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FSSAI-Vorgehen entfacht Streit über Rum- und Whiskykennzeichnung in Indien

Indiens Lebensmittelsicherheitsbehörde hat mehrere bekannte Rum- und Whiskyprodukte nach Laborbefunden zu Neutralalkohol und Aromen vom Verkauf ausgeschlossen. Damit rücken Spirituosen auf Melassebasis, Altersangaben und die Definitionen für indische Spirituosen erneut in den Fokus.

FSSAI-Vorgehen entfacht Streit über Rum- und Whiskykennzeichnung in Indien

Bekannte Produkte vom Verkauf ausgeschlossen

Die indische Behörde für Lebensmittelsicherheit und -standards, FSSAI, hat den Verkauf mehrerer bekannter Rum- und Whiskyprodukte untersagt. Wie ThePrint berichtete, hatten Labortests ergeben, dass Neutralalkohol und zugesetzte Aromen eingesetzt wurden, um die deklarierten Spirituosen nachzuahmen. Betroffen sind Old Monk The Legend, Gold Reserve und XXX Matured Rum sowie McDowell’s No 1 Rum, Bagpiper Deluxe Whisky, Old Cask Deluxe Rum und Royal Challenge Whisky.

Das Vorgehen belebt den langjährigen Streit über Rezepturen und Bezeichnungen bei Indian-made Foreign Liquor, kurz IMFL. Indiens Massenmarkt für Spirituosen verwendet traditionell Extra Neutral Alcohol, ENA, der durch Fermentation und Destillation von Zuckerrohrmelasse gewonnen wird. Der fast farb- und geschmacksneutrale Alkohol dient als Basis, die Hersteller durch Aromen, Farbstoffe und Verschnitt differenzieren können.

Melasse ist zwar ein zulässiger Rohstoff für Rum, doch Behörden und Branchenexperten bezweifeln, dass manche Etiketten Zusammensetzung und Reifung korrekt wiedergeben. Laut einer von ThePrint zitierten FSSAI-Erklärung enthielt der als “7 years old blended” bezeichnete Old-Monk-Rum weniger als 5% gereiften Rumbrand. Zuckerkulör ist nach indischen Lebensmittelvorschriften zur Färbung erlaubt; problematisch wird es, wenn Charakter oder Alter des Produkts falsch dargestellt werden.

Indische und ausländische Definitionen weichen ab

Bei Whisky führt Melasse zu einem schärferen Klassifizierungsproblem. Rakshay Dhariwal, Gründer der Agavenspirituosenmarke Pistola, erklärte gegenüber ThePrint, ein melassebasierter Verschnitt dürfe nicht Whisky heißen. Von der Zeitung angeführte Handelsschätzungen besagen, dass mehr als 90% der in Indien als Whisky verkauften Produkte in den Vereinigten Staaten oder Europa wegen der dortigen Getreide- und Reifungsanforderungen rechtlich nicht als Whisky gelten würden.

Der Unterschied hat den Zugang zu Auslandsmärkten bereits früher beeinträchtigt. 2002 erklärte die Europäische Union, Indien könne melassebasierten Whisky in Europa als Rum, aber nicht als Whisky verkaufen. Ein Jahr später lehnte die EU Indiens Forderung nach einem besseren Marktzugang für diese Kategorie ab, weil Alkohol aus Melasse die Kriterien nicht erfüllte. Die abweichenden Definitionen haben damit die Glaubwürdigkeit einiger indischer Marken begrenzt, die sich oberhalb des Niedrigpreissegments positionieren wollten.

Auch die Regulierung des Rohstoffs wird strenger. Die Verbrauchsteuerpolitik von Uttar Pradesh für 2026–2027 regelt Zuteilung, Lagerung und Verarbeitung von Melasse. Alkohol auf Melassebasis darf demnach nur für lokale Spirituosen und Rum verwendet werden; andere IMFL-Produkte müssen auf Getreidealkohol basieren. Maharashtra erließ 2025 neue Melassevorschriften und eine Dual-Feed-Politik für Ethanol, während Uttar Pradesh seine Regeln 2026 erneut änderte.

Premiumhersteller setzen auf Getreide und Zuckerrohrsaft

Parallel entsteht ein Premiumsegment mit klarer definierten Rohstoffen und Verfahren. John Distilleries verwendet in Goa für seinen Paul-John-Whisky 100% indische gemälzte Gerste, destilliert zweimal in Kupferbrennblasen und reift den Brand in ausgekohlten amerikanischen Eichenfässern und ausgewählten Sherryfässern. Neuere Rums wie Camikara werden statt aus Melasse aus frischem Zuckerrohrsaft destilliert.

Auch die Nachfrage verschiebt sich, obwohl Premiumprodukte noch eine Minderheit im Markt bilden. Von ThePrint zitierte IWSR-Daten zeigen für 2025 gegenüber dem Vorjahr ein Mengenwachstum von etwa 9% und ein Wertwachstum von 12%. Das FSSAI-Vorgehen verteuert unklare Rezepturen und Etiketten. Händler und Distributoren müssen betroffene Bestände prüfen, während Getreidebrennereien und transparente Premiumrum-Produzenten von einer konsequenteren Durchsetzung der Produktdefinitionen profitieren könnten.

Vollständige Marktanalyse

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