Frankreichs Farbenindustrie investiert trotz Marktrückgang in Werke und Recyclingrohstoffe
Frankreichs Farben- und Lackhersteller modernisieren ihre Werke und entwickeln ressourcenschonendere Produkte, obwohl der Marktwert zwischen 2024 und 2025 um 1,8 % sank. PPG und AkzoNobel investieren zusammen 62 Millionen €, während Cromology und BASF ein Acrylbindemittel mit chemisch recycelten Rohstoffen einsetzen.
Investitionen trotz schwächerer Nachfrage
Frankreichs Farben- und Lackindustrie beschleunigt die Modernisierung ihrer Werke, die Produktentwicklung und den Einsatz zirkulärer Rohstoffe, obwohl die Inlandsnachfrage unter Druck steht. Ihre Produkte werden im Bauwesen, in der Automobil- und Luftfahrtindustrie, in der Fertigung, bei Verpackungen und in der Infrastruktur eingesetzt. Die Entwicklung der Branche betrifft damit zahlreiche industrielle Wertschöpfungsketten.
Nach Angaben von Green et Vert erwirtschaftet die von FIPEC vertretene Branche knapp 4,93 Milliarden € Umsatz und beschäftigt 20.000 Menschen. FIPEC zählt rund 150 Mitgliedsunternehmen, die etwa 95 % der Hersteller des Sektors repräsentieren. Der französische Markt für Farben, Lasuren, Beschichtungen und Lacke verlor jedoch zwischen 2024 und 2025 wertmäßig 1,8 % und sank auf 2,816 Milliarden €.
Der Rückgang hält die großen Hersteller nicht von Investitionen ab. Ihre Projekte zielen weniger auf zusätzliche Mengen als auf höhere Produktivität, flexible Fertigung, interne Logistik und bessere Umwelteigenschaften. Darin zeigt sich die zentrale Herausforderung eines reifen Marktes: Die Unternehmen müssen ihre Kapazitäten modernisieren, während die Endnachfrage schwach bleibt und die Produktionskosten genau kontrolliert werden.
PPG und AkzoNobel modernisieren Standorte
PPG hat Investitionen von 40 Millionen € in seine Werke in Ruitz im Département Pas-de-Calais und Moreuil im Département Somme angekündigt. Beide Standorte liegen in Hauts-de-France. Das Programm soll Produktionsanlagen modernisieren, die industrielle Flexibilität erhöhen und die Logistik ins Unternehmen zurückholen. Bis Ende 2027 sollen außerdem 39 Arbeitsplätze entstehen. Der US-Konzern will weiter in Forschung und Entwicklung investieren, unter anderem in Beschichtungen mit geringerem Energiebedarf.
AkzoNobel investiert 22 Millionen € in Montataire im Département Oise. Das Unternehmen will den Standort modernisieren und zu einer wichtigen Plattform für den europäischen Markt ausbauen. Das Projekt folgt auf einen Rückgang des französischen Marktes für Dekorfarben und einen zunehmenden Kostendruck, den AkzoNobel beobachtet.
AkzoNobel betreibt mehrere Standorte in Frankreich und vertreibt Industriebeschichtungen unter den Marken Interpon, International und AkzoNobel. Das Portfolio umfasst Pulverlacke sowie Korrosionsschutz-, Schiffs- und Luftfahrtbeschichtungen. Das Projekt in Montataire ist damit Teil einer breiteren französischen Produktionsbasis und keine isolierte Investition.
Recyclingrohstoffe verändern die Produktentwicklung
Rohstoffe werden zu einem weiteren Wettbewerbsfeld. Im Mai 2026 kündigten Cromology und BASF an, in ausgewählten Tollens-Innenwandfarben ein Acrylbindemittel einzusetzen, das Rohstoffe aus dem chemischen Recycling von Altreifen einbezieht. Das BASF-Bindemittel Acronal Ccycled nutzt einen Massenbilanzansatz und wird in der Produktreihe Tollens Maxiline+ vermarktet.
Cromology verfügt über fünf Forschungslabore und neun Produktionsstandorte und beschäftigt 3.100 Menschen in sieben Ländern. Das Projekt mit BASF zeigt, dass Rohstoffherkunft, CO2-Fußabdruck und Kreislauffähigkeit neben Deckkraft, Beständigkeit und Lebensdauer zu Kaufkriterien werden. Für gewerbliche Kunden, die die Umweltwirkung von Gebäuden und Industrieprozessen senken wollen, dürften diese Merkmale an Bedeutung gewinnen.
Auch andere Hersteller entwickeln entsprechende Technologien. Sherwin-Williams arbeitet an Industriebeschichtungen, die von wasserbasierten Rezepturen mit niedrigem VOC-Gehalt bis zu Pulverlacken reichen. Am Standort Tournus sind mehr als 160 Menschen beschäftigt; außerdem befinden sich dort zwei europäische Labore.
Größe und Technologie treiben die Konsolidierung
Der Wettbewerbsdruck reicht über Frankreich hinaus. Auf dem europäischen Beschichtungsmarkt sind PPG, AkzoNobel, Sherwin-Williams, BASF, Axalta, Jotun und Hempel sowie europäische und französische Anbieter wie Cromology, V33 und DAW vertreten. AkzoNobel und Axalta bereiten eine Fusion vor, deren Abschluss vorbehaltlich der erforderlichen Genehmigungen für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet wird.
Der Zusammenschluss unterstreicht die wachsende Bedeutung von Größe, Investitionskraft und Technologie. Die aktuellen Projekte in Frankreich weisen auf eine Strategie mit effizienter lokaler Produktion, besser abgesicherter Versorgung und ressourcenschonenderen Produkten hin. Bei sinkenden Marktvolumen dürfte die Wettbewerbsfähigkeit stärker von der Leistung der Werke und differenzierten Rezepturen abhängen als von einem breiten Nachfragewachstum.