Solidaridad schlägt geteiltes Risikomodell für EUDR-Kosten indonesischer Kleinbauern vor
Solidaridad Indonesia will die Kosten globaler Nachhaltigkeitsvorgaben auf Landwirte, Käufer, Banken und den Staat verteilen. Das Modell verbindet Lieferkettendaten, Mischfinanzierungen, mehrjährige Abnahmevereinbarungen und stärkere lokale Institutionen.
Compliance-Kosten erhöhen den Druck auf Kleinbauern
Solidaridad Indonesia fordert, die finanziellen Risiken strengerer globaler Marktregeln, darunter die EU-Entwaldungsverordnung, entlang der landwirtschaftlichen Lieferketten zu verteilen. Sie sollten nicht vor allem von unabhängigen Kleinbauern getragen werden. Rückverfolgbarkeit allein schaffe keine nachhaltige Lieferkette, wenn den Erzeugern Geld und institutionelle Unterstützung für die Einhaltung der Vorgaben fehlten.
Der Vorschlag wurde laut Kalteng Daily auf einer vom Tropical Forest Alliance und dem Indonesia Business Council for Sustainable Development organisierten Veranstaltung beim Indonesian Sustainable Forum 2026 vorgestellt. Nach Angaben von Solidaridad verursacht der Übergang zu nachhaltigeren Lieferketten häufig hohe Compliance-Kosten. Müssen Landwirte diese allein bezahlen, können ihre Einkommen stark sinken und ihr Zugang zu regulierten Märkten gefährdet werden.
Yeni Fitriyanti, Landesdirektorin von Solidaridad Indonesia, erklärte, Rückverfolgbarkeitssysteme verbesserten zwar den Einblick in Lieferketten, lösten aber nur einen Teil der Nachhaltigkeitsaufgabe. Unabhängige Erzeuger dürften nicht allein als Puffer gegen Klimarisiken und strengere Marktanforderungen dienen. Solidaridad plädiert deshalb für den Übergang von isolierten Trackingsystemen zu einer Architektur geteilter Risiken.
Vier Bausteine des Indonesia Model
Das von Solidaridad vorgeschlagene „Indonesia Model“ besteht aus KNOW, INVEST, COMMIT und DELIVER. KNOW sieht vor, präzise Geodaten und Informationen zur Rechtmäßigkeit zu integrieren. Sie sollen Schutzmechanismen am Anfang der Agrarlieferkette stützen und belegen, wo Rohstoffe erzeugt wurden und ob die Produktion geltendes Recht erfüllt.
INVEST setzt auf Mischfinanzierungen, mit denen die Kosten globaler Standards gemeinsam getragen und nicht auf die Landwirte verlagert werden. COMMIT strebt mehrjährige Vereinbarungen mit internationalen Käufern an, um längerfristige Marktsignale und fairere Geschäftsbedingungen zu schaffen. DELIVER soll lokale Institutionen stärken und Genossenschaften, Regionalverwaltungen sowie Unternehmen zur Umsetzung in den Anbaugebieten befähigen.
Der Rahmen verbindet den Zugang zu internationalen Märkten mit indonesischen Zielen wie der Weiterverarbeitung und der Widerstandsfähigkeit der Lebensmittelversorgung. Käufer und Finanzinstitute sollen Compliance-Fähigkeiten als Investition in die Versorgungssicherheit behandeln, nicht als reine Kosten der Landwirtschaft. Langfristige Abnahmezusagen könnten Erzeugern zudem mehr Sicherheit für Investitionen in Datenerfassung, Produktivität und betriebliche Anpassungen geben.
Produktivität und Unterstützung vor Ort bleiben entscheidend
Auf Grundlage der Arbeit von Solidaridad mit indonesischen Palmölerzeugern sagte Fitriyanti, globale Regeln wirkten besser, wenn ihre Umsetzung mit Produktivitätssteigerungen und Beratung verbunden werde. Unterstützung auf Betriebsebene sei ein zentraler Bestandteil der Investition und kein zusätzlicher Kostenposten.
Für Unternehmen, die Agrarrohstoffe aus Indonesien beziehen, hat dies praktische Folgen. Plattformen können Betriebe und Lieferkettenakteure identifizieren. Ohne technische Beratung, Finanzierung und wirtschaftlich tragfähige Käuferbeziehungen können Landwirte die Marktanforderungen dennoch verfehlen. Das Modell verteilt die Verantwortung für diese Aufgaben deshalb auf mehrere Beteiligte.
Fitriyanti forderte Unternehmen zu gemeinsamen Investitionen, Banken zu einem flexibleren Finanzierungszugang und den Staat zu einer Abstimmung von Raumplanung und landwirtschaftlichen Beratungsdiensten auf. Genossenschaften und Regionalverwaltungen sollen als lokale Umsetzungskanäle nationale und internationale Anforderungen in anwendbare Maßnahmen übersetzen.
Das Ziel besteht laut Solidaridad nicht nur darin, Rohstoffe bis zu einzelnen Betrieben zurückverfolgen zu können. Gefordert sind Lieferketten, in denen Kleinbauern investieren, sich anpassen und auf globalen Märkten wirtschaftlich bestehen können. Ob sich das Modell durchsetzt, hängt von konkreten Zusagen der Käufer, Kreditgeber und Behörden zur Teilung von Compliance-Kosten und Marktrisiken ab.