Google kauft Methan-Gutschriften aus 100.000 Hektar Reisanbau in Indien
Google will verifizierte Gutschriften aus einem vierjährigen Methanprojekt von Mitti Labs auf 100.000 Hektar indischer Reisflächen kaufen. Das Vorhaben in Punjab, Haryana und Uttar Pradesh könnte 50.000 bis 75.000 Kleinbauern erreichen.
Vierjährige Vereinbarung erfasst Indiens Reisgürtel
Google hat eine vierjährige Vereinbarung über den Kauf von Emissionsgutschriften aus einem Reismethan-Projekt von Mitti Labs unterzeichnet. Das Vorhaben umfasst 100.000 Hektar in Punjab, Haryana und Uttar Pradesh. Laut AndroGuider soll es die Methanemissionen um Zehntausende Tonnen senken und Zehntausende Kleinbauern unterstützen.
Die Gutschriften entstehen aus verifizierten Methanminderungen bis 2030. Weder Google noch Mitti Labs haben den Preis je Tonne oder den Gesamtwert des Vertrags veröffentlicht. Die Publikation bezeichnet ihn als Googles bisher größtes Engagement zur Minderung von Methan aus dem Reisanbau und als Teil der Klimaschutzmaßnahmen außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette. Google hat sich verpflichtet, bis 2030 in seinem Betrieb und seiner Wertschöpfungskette Netto-Null-Emissionen zu erreichen.
Mitti Labs hat seinen Sitz in Delhi und New York und wurde 2023 von den Harvard-Absolventen Nathan Torrens, Xavier Johnson und Devendra Singh gegründet. Das Unternehmen rechnet mit mehr als 50.000 bis 75.000 teilnehmenden Kleinbauern. Die meisten bewirtschaften jeweils 1 bis 3 Hektar in indischen Anbaugebieten für Basmati- und Nicht-Basmati-Reis.
Wassermanagement bildet den Kern des Projekts
Im Mittelpunkt stehen die wechselnde Bewässerung und Trocknung der Felder, bekannt als AWD, sowie die Direktsaat von Reis, kurz DSR. Bei AWD lassen Landwirte ihre Felder regelmäßig trocknen, bevor sie erneut bewässert werden. Perforierte Rohre im Boden dienen zur Kontrolle des Wasserstands. Die Unterbrechung der dauerhaften Überflutung begrenzt die sauerstofffreien Bedingungen, unter denen Bodenmikroben Methan erzeugen.
Der Quelle zufolge kann AWD die Methanemissionen ohne Ertragseinbußen um 30 % bis 50 % und den Wasserverbrauch um etwa 30 % senken. Bei DSR wird das Saatgut direkt in den Boden eingebracht, statt Setzlinge aus überfluteten Anzuchtflächen umzupflanzen. Dadurch verkürzt sich die Überflutungsdauer, während Arbeits-, Bewässerungs- und Pumpkosten sinken können.
Mitti Labs übernimmt die Gewinnung und Schulung der Landwirte, bietet agronomische Unterstützung über Feldteams und eine mobile Anwendung und nutzt Satellitenbilder sowie vernetzte Wassersensoren zur Überwachung. Messung, Berichterstattung und Verifizierung durch Dritte sollen die Ausgabe der Gutschriften absichern. Google will Erkenntnisse zur Projektleistung veröffentlichen und Daten zur Verbesserung der Methoden für Reismethan bereitstellen.
Von Mitti Labs gemeldete Pilotdaten aus Haryana und Punjab zeigten gleichbleibende oder leicht höhere Erträge bei Wassereinsparungen von 25 % bis 40 %. Nach Angaben des Unternehmens fließt der Großteil der Einnahmen aus den Gutschriften über Direktzahlungen an die teilnehmenden Landwirte zurück. Zudem beschäftigt es junge Menschen aus der Region als Feldkoordinatoren.
Klimafinanzierung trifft auf Wasserknappheit
Indien ist der zweitgrößte Reisproduzent der Welt und verfügt über mehr als 45 Millionen Hektar Reisanbaufläche. Der Reisanbau verursacht schätzungsweise 8 % bis 12 % der weltweiten menschengemachten Methanemissionen. Über einen Zeitraum von 20 Jahren ist Methan mehr als 80-mal so klimawirksam wie Kohlendioxid.
Der Wasseraspekt ist in Punjab und Haryana besonders relevant, da der Grundwasserspiegel mancherorts um fast einen Meter pro Jahr sinkt. Weniger Pumpen kann die Ausgaben der Landwirte für Diesel und Strom reduzieren und gleichzeitig die Grundwasserleiter entlasten. Langfristige Abnahmeverträge für Gutschriften könnten Landwirten und Kreditgebern zudem mehr Sicherheit geben, dass Zahlungen und technische Betreuung während der Umstellung fortbestehen.
Die Umsetzung bleibt das zentrale Risiko. Mitti Labs muss von einigen Tausend auf Zehntausende Landwirte wachsen, Ergebnisse auf zersplitterten Flächen verifizieren und die Agrarpolitik sowie Wasser- und Stromsubventionen der Bundesstaaten berücksichtigen. Damit Landwirte etablierte Bewässerungspraktiken aufgeben, benötigen sie rechtzeitige Beratung und verlässliche Zahlungen.
Die Vereinbarung könnte zeigen, ob digital verifizierte Gutschriften für Methan aus der Landwirtschaft in großem Maßstab funktionieren. Die Bedeutung reicht über Indien hinaus: Auch Vietnam, Bangladesch, Thailand und die Philippinen haben große Reissektoren und erhebliche Methanemissionen. Eine Übertragung des Modells hängt von glaubwürdiger Verifizierung, niedrigeren Überwachungskosten und stärker standardisierten Methoden ab.