The Greenery: Erdbeermarkt „sehr labil" – Hitze zieht Beerenernten vor
Heißes, trockenes Wetter hat die europäischen Beerenernten deutlich vorgezogen. Erdbeeren fehlten dem Markt rund vier Wochen, die Spotpreise sprangen binnen weniger Tage von 2 Euro auf etwa 5 Euro, sagte The Greenery gegenüber FreshPlaza. Für den Herbst kehren viele Betriebe zur Sorte Elsanta zurück.
Heißes und trockenes Wetter hat die Beerenernten vorgezogen und den Erdbeermarkt zwischen Knappheit und Überangebot pendeln lassen. Das sagte Aad van Dijk, Leiter des Obstbereichs der niederländischen Erzeugergenossenschaft The Greenery, in einem von FreshPlaza veröffentlichten Interview.
„Alle Kulturen sind viel schneller reif geworden, was gegenüber dem ursprünglichen Plan alle möglichen Schwierigkeiten mit sich brachte", sagte van Dijk. Angebot und Nachfrage werden normalerweise so früh wie möglich aufeinander abgestimmt, doch die ersten Prognosen wurden vom Reifetempo rasch überholt. Auch die Qualität zu halten war für die Erzeuger eine Herausforderung. Nach Angaben von The Greenery ist das mit vorgezogener Ernte, gekühlter Lieferkette und schneller Abwicklung recht gut gelungen.
Erdbeeren: vier Wochen Knappheit, Spotpreise von 2 auf 5 Euro
Am Erdbeermarkt riss das Wetter eine Lücke zwischen Gewächshaus- und Freilandproduktion auf – für van Dijk die unmittelbare Ursache der anhaltenden Knappheit. Zudem fielen die Erträge nicht so hoch aus wie erhofft. Beides zusammen ließ den Markt rund vier Wochen lang unterversorgt.
In den beiden Wochen vor dem Interview war das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach van Dijks Worten „sehr labil". Die Preise schwankten stark: Auf Tagesspotgeschäfte zu 2 Euro folgten wenige Tage später Notierungen von etwa 5 Euro. Erdbeeren gelten zusammen mit Gurken als die volatilsten Produkte im Frischesegment – diese Saison sei dafür ein Musterbeispiel, so van Dijk.
Er erwartet, dass sich der Markt in den kommenden Wochen stabilisiert, sobald Herbst- und Gewächshauskulturen wieder in die Produktion kommen. Auch diese Entlastung dürfte früher eintreten als geplant, denn das Wachstumstempo ist außerordentlich hoch.
Im Herbst zurück zu Elsanta
Besonders bedeutsam ist für van Dijk der Wechsel bei den Erdbeersorten. Viele Betriebe kehren im Herbst zur bewährten Elsanta zurück, nachdem sich remontierende Sorten bei schwachem Licht als nicht ausreichend produktiv erwiesen haben. Das werde vor allem im November eine ganz andere Marktdynamik erzeugen als in den Schlussmonaten der vergangenen Jahre.
Himbeeren knapp, Brombeeren am Erntegipfel vorbei geplant
Am Himbeermarkt gab es Phasen mit stabilem Angebot, doch der Großteil der Ware wurde in kurzer Zeit geerntet – daraus wurde in den vergangenen Wochen ein Angebotsdefizit. Aktuell verzeichnet The Greenery gute Spotpreise für Himbeeren und arbeitet zugleich daran, die Anforderungen des Einzelhandels zu erfüllen.
Bei Brombeeren ist dies traditionell eine Zeit hohen Angebots. The Greenery hat die Produktion nach eigenen Angaben gemeinsam mit den Erzeugern so geplant, dass der höchste Produktionsgipfel möglichst umgangen wird; wie das ausgeht, bleibt abzuwarten. Das Preisbild ist asymmetrisch: In Spitzenzeiten lagen die Notierungen niedrig, doch sobald das Angebot leicht nachgibt, schießen die Preise sofort nach oben.
Rote Johannisbeeren im Lager, Kosten entlang der Kette
Bei roten Johannisbeeren verläuft das Produktionsjahr gut. Geerntet wurde bei günstigem, trockenem Wetter, der Großteil der Menge liegt inzwischen im Lager. Angesichts des reichlichen Warenangebots ist dies traditionell nicht der beste Verkaufszeitraum, doch der Absatz läuft laut van Dijk wie erwartet.
Seine grundsätzliche Sorge gilt den Kosten. Energie, Arbeit und Betriebsmittel sind sehr teuer geworden, und das macht sich im Anbau wie in der gesamten Kette bemerkbar. „Letztlich muss das Produkt seinen Wert behalten, damit nachhaltiges Wachstum möglich bleibt", schließt van Dijk.
The Greenery hat seinen Sitz im niederländischen Barendrecht. Mengen, Ertragsverluste und die Höhe der Kostensteigerungen wurden in dem Interview nicht beziffert.