Logista-Weißbuch: Frankreichs Tabak-Parallelmarkt ist massiv und strukturell
Ein Weißbuch von Logista, auf das die Fachpublikation Le Monde du Tabac erneut eingeht, bezeichnet den unversteuerten Tabakhandel in Frankreich als massiv, strukturell und wachsend. Die Schätzungen zum Anteil des Parallelmarkts reichen von 12,3 % in einer amtlichen Studie bis 53,6 % in einem KPMG-Bericht vom Juni 2026. Die Steuerausfälle werden auf 4 bis über 10 Milliarden Euro beziffert.
Der parallele Tabakhandel in Frankreich ist von einer Randerscheinung zu einem festen Bestandteil des Marktes geworden. Das geht aus einem Weißbuch von Logista hervor, auf das die französische Fachpublikation Le Monde du Tabac erneut eingegangen ist. Das Dokument mit dem Titel « Marché de la nicotine : comment reprendre le contrôle » (Nikotinmarkt: wie die Kontrolle zurückgewinnen) beschreibt den Parallelmarkt als massiv, strukturell und wachsend.
Le Monde du Tabac hatte bereits am 26. Juni und am 1. Juli über das Papier berichtet und griff es erneut auf, um die Passage zum Ausmaß des unversteuerten Konsums hervorzuheben. Ausgangspunkt ist das Kaufverhalten: Der Gang zum Tabakladen für eine Schachtel Zigaretten wird zunehmend seltener. Ein Teil der Konsumenten wendet sich aus gesundheitlichen Gründen vom Tabak ab, deutlich mehr Menschen verlassen jedoch die lizenzierten Verkaufsstellen zugunsten alternativer Kanäle.
Schätzungen zwischen 12,3 % und 53,6 %
Das Weißbuch führt vier voneinander unabhängige Messungen des Anteils am Tabakkonsum an, der am offiziellen französischen Markt vorbeigeht. Die Methoden unterscheiden sich, die Ergebnisse weichen erheblich voneinander ab.
- Die Studie TAFE (Tabac échappant à la fiscalité nationale), 2025 für die französische Zollverwaltung DGDDI und die interministerielle Drogenmission MILDECA veröffentlicht, beziffert den Konsum von Tabak außerhalb der französischen Besteuerung auf 12,3 % bis 22,4 %.
- Eine Studie von EY-Parthenon veranschlagt den Parallelmarkt auf 38 % des gesamten Marktes für Tabakwaren.
- Ein im Juni 2026 erstellter Bericht von KPMG bewertete den Anteil des Parallelmarkts mit 53,6 %; 41,4 % der in Frankreich konsumierten Zigaretten wurden als Schmuggelware und 37,6 % als Fälschungen eingestuft.
- Die Confédération des buralistes, der Verband der Tabakhändler, schätzt den Tabakschmuggel auf 30 % bis 40 % der Tabakverkäufe in Frankreich.
Die Bandbreite spiegelt eine reale Messschwierigkeit wider. Der Anteil außerhalb des offiziellen Marktes umfasst sowohl Käufe im Ausland als auch den illegalen Handel aus Schmuggel und Fälschung. Beides wird von der amtlichen Statistik nicht erfasst, und die Methoden zur Bestimmung der Größenordnungen variieren je nach Quelle.
Steuerausfälle von 4 bis über 10 Milliarden Euro
Je nachdem, welche Studie zugrunde gelegt wird, beziffert das Weißbuch den durch den Parallelmarkt verursachten Steuerausfall für den französischen Staat auf 4 bis über 10 Milliarden Euro.
Bereits am unteren Ende dieser Spanne entspricht die Lücke laut dem im Papier angeführten Vergleich in etwa dem Budget des Kulturministeriums oder der vollständigen Sanierung von mehr als 1.500 Schulen. Vor dem Hintergrund anhaltenden Haushaltsdrucks wird die Eindämmung des Parallelmarkts als zentrale Frage für die öffentlichen Finanzen dargestellt.
Zwei Jahrzehnte preisgetriebener Politik
Seit mehr als zwanzig Jahren beruht die französische Tabakpolitik auf regelmäßigen und anhaltenden Steuererhöhungen mit einem klaren Ziel: den Konsum über den Preishebel zu senken. Das Weißbuch räumt ein, dass diese Politik Wirkung auf die Raucherquote gezeigt hat.
Zugleich habe dasselbe Instrument dazu beigetragen, einen Parallelmarkt hervorzubringen, der inzwischen strukturell, massiv und im Wachstum begriffen ist — daraus leitet sich die Kernfrage des Dokuments ab, wie die Kontrolle über den Nikotinmarkt zurückzugewinnen ist.
Für legale Marktteilnehmer ist die Spannweite der Schätzungen selbst ein kommerzielles Problem. Wenn belastbare Zahlen von rund einem Achtel des Konsums bis zu mehr als der Hälfte reichen, hängen die Größe des adressierbaren legalen Marktes, das Volumen im lizenzierten Vertrieb und die erwartbaren Verbrauchsteuereinnahmen stark davon ab, welche Messung als Referenz akzeptiert wird.