Griechische Pharmabranche warnt vor schlechterem Zugang zu innovativen Arzneien
Der griechische Pharmaverband warnt, dass Pflichtabschläge und Clawbacks die Bereitstellung innovativer Arzneimittel zunehmend erschweren. SFEE fordert mehr öffentliche Mittel, wirksamere Ausgabenkontrollen und verlässliche Regeln für klinische Forschung und Investitionen.
Branche warnt vor Risiken für Patienten
Der griechische Pharmaverband SFEE warnt, dass das Finanzierungssystem für Arzneimittel einen kritischen Punkt erreicht habe und den Zugang der Patienten zu innovativen Therapien gefährde. In einem Schreiben an Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis vor der Internationalen Messe Thessaloniki erklärte der Verband, die steigenden finanziellen Pflichtbelastungen setzten Arzneimittelhersteller und das gesamte Gesundheitssystem zunehmend unter Druck.
Nach Angaben von To Vima sieht SFEE eine weiter wachsende Lücke zwischen der staatlichen Arzneimittelfinanzierung und dem tatsächlichen Bedarf der Patienten. Über den Clawback, der Anbieter zur Rückzahlung von Ausgaben oberhalb des öffentlichen Budgets verpflichtet, werde dieses Defizit immer stärker auf die Pharmaunternehmen verlagert. Die fortlaufende Umverteilung eines steigenden Clawbacks begrenze weder die Nachfrage noch die Gesamtausgaben, belaste aber innovative Therapien überproportional.
Clawback für Klinikmedikamente übersteigt 80 %
Laut SFEE haben die Arzneimittelausgaben für nicht versicherte Patienten trotz des anhaltenden Rückgangs der Arbeitslosigkeit 350 Millionen Euro erreicht. Die Ausgaben des Instituts für Pharmazeutische Forschung und Technologie IFET für Notimporte von Arzneimitteln seien auf 550 Millionen Euro gestiegen. Aufgrund dieses Volumens sei IFET faktisch zum größten „Pharmaunternehmen“ Griechenlands geworden, erklärte der Verband.
Besonders hoch ist der Druck bei Krankenhausmedikamenten, deren Angebot und Nachfrage laut SFEE vom Staat kontrolliert werden. Die Arzneimittelausgaben in diesem Segment sind deutlich gestiegen, während der Clawback für Medikamente mit einem Preis von mehr als 30 Euro über 80 % liegt. Abzüge in dieser Höhe machten die weitere Belieferung des griechischen Marktes mit den betroffenen Produkten äußerst schwierig. Zudem erhebe Griechenland trotz vergleichsweise niedriger Ausgangspreise die höchsten verpflichtenden Rückzahlungen Europas.
Unternehmen fordern Finanzierung und verlässliche Regeln
SFEE kritisierte außerdem rückwirkende Clawbacks, darunter Belastungen für Medikamente, die keine staatliche Erstattung beantragt hatten. Als Beispiel nannte der Verband Arzneimittel aus dem Adipositasprogramm „PROLAMVANO“. Manche politische Entscheidungen würden ohne vorherige Konsultation und ausreichende Planbarkeit getroffen, was Investitions- und Produkteinführungsentscheidungen der Hersteller erschwere.
Der Branchenverband fordert eine stärkere öffentliche Arzneimittelfinanzierung und schlägt vor, dafür einen Teil des Haushaltsüberschusses einzusetzen. Außerdem sollen digitale Instrumente, Behandlungsprotokolle und Patientenregister die Ausgabensteuerung verbessern. SFEE verlangt ein stabiles und wettbewerbsfähiges Anreizsystem für klinische Forschung, da die derzeitigen Bedingungen pharmazeutische Innovationen und damit verbundene Investitionen abschreckten.
Neue Produkte und bestehende Versorgung gefährdet
Bei einer Fortsetzung der aktuellen Politik könnten neue innovative Medikamente verspätet oder überhaupt nicht auf den griechischen Markt kommen, warnte SFEE. Der Verband sieht zudem die Gefahr eines schrittweisen Investitionsrückgangs und wachsenden Druck auf bereits verfügbare Therapien. Es gebe bereits Anzeichen dafür, dass Medikamente vom griechischen Markt genommen würden.
SFEE fordert eine nationale Arzneimittelstrategie, die auf ausreichender öffentlicher Finanzierung, wirksamer Ausgabenkontrolle, regulatorischer Planbarkeit und Investitionsanreizen beruht. Das Schreiben ging auch an die für Wirtschaft und Finanzen, Gesundheit sowie Entwicklung zuständigen Minister. Der Verband stellt die Regierung damit vor die Wahl zwischen einer tragfähigen Finanzierung pharmazeutischer Innovationen und einem späteren Verlust des Patientenzugangs zu neuen wie bestehenden Therapien.
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