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Frankreich verschiebt Herstellerverantwortung für Industrieverpackungen auf 2027

Frankreich verschiebt die erweiterte Herstellerverantwortung für gewerbliche Verpackungen um sechs Monate auf den 1. Januar 2027. Betroffen ist ein Abfallstrom von jährlich 8 Millionen Tonnen; nach Veröffentlichung der Tarife bleibt den Unternehmen nur wenig Vorbereitungszeit.

Frankreich verschiebt Herstellerverantwortung für Industrieverpackungen auf 2027

Einführung auf Januar 2027 verschoben

Frankreich hat das Inkrafttreten der erweiterten Herstellerverantwortung für gewerbliche Verpackungen auf den 1. Januar 2027 verschoben, sechs Monate später als ursprünglich geplant. Wie Green et Vert berichtet, begründete der beigeordnete Minister für den ökologischen Wandel, Mathieu Lefèvre, die Entscheidung damit, dass die Beitragszahler noch nicht vollständig identifiziert seien und die Tarife der drei zugelassenen Organisationen Léko Pro, Citeo Pro und Twiice zu spät veröffentlicht worden seien.

Das System soll einen gewerblichen Verpackungsabfallstrom von jährlich 8 Millionen Tonnen erfassen. Bei Haushaltsverpackungen sind es 5 Millionen Tonnen. Diese unterliegen bereits seit 1992 der erweiterten Herstellerverantwortung, während industrielle Paletten, Fässer, Chemikalienbehälter und Schutzfolien bislang keinem vergleichbaren Finanzierungssystem für ihre Entsorgung unterlagen.

Der neue Rahmen übernimmt und erweitert das im März 2024 eingeführte System für Gastronomieverpackungen. Er umfasst Verkaufs-, Sammel-, Transport- und Primärproduktionsverpackungen. Nach Berechnungen von Green et Vert bleiben mit jedem Monat Verzögerung rund 650.000 Tonnen außerhalb des vorgesehenen organisierten Sammel- und Finanzierungssystems.

Komplexe Abfallströme brauchen Rückverfolgbarkeit

Industrieverpackungen stellen Wiederverwendung und Recycling vor praktische Aufgaben. Chemisch behandelte Holzpaletten benötigen spezialisierte Verwertungswege. Metallfässer können Rückstände von Chemikalien oder Lebensmitteln enthalten, während Kunststoffbehälter mit 20 bis 200 Litern Volumen dekontaminiert werden müssen. Citeo Pro schätzt laut Green et Vert, dass bis zu 70 % dieses Materials wiederverwendet oder recycelt werden könnten.

Die drei zugelassenen Organisationen müssen noch gemeinsame technische Protokolle für Kennzeichnung, Verwiegung und Berichterstattung vereinbaren. Zu den von Green et Vert genannten Möglichkeiten zählen Barcodes oder RFID-Chips, gemeinsame Datenbanken zur Rückverfolgbarkeit und einheitliche Kriterien für die Recyclingfähigkeit. Das Ministerium will die technischen Arbeiten bis September 2026 abschließen.

Lefèvre forderte außerdem, die Tarife der Organisationen für 2027 bereits im September 2026 zu veröffentlichen, vier Monate vor dem Start. Den Unternehmen blieben anschließend rund drei Monate, um einer Organisation beizutreten, die Kosten in ihre Budgets für 2027 aufzunehmen und Logistik sowie Berichtssysteme anzupassen. Kleine und mittlere Unternehmen dürften wegen ihrer geringeren administrativen und technischen Ressourcen stärker belastet sein als Großkonzerne.

Französischer Zeitplan weicht vom europäischen Aufbau ab

Die Verschiebung erfolgt während der Einführung der 2024 verabschiedeten EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle. Green et Vert zufolge setzt die PPWR unter anderem das Ziel, Verpackungsabfälle bis 2040 um 15 % zu reduzieren und 2030 für sämtliche Materialien eine Recyclingquote von mindestens 70 % zu erreichen. Hinzu kommen Anforderungen an Ökodesign, Recyclingfähigkeit und Rezyklatanteil sowie ein schrittweises Verbot bestimmter Einwegverpackungen.

Vergleichbare Systeme für gewerbliche Verpackungen bestehen in Deutschland und den Niederlanden seit 2023. Spanien führte seine Regelung für Industrieverpackungen im Januar 2026 ein. Unternehmen mit Aktivitäten in mehreren EU-Märkten müssen deshalb unterschiedliche Tarife, Berichtspflichten und Recyclingkriterien handhaben, obwohl die PPWR eine stärkere Harmonisierung anstrebt.

Die Verschiebung verzögert auch die Preissignale gestaffelter Tarife. Höhere Gebühren für schwer recycelbare Verpackungen können Monomaterial-Konstruktionen, Mehrwegbehälter und den Verzicht auf problematische Zusatzstoffe fördern. Hersteller in Chemie, Lebensmittelverarbeitung und Logistik behalten ihre bisherigen Lösungen weitere sechs Monate bei. Recycler und Anbieter von Verpackungstechnologien müssen länger auf regulierte Mengen und eine klarere Nachfrage warten.

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