Griechischer Heimtiermarkt überholt Babyausgaben bei sinkenden Geburtenzahlen
Der griechische Markt für Heimtierprodukte und -dienstleistungen wird auf mehr als 500–550 Millionen Euro jährlich geschätzt und liegt damit über dem Babymarkt mit 350–440 Millionen Euro. Sinkende Geburtenzahlen und die Nachfrage nach Premium-Tiernahrung verändern die Perspektiven für Händler und Hersteller.
Heimtierausgaben ziehen am Babymarkt vorbei
Griechische Verbraucher geben inzwischen mehr für Heimtierprodukte und -dienstleistungen als für Babyartikel aus. Darin spiegeln sich sowohl das Wachstum der Tierpflege als auch die sich verschlechternde demografische Lage des Landes. TheTOC schätzt den Heimtiermarkt auf mehr als 500–550 Millionen Euro pro Jahr. Darin enthalten sind Futter, Zubehör, Hygiene- und Pflegeprodukte, tiermedizinische Versorgung und weitere Dienstleistungen. Der breiter gefasste Markt für Babyartikel kommt dagegen auf 350–440 Millionen Euro.
Der Vergleich bedeutet nicht, dass Haushalte Kinder einfach durch Haustiere ersetzen. TheTOC führt die Verschiebung auf hohe Wohn- und Lebenshaltungskosten, die Ausgaben für die Erziehung eines Kindes und die langfristigen Folgen der griechischen Wirtschaftskrise der 2010er-Jahre zurück. Diese Belastungen verzögern die Familiengründung und verringern jedes Jahr die Zahl potenzieller Neukunden für Babyprodukte.
Die Geburtenzahl sank von 117.440 im Jahr 2009 auf 65.618 im Jahr 2025. Das entspricht einem Rückgang um fast 50% beziehungsweise jährlich etwa 51.800 weniger Geburten innerhalb von 16 Jahren. Nach 68.467 Geburten im Jahr 2024 ging die Zahl 2025 erneut um 4,2% zurück. Auch die natürliche Bevölkerungsbilanz verschlechterte sich: 2009 kamen auf 100 Geburten etwa 92 Todesfälle, 2024 waren es 184.
Tiernahrung und Spezialprodukte treiben das Wachstum
Tiernahrung bildet mit einem geschätzten Volumen von etwa 260–300 Millionen Euro oder mehr das größte Segment. Nach von TheTOC zitierten Circana-Daten erreichte der Tiernahrungsumsatz in Supermärkten bereits 2023 rund 131,2 Millionen Euro. Damit ist die Kategorie nicht nur für Fachgeschäfte, Tierarztkanäle und Lieferanten, sondern auch für den Lebensmittelhandel relevant.
Der Onlinehandel bleibt als Vertriebskanal vergleichsweise klein, wächst bei Spezialprodukten jedoch kräftig. Laut Skroutz stieg der Umsatz seiner Heimtierkategorie zwischen 2023 und 2026 um 215%. Die durchschnittlichen Jahresausgaben je Nutzer nahmen um 53% von 79 auf 121 Euro zu. Der durchschnittliche Bestellwert erhöhte sich um 21% von 34 auf 41 Euro.
Besonders deutlich zeigt sich die Premiumisierung bei Produkten für spezielle gesundheitliche Bedürfnisse. Klinische und medizinische Futtermittel legten innerhalb von drei Jahren um 375% zu. Bestellungen von Hunde- und Katzentrockenfutter in Großpackungen mit 12–15 Kilogramm stiegen um 421%. Zugleich wächst die Nachfrage nach intelligenten Futterautomaten, WLAN-Tränken und weiterer Technik für die Tierpflege.
Das Wachstum reicht über Futter hinaus. Die Umsätze mit Pflege- und Transportprodukten verdoppelten sich innerhalb der drei Jahre. Ergänzungsmittel und Vitamine für Vögel legten um 280% zu, Einstreu für Nagerkäfige um 110%. Hundeprodukte stellen weiterhin den größeren Anteil am Skroutz-Umsatz, doch die Verkäufe von Katzenprodukten stiegen um 300%, verglichen mit 200% bei Hundeartikeln.
Anbieter von Babyartikeln verlieren Kunden
Babynahrung steht in Griechenland für ein Marktvolumen von etwa 51 Millionen Euro. GlobalData beziffert den Umsatz mit Säuglingsmilch 2024 auf 47,2 Millionen Euro. Weitere rund 3,6 Millionen Euro entfielen auf flüssige Mahlzeiten und andere Babynahrung. Der Windelmarkt wird auf jährlich 80–90 Millionen Euro geschätzt, Hautpflege für Babys und Kinder auf 25–30 Millionen Euro und Ausstattung wie Kinderwagen, Autositze und Flaschen auf 50–70 Millionen Euro.
Die Demografie ist die zentrale Herausforderung für Anbieter und Händler dieser Kategorien. Das Durchschnittsalter bei der Geburt des ersten Kindes stieg um etwa sechs Jahre von 26,2 auf 32,2 Jahre. Gleichzeitig schrumpft die Gruppe der 25- bis 44-jährigen Frauen, auf die rund neun von zehn Geburten entfallen. Für Teilnehmer am Heimtiermarkt sprechen die Zahlen für einen weiteren Ausbau von Premiumfutter, Gesundheitsprodukten und Onlinevertrieb. Babyausstatter müssen sich dagegen auf einen schärferen Wettbewerb um eine jährlich kleiner werdende Kundschaft einstellen.
Vollständige Marktanalyse