Griechische Dessertweine suchen trotz Italiens Größe eine Premiumnische
Griechenlands Dessertweinexporte wurden 2025 auf 7 Millionen bis 10 Millionen € geschätzt, Italiens Ausfuhren dagegen auf 310 Millionen bis 460 Millionen €. Griechenlands Chance liegt in limitierten Weinen mit höheren Preisen, klarer Herkunft und spezialisiertem Vertrieb.
Italien behauptet einen großen Exportvorsprung
Griechenland exportiert deutlich weniger Dessertwein als Italien, doch Weine aus limitierter Produktion könnten den griechischen Erzeugern einen eigenen Zugang zum Premiumsegment eröffnen. Flashnews.gr berichtete unter Berufung auf eine neue Studie des Büros für Wirtschafts- und Handelsangelegenheiten in Rom, dass Griechenlands Dessertweinexporte 2025 einen geschätzten Wert von 7 Millionen bis 10 Millionen € und ein Volumen von 1,3 Millionen bis 1,8 Millionen Litern erreichten.
Italiens Ausfuhren derselben Kategorie wurden auf 310 Millionen bis 460 Millionen € und 45 Millionen bis 60 Millionen Liter geschätzt. Selbst beim Vergleich der unteren Grenzen ist der Abstand beträchtlich. Italienische Produzenten profitieren von einem breiteren Sortiment, größeren Produktionskapazitäten und einer etablierten internationalen Nachfrage nach Weinen wie Vin Santo, Passito, Recioto, Marsala und Moscato d’Asti.
Dessertweine machen dennoch in beiden Ländern nur einen relativ kleinen Anteil am gesamten Weinhandel aus. Griechenlands gesamte Weinexporte wurden 2025 auf etwa 96 Millionen bis 100 Millionen € und 40 Millionen bis 45 Millionen Liter geschätzt. Dessert- und Likörweine stellten nur rund 3%-4% der Menge, erwirtschafteten aber geschätzte 7%-10% des Exportwerts. Das verweist auf höhere Durchschnittspreise und eine Positionierung im Premiumsegment.
Geografische Identität stützt griechische Preise
Dessertweine standen für geschätzte 4%-6% des Werts und 2%-3% der Menge italienischer Weinexporte. Ein Preisaufschlag ist damit in beiden Ländern erkennbar, doch Italien verbindet ihn mit einem wesentlich größeren Angebot. Griechenland kann bei Menge und Sortimentsbreite kaum direkt konkurrieren und ist deshalb auf Weine angewiesen, die eng mit bestimmten Inseln und Anbaugebieten verbunden sind.
Zu den in der Studie genannten griechischen Aushängeschildern gehören Vinsanto aus Santorini, Muskateller aus Samos, Mavrodaphne aus Patras, Muskateller aus Limnos und Muskateller aus Rhodos. Vinsanto gilt als der international bekannteste griechische Dessertwein. Mavrodaphne aus Patras wird als der emblematische rote, aufgespritete Süßwein des Landes bezeichnet. Herkunft, traditionelle Herstellung und Knappheit bilden damit die Grundlage des Exportangebots.
Diese Abgrenzung ist besonders für Italien wichtig, wo griechische Süßweine weiterhin nur eine Randerscheinung sind. Sie finden sich vor allem in Weinboutiquen, Fine-Dining-Restaurants und Verkaufsstellen in Touristengebieten. Im großflächigen Einzelhandel fehlt eine organisierte Präsenz. Die Studie sieht Chancen im oberen Preissegment, wo Käufer Authentizität und Herkunft stärker gewichten als eine flächendeckende Verfügbarkeit.
Spezialisierte Kanäle bieten den besten Zugang
Das Handelsbüro in Rom nennt spezialisierte Importeure, HoReCa-Betriebe und Premiumweinhandlungen als die aussichtsreichsten Kanäle für griechische Weingüter. Eine stärkere Markenführung und die Teilnahme an Fachmessen könnten diese Beziehungen unterstützen. Ein solcher Ansatz passt zu den begrenzten Mengen und erleichtert es den Produzenten, wenig bekannte Herkunftsbezeichnungen zu erklären und höhere Preise zu begründen.
Der Weintourismus bietet einen weiteren Vertriebs- und Marketingkanal. Griechische Süßweine sind eng mit den Landschaften und dem touristischen Profil von Santorini, Samos, Limnos und Rhodos verbunden. Besuchbare Weingüter, Verkostungen und gastronomische Angebote führen internationale Gäste unmittelbar an die Produkte heran. Exporteure können diese Bekanntheit später in ausländischen Restaurants und im Fachhandel nutzen.
Der Ausblick bis 2027 spricht eher für eine wertorientierte Strategie als für reines Mengenwachstum. Die Studie erwartet einen sinkenden oder stabilen Verbrauch, während sich die Nachfrage zu weniger, aber teurerem und hochwertigerem Wein verlagert. Für griechische Produzenten geht es daher nicht darum, Italiens enormen Mengenvorsprung aufzuholen. Entscheidend ist, Herkunft, Knappheit und touristische Sichtbarkeit in Wiederholungskäufe, einen verlässlichen Fachvertrieb und dauerhaft durchsetzbare Premiumpreise zu verwandeln.