn zu zahlen, den Beitritt zu einer unabhängigen Gewerkschaft zuzulassen und den Gesundheitsschutz zu verbessern. Zuckerkäufer sollen einen von den Arbeitern auszuarbeitenden Verhaltenskodex beachten. Die dominikanische Regierung müsse zudem den Aufenthaltsstatus angeworbener Zuckerrohrarbeiter regeln, ausstehende Renten auszahlen und Arbeits- sowie Umweltgesetze durchsetzen.
Importentscheidung verändert das Risiko der Käufer
Die Dominikanische Republik exportiert Zucker und andere Produkte in die USA, ihren größten Markt. Ein erneutes Verbot würde den Zugang von Central Romana zu US-Käufern direkt beschränken. Importeure müssten Lieferanten, Warenursprung und Verfahren zur Kontrolle der Arbeitsbedingungen überprüfen. Die Organisation fordert darüber hinaus alle Regierungen auf, mit Zwangsarbeit hergestellten dominikanischen Zucker und zuckerhaltige Produkte vom Import auszuschließen.
Eine neue Beschränkung wurde bislang nicht angekündigt. Das unmittelbare Geschäftsrisiko liegt deshalb in der regulatorischen Unsicherheit: US-Käufer müssen den Zugang zur Produktion von Central Romana gegen die Gefahr neuer Vollzugsmaßnahmen abwägen. Für dominikanische Produzenten entscheiden nun Arbeiterdokumente, Lohnaufzeichnungen, Wohnbedingungen und unabhängige Kontrollen über das Risiko beim Marktzugang.
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