Griechenland treibt Wasserwiederverwendung auf Psyttaleia gegen Knappheit voran
EYDAP hat eine Studienausschreibung über 9,3 Millionen Euro für die nächste Entwicklungsstufe der Kläranlage Psyttaleia gestartet. Die Anlage könnte zu einem Zentrum für aufbereitetes Wasser, Energie und verwertbare Produkte werden; spätere Investitionen könnten sich 500 Millionen Euro nähern.
Wasserknappheit erhöht den Handlungsdruck
Griechenland bereitet eine umfangreichere Wiederverwendung von Abwasser vor. Längere Trockenperioden, sinkende Grundwasserreserven und eine steigende Nachfrage belasten das Wassersystem des Landes. Wie iefimerida.gr berichtet, kann aufbereitetes kommunales Abwasser eine zusätzliche Quelle für Landwirtschaft, Industrie, Kühlsysteme und die Pflege städtischer Grünflächen werden.
Nach Schätzung der Europäischen Umweltagentur könnte wiederaufbereitetes Wasser theoretisch rund 10 % der heutigen landwirtschaftlichen Wasserentnahmen in Griechenland ersetzen, wenn technische und finanzielle Hindernisse überwunden werden. Europaweit sind jährlich etwa 30 % der Bevölkerung und 20 % der Fläche von Wasserknappheit betroffen. In Südeuropa können im Sommer bis zu 70 % der Bevölkerung unter Wasserstress stehen. Dennoch liegt die Wiederverwendungsquote bei nur etwa 2,4 %, während europäische Netze rund 23,5 % des bereits aufbereiteten Wassers verlieren, bevor es die Verbraucher erreicht.
EYDAP lässt den Fahrplan für Psyttaleia ausarbeiten
Der griechische Wasserversorger EYDAP hat eine offene elektronische Ausschreibung für Studien zu neuen Anlagen im Abwasserbehandlungszentrum Psyttaleia veröffentlicht. Der als Phase 3 bezeichnete Auftrag bildet den ersten konkreten Schritt zum Fahrplan „Psyttaleia 3.0“. Sein Wert wird auf rund 9,3 Millionen Euro ohne Mehrwertsteuer und fast 11,5 Millionen Euro einschließlich Mehrwertsteuer geschätzt. Die Laufzeit beträgt ab Vertragsunterzeichnung 35 Monate; elektronische Angebote sind bis zum 16. Oktober 2026 um 10:00 Uhr einzureichen.
Die Ausschreibung betrifft ausschließlich Planungsleistungen, nicht den Bau. Laut iefimerida.gr könnten sich die späteren Investitionen 500 Millionen Euro nähern, wobei Umfang, Wert und Struktur noch nicht feststehen. Die Arbeiten umfassen vier Phasen: eine Bestandsaufnahme; eine Machbarkeitsstudie mit Technologievergleich und Priorisierung; topografische, geotechnische, geologische, technische Vor- und Umweltstudien; sowie Unterstützung bei der späteren Auswahl des Bauunternehmens.
Vom Klärwerk zum Ressourcenzentrum
Psyttaleia soll künftig mehr leisten als die konventionelle Abwasserbehandlung. Eine weitergehende Reinigungsstufe soll die Ablaufqualität so erhöhen, dass das Wasser für Bewässerung, industrielle Prozesse, Kühlung und Grünflächenpflege genutzt werden kann. EYDAP prüft außerdem, ob das Wasser zur Grundwasseranreicherung in Attika eingesetzt werden kann, wo die Pegel nach langjähriger Übernutzung gesunken sind.
Der Transport zählt zu den größten Hürden. Psyttaleia liegt auf Meereshöhe, mehrere mögliche Abnehmer befinden sich jedoch höher. Erforderlich wären neue Leitungen, Speicher und Pumpstationen sowie ein erheblicher Energieeinsatz. Eine Kosten-Nutzen-Analyse soll wirtschaftlich und technisch tragfähige Ziele und Anwendungen bestimmen. Auch der Preis ist entscheidend: Das aufbereitete Wasser muss deutlich billiger als Trinkwasser sein und zugleich Produktions- und Transportkosten decken. EYDAP erörtert den Rahmen mit der Regulierungsbehörde für Abfall, Energie und Wasser.
Landwirtschaft, Industrie und Rechenzentren
Zu den möglichen Abnehmern zählen Landwirte, Industriebetriebe und große Anlagen, darunter neue Rechenzentren in Ost-Attika. Je nach Kühltechnik benötigen Rechenzentren eine stabile Wasserversorgung. Aufbereitetes Wasser könnte ihre Abhängigkeit vom Trinkwassernetz senken und sie widerstandsfähiger gegen künftige Beschränkungen machen.
Der Fahrplan strebt zudem eine ausgeglichene Energiebilanz durch Schlammverwertung, Biogas oder Biomethan, Stromerzeugung und Photovoltaik an. Eine zweite Säule betrifft netto null CO₂ und umfasst die Prüfung von Abscheidung, Management, Transport, Nutzung und Speicherung. Die Studie muss zeigen, ob sich diese Ziele mit einer bezahlbaren Bereitstellung von Recyclingwasser verbinden lassen. Für Ingenieurunternehmen und Technologieanbieter entsteht zunächst ein anspruchsvolles Planungsmandat. Für Wassernutzer entscheidet sich dagegen, ob Griechenland eine verlässliche zweite Versorgungsquelle zu einem wirtschaftlich tragfähigen Preis schaffen kann.