Globale Palmölexporte sollen 2026/27 auf 48–49 Millionen Tonnen sinken
Oil World erwartet für 2026/27 weltweite Palmölexporte von 48–49 Millionen Tonnen, nach 50,5 Millionen Tonnen im Vorjahr. Ein langsameres Produktionswachstum und der steigende Einsatz für Biokraftstoffe verringern das Exportangebot und stärken die Nachfrage nach anderen Pflanzenölen.
Exporte bleiben unter dem historischen Höchststand
Die weltweiten Palmölexporte dürften im Wirtschaftsjahr 2026/27 auf 48–49 Millionen Tonnen sinken. Das geht aus einer von ZOL.ru veröffentlichten Prognose von Oil World hervor. Für 2025/26 werden 50,5 Millionen Tonnen angegeben, womit sich im Jahresvergleich ein Rückgang um 1,5–2,5 Millionen Tonnen ergibt.
Damit setzt sich die Abwärtsbewegung seit dem Rekord von 55,4 Millionen Tonnen im Wirtschaftsjahr 2018/19 fort. Selbst am oberen Ende der aktuellen Prognose lägen die Ausfuhren 6,4 Millionen Tonnen unter dem Höchstwert. Am unteren Ende würde der Abstand 7,4 Millionen Tonnen betragen. Für internationale Käufer ist das verfügbare Volumen damit über mehrere Jahre spürbar geschrumpft.
Produktionswachstum lässt nach, Inlandsverbrauch steigt
Oil World führt den Rückgang vor allem auf das schwächere Wachstum der Palmölproduktion und den deutlich höheren Inlandsverbrauch für Biokraftstoffe zurück. Am stärksten zeigt sich diese Entwicklung dem Bericht zufolge in Indonesien. Sie ist jedoch auch in Malaysia, Thailand und Ländern Mittelamerikas zu beobachten. Eine stärkere Nutzung in den Erzeugerländern lässt weniger Öl für den Export übrig, selbst wenn die Gesamtproduktion weiter wächst.
Auch die langsamere Ausweitung der Ölpalmenflächen begrenzt das Angebotswachstum. Gleichzeitig werden alte Plantagen nicht schnell genug erneuert. Der ungünstigere Altersaufbau der Bestände und Krankheiten der Palmen bremsen den Produktionszuwachs zusätzlich.
Diese Faktoren wirken über unterschiedliche Zeiträume. Der Biokraftstoffverbrauch kann exportfähige Mengen innerhalb eines Wirtschaftsjahres aufnehmen, während langsame Neupflanzungen und Erneuerungen die Kapazität längerfristig begrenzen. Für Erzeuger gewinnt deshalb der Ertrag bestehender Flächen an Bedeutung. Für Händler und Verarbeiter schrumpft der Puffer zwischen Produktion, Inlandsnachfrage und Export.
Andere Pflanzenöle gewinnen an Bedeutung
Nach Angaben von Oil World greift der Weltmarkt zunehmend auf Soja-, Sonnenblumen- und Rapsöl zurück, um die geringere Verfügbarkeit von Palmöl auszugleichen. Diese Substitution fördert in wichtigen Erzeugerregionen die Ausweitung der Anbauflächen für die entsprechenden Ölsaaten.
Palmöl konkurriert mit diesen Ölen in der Lebensmittelverarbeitung und bei weiteren industriellen Anwendungen. Geringere Palmöllieferungen können Nachfrage zu alternativen Ölen umlenken und die Märkte der Palmölproduzenten enger mit den Soja-, Sonnenblumen- und Rapsernten verbinden. Importeure und Verarbeiter müssen daher das Angebot im gesamten Pflanzenölkomplex bewerten, statt Palmöl isoliert zu betrachten.
Oil World nennt keine Preisprognose. Ein kleineres Exportangebot macht Käufer jedoch anfälliger für Produktionsausfälle und Änderungen des inländischen Biokraftstoffverbrauchs. Der erwartete Rückgang von 50,5 Millionen auf 48–49 Millionen Tonnen betrifft damit nicht nur Palmölexporteure. Er kann 2026/27 auch Anbauentscheidungen, Beschaffungsstrategien und den Wettbewerb zwischen Pflanzenölen beeinflussen.