Girteka eröffnet Standort in Rumänien wegen europäischen Fahrermangels
Der litauische Straßengüterverkehrskonzern Girteka hat in Oradea eine Gesellschaft gegründet und verlagert einen Teil seiner europäischen Transporte nach Rumänien und Lettland. Ausschlaggebend ist laut Unternehmen die Verfügbarkeit von Berufskraftfahrern, nicht ein Unterschied bei Regulierung oder Bezahlung.
Oradea wird neuer operativer Stützpunkt
Der litauische Transport- und Logistikkonzern Girteka ist über eine Gesellschaft mit Sitz in Oradea in Rumänien eingestiegen. Damit erhält ein bereits vom europäischen Netzwerk bedienter Markt erstmals eine lokale operative Präsenz. Nach Angaben von Profit.ro verlagert Girteka einen Teil seiner Transportaktivitäten nach Oradea und Riga, um sein europäisches Betriebsmodell an veränderte Arbeitsmarktbedingungen und den anhaltenden Mangel an Berufskraftfahrern anzupassen.
Gegenüber der litauischen Wirtschaftszeitung Verslo Žinios erklärte Girteka, die Entscheidung beruhe weder auf regulatorischen Unterschieden noch auf abweichender Bezahlung. Der Konzern bewerte das gesamte Geschäftsumfeld. Entscheidend sei derzeit vor allem, genügend Fahrer für die eigene Flotte und den Bedarf der Kunden zu gewinnen. Zusätzliche Standorte sollen Girteka mehr Flexibilität bei der Bereitstellung von Ressourcen für Transporte in ganz Europa verschaffen.
In Lettland hat das Unternehmen bereits fast 100 Lkw zugelassen. In Rumänien bereitet Girteka laut Profit.ro die Fahrzeugzulassung und die Einstellung der ersten Fahrer vor. Wie viele Fahrzeuge und Beschäftigte für Rumänien vorgesehen sind und wie schnell der Standort Oradea wachsen soll, wurde nicht mitgeteilt.
Fahrerverfügbarkeit bestimmt Standortwahl
Die Expansion erfolgt in einer Phase, in der europäische Spediteure viele Fahrerstellen nicht besetzen können. Profit.ro verweist auf eine Schätzung der International Road Transport Union, wonach Europa 2025 rund 502.000 Lkw-Fahrer fehlten. Das entsprach etwa 13% des Personalbedarfs der Branche. Bei Unternehmen mit eigener Flotte führen offene Stellen zu ungenutzten, kostspieligen Fahrzeugen und begrenzen die für Kunden verfügbare Kapazität, selbst wenn Frachtnachfrage besteht.
Girteka bedient Rumänien seit den 2000er-Jahren über sein Transportnetz, unterhielt dort bisher aber keine Niederlassung. Mit der Gesellschaft in Oradea wechselt der Konzern von einer externen Bedienung rumänischer Routen zu lokaler Rekrutierung, Fahrzeugzulassung und teilweiser Betriebssteuerung. Der Eintritt dürfte den Wettbewerb um qualifizierte Fahrer verschärfen und zugleich zusätzliche Kapazität einer großen internationalen Flotte auf den rumänischen Markt bringen.
Große eigene Flotte trägt die Expansion
Girteka wurde 1996 in Vilnius vom Unternehmer Mindaugas Raila gegründet, der heute Chairman der Girteka Group ist. Das Geschäftsmodell beruht überwiegend auf Komplettladungen mit eigenen Fahrzeugen. Der Konzern ist auf temperaturgeführte und hochwertige Güter spezialisiert und nennt Nestlé, IKEA und Unilever als Kunden. Für 2025 wies Girteka rund 6.500 Lkw, 8.000 Sattelauflieger und mehr als 15.000 Beschäftigte aus. Das Geschäft erstreckt sich über europäische und nordische Märkte; eine wichtige Basis liegt in Polen.
Zugleich modernisiert der Konzern seinen Fuhrpark. Im Mai 2025 vereinbarte Girteka den Kauf von 2.000 neuen Volvo-Lkw, die bis zum 31. Dezember geliefert werden sollten. Die Transaktion galt als Europas größte einzelne Lkw-Bestellung jenes Jahres. Bereits 2017 hatte Girteka 2.000 Volvo-Lkw gekauft. Hinzu kamen eine langfristige Vereinbarung über 500 Mercedes-Benz-Lkw und Finanzierungen von 250 Millionen Euro zur Flottenmodernisierung.
Im ersten Halbjahr 2026 wickelte Girteka mehr als 334.000 Transporte ab und steigerte die Kundenzahl um fast 10% auf über 5.000, berichtete Profit.ro. Der Umsatz der Girteka Group sank im Vorjahr von 1,4 Milliarden Euro auf 1,3 Milliarden Euro; der Verlust betrug 12,4 Millionen Euro. Der Schritt nach Rumänien ist damit sowohl geografische Expansion als auch der Versuch, eine große modernisierte Flotte ausreichend zu besetzen und auszulasten.